Gesteuert durch ein GPS-Signal werden die Bohrlöcher auf dem SWR-Areal präzise im Winkel von 80 Grad hergestellt. Die Bohrungen reichen bis in eine Tiefe von 20 Meter. | Foto: Bernd Kappler

Sprengungen in Baden-Baden

Südwestrundfunk lässt es krachen

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250 bis 300 Millionen Jahre ist sie alt, die Baden-Badener Funkhöhe – geologisch betrachtet. Jetzt muss ein Teil weg, um Platz zu machen für das neue Südwestrundfunk-Medienzentrum, das den Sender zukunftsfähig machen soll. Drei bis dreieinhalb Jahre wird die Bauzeit dauern und ein Gutteil davon braucht der Aushub der Baugrube, der am Montag, 20. August, mit einer Probesprengung beginnen wird.

Baubeginn beim Südwestrundfunk im Februar

Sind die Ergebnisse positiv, lässt es der Südwestrundfunk dann bis Februar werktäglich krachen. Immer um 14.08 Uhr, sozusagen gleich nach den Nachrichten, denn der Live-Sendebetrieb darf nicht gestört werden.
Die Vorarbeiten laufen bereits seit Wochen, erläutert Bauleiter Uwe May vom Bühler Planungsbüro Wurm & Wurm, nach dessen Plänen das 50 Millionen Euro teure Projekt an der Hans-Bredow-Straße entstehen wird.

Zuerst ist der vorhandene Mutterboden abgetragen worden und zwischenzeitlich werden die Sprenglöcher gebohrt. Mit Hightech versteht sich, denn die Bohrmaschine wird zentimetergenau von einem GPS-Signal gesteuert. 20 Meter geht es in die Tiefe, genau in einem Winkel von 80 Grad, beschreibt Uwe May die Arbeiten. Bevor es richtig losgeht, gibt es am Montag eine Probesprengung zur Hans-Bredow-Straße hin. Dort sind 16 Löcher mit einer Tiefe von drei Meter gebohrt worden. „Wir wollen die Auswirkung der Sprengung auf die Gebäude feststellen“, so der Bauleiter.

40.000 Kubikmeter Fels müssen in den nächsten Monaten zur Erstellung der Baugrube gesprengt werden. | Foto: Bernd Kappler

Sensible Umgebung

Immerhin geht es um hochsensible Räume, wie zum Beispiel den Studios. Ein umfangreiches Messprogramm wird die Probesprengung begleiten. Klappt alles wie geplant, sind sogenannte Perforationssprengungen an der Reihe und zwar direkt unterhalb des Hörfunkgebäudes. Die 20 Meter tiefen Bohrlöcher sind bereits fertig. Mit diesen Sprengungen wird sozusagen die Grenze der späteren Baugrube definiert. Danach geht es dann in Drei-Meter-Abschnitten in die Tiefe mit den täglichen Lockerungssprengungen. Das lose Material – insgesamt sind es 40 000 Kubikmeter – wird dann ausgebaggert und abgefahren. Acht Lkw werden im Einsatz sein, um die rund 2 000 Lkw-Ladungen abzutransportieren. Ein Teil des Material geht in den Naturpark Nordschwarzwald, wo ein Parkplatz aufgefüllt wird, ein Teil nach Karlsruhe. Die Lkw fahren dabei über die Fremersbergstraße, Katzensteinstraße und den Waldseeplatz auf die B 500. Auf diesem Weg werden die Anwohner am wenigsten belastet. Nach der Einschätzung von Uwe May hat es aber bisher beim Abtransport des Oberbodens keinerlei Probleme oder Beschwerden gegeben.

Dicke Matten sollen verhindern, dass bei den Sprengungen Steine aufgewirbelt werden. | Foto: Bernd Kappler

Man sieht nicht viel

Sehen wird man von den Sprengungen nicht viel, denn die jeweils betroffenen Bereiche werden mit dicken aus alten Reifen bestehenden Matten abgedeckt. Dadurch soll Steinflug verhindert werden.
Die Hans-Bredow-Straße zwischen der Ernst-Becker-Straße und der Hermann-Sielcken-Straße ist ab Montag, 20. August, bis auf Weiteres montags bis freitags, nach 14 Uhr täglich für 15 Minuten für den gesamten Verkehr gesperrt. Die Sperrung erfolgt nur in der Zeit der Sprengungen und gilt auch für Fußgänger und Radfahrer, teilte die Stadtverwaltung ergänzend mit.

Emulsionssprengstoff im Einsatz

Parallel zu den Sprengungen – pro Bohrloch werden 1,8 bis zwei Kilogramm Emulsionssprengstoff verwendet – und zum Aushub erfolgt die Sicherung der Baugrube. Das Ganze wird sich voraussichtlich bis Februar hinziehen.

Danach geht es nahtlos mit den Rohbauarbeiten weiter. Drei große Baukräne werden dann für die nächsten Monate das Bild auf der Funkhöhe prägen. Während der Bauzeit wird die Hans-Bredow-Straße halbseitig gesperrt und der Verkehr wird mit einer Ampel geregelt.

 

Kommentar
Bauprojekte, die 50 Millionen Euro kosten, lösen allein schon wegen ihrer Größe Diskussionen und auch Ängste aus. Beim neuen Medienzentrum des Südwestrundfunks war und ist dies in besonderem Maße der Fall.
Zuerst war es die Architektur. Allein schon der Gedanke, der Sender könnte einen Turm als besonderes Markenzeichen bauen, ließ vor Monaten die Volksseele zum Kochen bringen.
Das Ergebnis des Architektenwettbewerbs ließ die Kritiker schnell verstummen. Mehr noch: Die veröffentlichten Visualisierungen lassen den Schluss zu, dass an der Hans-Bredow-Straße ein in den Berg hinein modelliertes Schmuckstück entstehen wird.
Die nächste große Angst: die Baustelle an sich mit Lärm und Schwerlastverkehr. Für den Bertholdplatz war sogar der Verkehrskollaps prophezeit worden. Seit Wochen rollen die Lastwagen (eine ganz andere Route) und bringen den Oberboden weg. Beschwerden sind bis dato noch nicht bekannt geworden. Die Hoffnung beim Bauherrn bleibt, dass dies so bleiben wird. Wetten: Am Ende werden auch die Bedenkenträger auf den Neubau anstoßen.