Akten in achtfacher Ausfertigung: Der Südwestrundfunk hat am Dienstag im Baden-Badener Rathaus den Bauantrag für das neue Medienzentrum abgegeben. Mit der Bauvorbereitung soll bereits im Sommer begonnen werden. | Foto: Bernd Kappler

Crossmediale Zukunft

SWR investiert in Baden-Baden

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Zwei Leitzordner und das gleich in achtfertiger Ausfertigung. Mit diesem Marschgepäck sind am Dienstag SWR-Verwaltungsdirektor Jan Büttner und Norbert Warth, der Leiter der Hauptabteilung Service und Gebäudemanagement, im Baden-Badener Rathaus bei Oberbürgermeisterin Margret Mergen und Baudezernent Alexander Uhlig aufgeschlagen. Inhalt: Der Bauantrag für das neue Medienzentrum des Südwestrundfunks (SWR), in dem 2022 die crossmediale Zukunft des Senders vorläufig vollendet werden soll.

Für SWR ein Brückenschlag

Ein weiterer wichtiger Schritt zur Entwicklung des SWR als mit 1.900 Mitarbeitern maßgeblicher Arbeitgeber an der Oos, wie die Oberbürgermeisterin betonte, und der entscheidende Brückenschlag zwischen Hörfunk und Fernsehen, wie Jan Büttner feststellte. Sein Dank galt der Stadt, denn der Prozess einschließlich des Realisierungswettbewerbs sei gemeinsam zwischen SWR und Stadt gemeinsam vorangebracht worden.
Eine Teilbaufreigabe vorausgesetzt, sollen die Bauarbeiten bereits im Sommer mit der Baureifmachung des Geländes beginnen. Nach der Fußball-WM – der SWR fungiert hier bekanntlich als zentrale Schaltstelle für ARD und ZDF – werden hierzu auch Sprengarbeiten erfolgen müssen. Verschwindet doch ein Gutteil des nach den Plänen der Bühler Architekten Wurm + Wurm entworfenen Vorhabens im Hang an der Hans-Bredow-Straße. Die eigentlichen Bauarbeiten sollen dann im Frühjahr 2019 losgehen. Der Sender investiert rund 50 Millionen Euro in das Projekt.

Investitionen von 50 Millionen

Ein Teil dieser Investitionen wird bekanntlich durch den Verkauf der bisherigen SWR-Geländeanteile westlich der Hans-Bredow-Straße refinanziert. Dort wird in drei Bauabschnitten das Wohngebiet „Wohnen am Tannenhof“ eines privaten Investors verwirklicht.
Das entsprechende Bebauungsplanverfahren sei auf einem guten Weg, sagte am Dienstag Bürgermeister Alexander Uhlig. Sobald alle Unterlagen beieinander seien, könne die Stadt den Gremien den Offenlagebeschluss unterbreiten.

Verkehrsmanagement

Parallel zu den Baumaßnahmen wird nach Angaben von Verwaltungsdirektor Jan Büttner auch das in die Wege geleitete Verkehrsmanagement fortgeführt, an dem sowohl der Sender, seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter als auch die Stadt und die Stadtwerke beteiligt sind. Auf der einen Seite werde sich die ÖPNV-Erschließung verbessern müssen, ist sich Büttner sicher. Auf der anderen Seite seien aber auch die Mitarbeiter gefordert. Da 600 Parkplätze durch den Neubau wegfallen, seien neue Konzepte gefragt. Dazu zähle auch die Einführung von Parkgebühren auf den Mitarbeiterparkplätzen.

Kommentar 
Beton ist immer gut, wenn es darum geht, Standorte zu sichern. Man erinnert sich nur wenige Jahre zurück, als die beim Südwestrundfunk angekündigten Sparmaßnahmen schnell in Standortängste umgeschlagen waren. Sollte Baden-Baden zwischen den Landeshauptstädten Stuttgart und Mainz unter die Räder kommen? Der Sender hat stets dementiert, Ängste und damit Diskussionen waren aber geblieben.
Zwischenzeitlich ist Ruhe eingekehrt, wozu nicht zuletzt die Pläne für ein neues Medienzentrum auf der Funkhöhe beigetragen haben. Motto: Wer Fundamente legt, der bleibt. Zwischenzeitlich hat der Sender Wort gehalten und genau ein Jahr nach der Entscheidung des Gestaltungswettbewerbs die Bauanträge vorgelegt. Angesicht der Komplexität des Unterfangens Rekordzeit. Und mit der gleichen Schlagzahl wird es weitergehen, 2022 soll schließlich die multimediale Zukunft Realität sein.
Für die Kommunalpolitik bedeutet das aber kein Ruhekissen. Es wird gesprengt werden müssen. Man darf gespannt sein, wann diese Arbeiten hinterfragt werden …
Und dann ist da noch der Wegfall von 600 Parkplätzen auf der einen Seite und ein neues Wohngebiet auf der anderen. Verlangt der Sender von seinen Mitarbeitern künftig Parkgebühren, wird der Parkdruck automatisch folgen. Mithin sollte das im Spätsommer 2017 auf den Weg gebrachte Mobilitätskonzept alsbald im Detail auf die Tagesordnung kommen.