Zwei Stromausfälle gab es jüngst innerhalb von zwei Wochen in Baden-Baden.
Zwei Stromausfälle gab es jüngst innerhalb von zwei Wochen in Baden-Baden. | Foto: dpa

Folgefehler sind häufig

Stromausfälle in Baden-Baden: Der Bagger ist der Feind des Netzes

Anzeige

Es ist der Alptraum der Bürger und jedes Energieversorgers: ein Blackout. Nach zwei Stromausfällen, die jüngst innerhalb von zwei Wochen im Stadtteil Haueneberstein eintraten, gibt es bei den Stadtwerken Baden-Baden Überlegungen, mittelfristig das Stromnetz von einem sogenannten gelöschten Netz auf eine starre Erdung umzustellen.

Parallel dazu soll ein Kabelsanierungsprogramm aufgelegt werden. Darüber hinaus werden nach und nach vorsorglich rund 200 Übergangsmuffen von Masse- auf Kunststoffkabel ausgetauscht, wenn im Stadtkreis ohnehin Tiefbauarbeiten anstehen.

Unterschiede werden bei Störung bemerkbar

Im Betriebsausschuss der Stadtwerke war bei den Kommunalpolitikern Grundwissen der Elektrotechnik gefragt, um den Ausführungen der Stadtwerkeexperten bei diesem Thema folgen zu können. Im Regelfall bemerkt der Kunde den Unterschied zwischen einem gelöschten Netz und einem mit starrer Erdung erst bei einer Störung.

Stromausfälle in Baden-Baden

Die möchte jeder Stromversorger natürlich vermeiden, denn es ist für alle Beteiligten sehr unangenehm, wenn die Lichter ausgehen, Ampeln nicht mehr funktionieren oder etwa die Merkurbergbahn auf halber Strecke stehen bleibt. Doch es gibt immer wieder Blackouts. „Der Feind jedes Stromnetzes ist der Bagger“, heißt es dazu in Energieversorgerkreisen.

Erhöhte Spannung

Problematisch wird es, wenn ein Baggerführer einen von ihm am Stromkabel verursachten Schaden nicht umgehend meldet und den Graben wieder zuschüttet. Im starr geerdeten Netz sind die Auswirkungen umgehend spürbar: Blackout. Im gelöschten Netz der Stadtwerke muss in diesem Fall nicht automatisch abgeschaltet werden, die Betriebsmittel der beiden anderen Phasen werden dann allerdings mit einer höheren Spannung belastet. Die Betriebsmittel seien darauf ausgelegt.

Folgefehler in Haueneberstein

Die erhöhte Spannung kann jedoch Folgefehler in anderen Betriebsmitteln auslösen – und dann fällt der Strom erneut aus. So wie in Haueneberstein. Da wunderten sich viele Bürger, dass nach dem ersten Blackout das Licht zwar ausfiel, dann wieder anging, weil der Fehler gesucht und das Netz wieder freigeschaltet wurde. Schließlich wurde es wegen eines Folgefehlers erneut dunkel – bis die Störung endgültig behoben war.

Stromausfall: Eine Frau schmökert bei Kerzenlicht in einem Buch. Im Stadtkreis sind Blackouts zum Glück selten – aber nicht ausgeschlossen.
Stromausfall: Eine Frau schmökert bei Kerzenlicht in einem Buch. Im Stadtkreis sind Blackouts zum Glück selten – aber nicht ausgeschlossen. | Foto: Förster

Mit einem starr geerdeten Netz könne die Anzahl der Folgefehler minimiert werden, erläuterte Stadtwerkechef Helmut Oehler. Insgesamt sei die Zahl der Stromausfälle in Baden-Baden trotz der Vorkommnisse in Haueneberstein nicht gestiegen. Vier- bis fünfmal im Jahr komme das schon vor, aber nur in Teilen des Netzes. 70 bis 90 Prozent der Fehler im 20kv-Netz seien Erdschlüsse, also eine fehlerhafte oder eine unbeabsichtigte Verbindung eines Stromkreises mit der Erde, zum Beispiel durch einen Baggerbiss in ein Kabel.

Knapp fünf Minuten ohne Strom

Lange mussten Baden-Badener bei einem Stromausfall in einem Teil des Netzes im Stadtkreis nicht ohne Energie auskommen. Im Schnitt waren es 2018 laut Stadtwerke knapp fünf Minuten pro Kunde. Damit liegt der Wert deutlich unter dem Bundesdurchschnitt – der lag demnach bei zwölf Minuten.

Kommentar
Foto: ©jd-photodesign - stock.adobe.com

Unter Strom

Ein Blackout ist nicht nur für den Kunden unangenehm. Im Störungsfall stehen auch Mitarbeiter der Stadtwerke regelrecht unter Strom, um die Fehlerquelle umgehend auszumachen und zu beseitigen. Das erwarten auch die Strombezieher, die in der Ausfallzeit mit Einschränkungen leben müssen. Zum Glück sind solche Vorkommnisse im Stadtkreis eher die Ausnahme. Ganz ausschließen lassen sie sich aber auch künftig nicht. Daher macht es Sinn, wenn die Stadtwerke Überlegungen anstellen, wie ein Blackout in Teilen des Netzes vermieden werden kann.

Kein Nulltarif

Das Thema rückt aber noch einen anderen Aspekt in das Bewusstsein, den wir im Alltag schon als selbstverständlich betrachten: Die Bürger im Stadtkreis können sich auf eine gut funktionierende Infrastruktur verlassen. Das hat seinen Preis. Ein gut gewartetes und modernes Netz gibt es allerdings nicht zum Nulltarif!