Künftig voraussichtlich wieder im Original-Zustand: Es zeichnet sich ab, dass private Sponsoren die Kosten übernehmen werden, um das Dach der Stourdza-Kapelle in Baden-Baden wieder zu vergolden | Foto: Kamleitner

Private Sponsoren helfen

Stourdza-Kapelle in Baden-Baden erhält wohl wieder ein Golddach

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Die rumänisch-orthodoxe Stourdza-Kapelle in Baden-Baden wird wohl wieder ihr vergoldetes Dach erhalten. Zwei politische Gruppierungen wollen dafür bürgen, dass private Sponsoren die  dafür erforderliche Summe aufbringen. Benötigt werden rund 85.000 Euro. Die Stadt lehnt eine Finanzierung aus dem kommunalen Haushalt ab.

Für die Stourdza-Kapelle in Baden-Baden zeichnet sich eine Lösung ab: Das rumänisch-orthodoxe Gotteshaus auf dem Michaelsberg wird voraussichtlich wieder ein goldenes Dach erhalten. Damit soll das Aussehen der Kapelle wieder in den Original-Zustand zurückversetzt werden.

Im Gemeinderat  sagte Martin Ernst, Fraktionsvorsitzender der Freien Bürger für Baden-Baden (FBB), zu, dass seine Gruppierung und die FDP dafür bürgten, den restlichen Spenden-Betrag, der für die Restaurierung des Dachs noch erforderlich ist, zu beschaffen. Zuvor hatte Frage der Vergoldung eine hitzige Debatte entfacht.

Spenden-Aufkommen ist zunächst zu niedrig

Die Stadtverwaltung hatte bereits vor Wochen deutlich gemacht, dass die Kapelle nur dann ein vergoldetes Dach erhalten werde, wenn die veranschlagten Kosten über Spenden zusammen kämen. Bürgermeister Alexander Uhlig hatte als Termin dafür Anfang April genannt.

Er hatte  den Bauausschuss informiert, dass das aktuelle Spenden-Aufkommen bei rund 43.000 Euro liege. Damit gebe es noch ein erhebliches Delta zu den Gesamtkosten von etwa 85.000 Euro. Uhlig hatte sich deshalb dafür ausgesprochen, die Wiederherstellung des Original-Zustands nachfolgenden Generationen zu überlassen.

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Antrag der FDP kommt nicht zur Abstimmung

Das rief die FDP auf den Plan. Stadtrat René Lohs wollte in der Gemeinderatssitzung beantragen, dass die Stadt den Restbetrag aus dem laufenden Haushalt finanzieren sollte. Auf Nachfrage von SPD-Fraktions-Chef Kurt Hochstuhl und nach Rücksprache mit dem Fachgebiet Recht kam es aus formalen Gründen erst gar nicht zur Abstimmung. Der FDP-Antrag stand nicht auf der Tagungsordnung. Hochstuhl appellierte zudem, nicht mitten im Spiel die Regeln zu ändern.

Wir können die Kriegsschäden von 1918 jetzt reparieren.

Heinrich Liesen, Stadtrat der Freien Bürger für Baden-Baden

Heinrich Liesen (FBB) gab zu bedenken, dass die Vergoldung eine historische Bedeutung habe: „Wir können die Kriegsschäden von 1918 jetzt reparieren.“ Es gebe auch eine Zeit nach der Pandemie. Baden-Baden sei eine bedeutende Stadt für Kultur und könne jetzt zeigen, dass sie an deren Weiterentwicklung arbeite. Er zeigte sich zuversichtlich, dass das Spenden-Aufkommen am Ende zwischen 60.000 und 70.000 Euro liegen werde.

Liesens Fraktionskollege Wolfgang Niedermeyer betonte, das Zeitfenster für eine Dach-Vergoldung werde sich voraussichtlich erst wieder nach zwei Generationen auftun, wenn die Stadt die Chance jetzt nicht nutze.

CDU, SPD und Grüne lehnen eine kommunale Finanzierung ab

Für CDU-Fraktions-Chef Ansgar Gernsbeck ist es nicht tragbar, in einer Zeit, in der viele Menschen um ihre Existenz bangten, dieses Vorhaben aus dem städtischen Haushalt zu finanzieren. Er unterstützt die Initiative, dafür Spenden zu sammeln: „Meine Erfahrung ist, dass sich in unserer Stadt für gute Projekte immer Sponsoren finden.“

Im Moment bricht vieles weg und wir unterhalten uns über ein goldenes Dach.

Hansjürgen Schnurr, CDU

Fabrice Gireaud, Fraktionsvorsitzender der Grünen, schloss sich der Haltung der SPD und CDU an, den Antrag abzulehnen. Es sei zum jetzigen Zeitpunkt das falsche Signal nach draußen, das Dach der Stourdza-Kapelle vergolden zu lassen.

Unterstützung gab es auch von Hansjürgen Schnurr (CDU): „Im Moment bricht vieles weg und wir unterhalten uns über ein goldenes Dach.“ Er regte an, die privaten Spenden an die vielen Helferinnen und Helfer zu geben, die sich in der Corona-Krise unermüdlich für das Gemeinwohl engagierten.

Wenn Sie mir ihre Zusage schriftlich geben, machen wir das so.

Margret Mergen, Baden-Badener Oberbürgermeisterin

OB Margret Mergen willigte am Ende auf Martin Ernsts Vorschlag ein, der dafür bürgen möchte, dass Sponsoren die gesamte Summe aufbrächten. „Wenn Sie mir ihre Zusage schriftlich geben, machen wir das so“, bekräftigte die Rathaus-Chefin. Sie räumte eine Frist bis zum 15. April ein, um den noch ausstehenden Betrag zu akquirieren.

Sollte das nicht klappen, werde sie den Gemeinderat einberufen und darüber abstimmen lassen, das Dach der Kapelle mit dem bisherigen grünen Anstrich zu versehen.

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