Wer führt den SWR künftig? Zwei Bewerber scheinen favorisiert. | Foto: SWR/Jürgen Pollak

Wahl des Intendanten

SWR-Kandidat zieht Bewerbung zurück

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Der Ärger darüber, wie der neue SWR-Intendant gewählt werden soll, hat erste Folgen. Ein Kandidat zieht seine Bewerbung zurück – „um weiteren Schaden von unserem Sender abzuwenden“, wie er schreibt.

Die Sitzung im Stuttgarter Funkhaus am Freitagvormittag dürfte intensiv werden. Dort beschließen die 74 Rundfunk- und 18 Verwaltungsräte des SWR, wie der neue Intendant gewählt werden soll. Die Arbeitsgruppe hat vorgeschlagen, dass – wohl am 23. Mai – zwischen Stefanie Schneider (Landessenderchefin) und Kai Gniffke (Chefredakteur ARD-aktuell) entschieden wird. Weitere hochkarätige Bewerber für die SWR-Spitze wie Andreas Cichowicz (Fernseh-Chefredakteur NDR) oder Clemens Bratzler (stellvertretender Landessenderchef) blieben außen vor. „Das ist bei uns auf Unverständnis gestoßen“, sagt ein Rundfunkrat, der für die Versammlung am Freitag einige Unmutsäußerungen erwartet.

Jan Büttner
Jan Büttner | Foto: Bernd Kappler

Eine Konsequenz gibt es schon vorab: Jan Büttner zieht seine Kandidatur zurück. „Ich habe (…) den Eindruck, dass wir jetzt alles tun müssen, um weiteren Schaden von unserem Sender abzuwenden“, schreibt der SWR-Verwaltungsdirektor in einem Brief an alle Rundfunk- und Verwaltungsräte. „Vielleicht hilft es, wenn sich der Kreis der Bewerber auf diese Weise verkleinert. Es geht nicht um meine Person, es geht um den SWR.“

Zwei in der Vorauswahl: „Absolut schädlich“

Büttner hätte ohnehin „keine große Chance gehabt“, befindet ein Rundfunkrat. Mit dem uneigennützig wirkenden Rückzug könne er sich so noch „Lorbeeren abholen“. Dass er sich als interner Anwärter trotz Schneiders Kandidatur beworben habe, sei „schon eine Ansage“ gewesen. Seinen Rückzug bezeichnet ein Mitglied des Verwaltungsrats als „sehr, sehr ehrenhaft“, angesichts der Chancen aber auch als „realistisch“.
Die Suche nach einem Nachfolger von Intendant Peter Boudgoust läuft emotional.

Volker Stich wirft der Arbeitsgruppe mit ihrer Vorauswahl auf zwei Kandidaten „Naivität“ vor. „Dass mit ihrem Vorschlag Mitbewerber deklassiert werden, war ihnen nicht bewusst“, sagt der Vorsitzende des Landesrundfunkrats Baden-Württemberg. „Aber es ist absolut schädlich für die Forderung nach einem transparenten Verfahren.“ Den zuletzt geäußerten Verdacht politischer Einflussnahme zog er aber zurück. „Das wird es nicht geben.“

Bewerberfeld kann noch geöffnet werden

Der Leiter der Arbeitsgruppe, Hans-Albert Stechl, kann die Kritik nicht nachvollziehen. „Es ist nichts als ein Vorschlag“, sagt er und verweist darauf, dass bei Intendantenwahlen anderer Landessender auch nur ein bis drei Kandidaten vorgeschlagen wurden. Zudem könne das Feld noch geöffnet werden. Darauf hoffen man-
che Rundfunkräte. „Alle Kandidaten hätten die Chance auf eine Mehrheit“, sagt einer.