Die Stadt Baden-Baden ist dringend auf der Suche nach Bereitschaftspflegefamilien.
EINE BEREITSCHAFTSPFLEGEFAMILIE muss immer zur Verfügung stehen. Wahrscheinlich deshalb gibt es nur wenige Interessenten. | Foto: pr

Betreuer auf Zeit

Stadt Baden-Baden sucht Bereitschaftspflegefamilien

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Bereits seit mehreren Jahren gibt es in Baden-Baden keine Bereitschaftspflegefamilien mehr. Dabei wären sie dringend nötig, erklärte Andrea Götz vom Pflegekinderdienst bei einem Pressegespräch. Sie vermutet, dass die hohen Anforderungen Interessenten abschrecken.

So muss eine Bereitschaftspflegefamilie immer zur Verfügung stehen, Urlaube und andere Abwesenheiten muss sie dem Fachgebiet Sozialpädagogische Beratungsdienste melden. Denn in einem Notfall muss sie jederzeit bereit sein, ein bedürftiges Kind aufzunehmen.

Kinder- und Jugendeinrichtungen schreiten aktuell bei Notfällen ein

„Einmal hat die Polizei nachts ein betrunkenes Paar am Augustaplatz mit einem nackten Säugling im Kinderwagen aufgefunden“, erzählt Daniel Schneider, Fachgebietsleiter Sozialpädagogische Beratungsdienste.

In diesem Fall wurde das Kind wegen Unterkühlung ins Krankenhaus gebracht, aber ansonsten wäre es ein Fall für eine Bereitschaftspflegefamilie gewesen – wenn es denn welche geben würde in der Bäderstadt.

„Bei Notfällen schreiten aktuell Kinder- und Jugendeinrichtungen ein, aber besonders bei jungen Kindern ist eine Familie mit einer festen Vertrauensperson besser geeignet“, informiert Bürgermeister Roland Kaiser.

500 statt 100 Euro für die ständige Erreichbarkeit der Pflegefamilien

Um Familien für diese Aufgabe zu werben, hat der Jugendhilfeausschuss Ende März beschlossen, den entsprechenden Pflegefamilien 500 Euro statt wie bisher 100 Euro im Monat für ihre ständige Bereitschaft zu bezahlen. „Damit holen wir auf, was in anderen Kommunen längst bezahlt wird“, so Kaiser.

Wenn die Familien ein Kind zugeteilt bekommen, beträgt der Tagessatz mittlerweile 35,53 Euro für Kinder bis zu sechs Jahren. Für Neuanschaffungen in Form von Möbeln werden einmalig 1 000 Euro übernommen, für Babyausstattung wie Windeln und Fläschchen einmalig 250 Euro.

Bei Bereitschaftspflegefamilien muss eine Person immer zu Hause sein

Trotz dieser Erhöhungen haben sich bisher noch keine Interessenten für das Amt gemeldet. Eine andere Hürde grenzt den möglichen Personenkreis weiter ein. Zwar können sich Paare, auch gleichgeschlechtliche, Einzelpersonen sowie Familien als Bereitschaftspflegefamilie bewerben.

Allerdings: „Es ist vorgeschrieben“, erläutert Götz, „dass eine Person immer zu Hause und für das Kind da sein muss, eine Berufstätigkeit ist nicht möglich.“ In der heutigen Zeit sei das schwer zu finden, meint Schneider.

Die Familien und vor allem die Hauptpflegeperson sollte zudem belastbar sein und auf das Kind eingehen können. Arztbesuche mit dem Kind stünden ebenso auf dem Programm wie Treffen mit den leiblichen Eltern, berichtet Götz.

Bereitschaftspflegefamilien sind nur Betreuer auf Zeit

Eine besondere Herausforderung sei, die Kinder nach einer gewissen Zeit auch wieder gehen zu lassen. Schließlich könnten die leiblichen Eltern nach ein paar Monaten ihre Probleme in den Griff bekommen und das Kind kann wieder zu ihnen zurück, erklärt Anna Kottler vom Pflegekinderdienst.

Manchmal werde eine Bereitschaftspflegefamilie auch nur für ein paar Wochen benötigt, beispielsweise bei einem Krankenhausaufenthalt der Mutter. In anderen Fällen bleibe das Kind ein halbes Jahr in der Familie. Genaue Vorhersagen könne man nicht machen, so Götz.

Für ihre Aufgaben werden die Bereitschaftspflegefamilien in mehreren Abendveranstaltungen geschult und auf die verschiedenen Herausforderungen vorbereitet. Während ihrer Zeit als Pflegefamilien stünde zudem immer das Amt an ihrer Seite und helfe bei Schwierigkeiten weiter.

Eine erste Info-Veranstaltung für interessierte Personen bietet das Fachgebiet Sozialpädagogische Beratungsdienste am Dienstag, 26. Juni 2018, ab 18 Uhr im Zentrum für Arbeit und Soziales, Gewerbepark Cité 1, an.