Klassik trifft Moderne bei der kubanischen Tanzproduktion „Ballet Revolución“.
Klassik trifft Moderne bei der kubanischen Tanzproduktion „Ballet Revolución“. | Foto: Johan Persson

Kubanische Produktion

„Ballet Revolución“ durchbricht im Festspielhaus Baden-Baden die Regeln des Tanzes

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Das klassische Ballett hat seine klaren Grenzen. Ein Ausbruch aus den Normen – eher unüblich. Dass sich hinter den reglementierten Bewegungsformen mehr Möglichkeiten verstecken, als oft gezeigt wird, enthüllt das Ensemble von „Ballet Revolución“ drei Abende lang im Festspielhaus Baden-Baden.

Die Choreografen Aaron Cash und Roclan González Chávez setzen auf kubanische Lebensfreude und Einflüsse der Kultur. Dabei folgen sie allen Regeln einer kommerziellen Tanzproduktion, die für die große Bühne gemacht ist: positive Stimmung, sexy Performances und weltweit bekannte Top-Songs. Letztere spielt unter der musikalischen Leitung von Osmar Salazar Hernandez eine siebenköpfige Live-Band.

Bis sich die kubanische Bewegungsfreude auf das Publikum überträgt, braucht es erst einmal ein paar Lieder. Perfekt durchchoreografiert halten sich die Tänzer an ihre Vorgaben, erfüllen jegliche technische Anforderungen und beweisen Professionalität.

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Vermutlich ist es genau diese, die am Anfang des Abends den eigensinnigen Geist der „Revolución“ noch etwas zurückhält. Das macht die Vorstellung zwar keineswegs weniger sehenswert, aber eben auch zu einem geradlinigen modernen Ballett in auffälligen Kostümen. Designt hat diese der Kubaner Jorge González, unter anderem bekannt aus der TV-Show „Let’s Dance“.

„Ballet Revolución“ teilt Energie und Emotionen

Die Produktion gewinnt, als sich sowohl die Choreografen als auch die Tänzer mehr künstlerische Eigenständigkeit trauen und klassische Bewegungsformen stärker durchbrechen. Es entstehen Momente, in denen sich der Zuschauer kaum auf das Gesamtbild konzentrieren kann.

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Dann setzt sich dieses vielmehr aus Soli, Duetten oder kleinen Gruppierungen zusammen, die auf der Bühne wie Popcorn hochploppen. Die Dynamik nimmt zu. Energie und Emotionen, die die Tänzer definitiv benötigen, um der Choreografie gerecht zu werden, kommen im Zuschauerraum endlich an.

Live-Band tritt musikalisch aus dem Hintergrund

Tempo macht die Band mit ihren Trommeln. Musikalisch tritt sie mehr als einmal aus dem Bühnenhintergrund hervor. Besonders in ihrer Version des oscarprämierten Songs „Shallow“ von Lady Gaga zeigen die Sänger Janine Johnson und Weston Foster, dass sie nicht nur Beiwerk sind.

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Die Kombination aus Live-Musik und Tanz bringt sowohl für die Band als auch das Ensemble zusätzliche Herausforderungen. Beide müssen sich im Detail an die Abläufe halten, sie sind aufeinander abgestimmt und erlauben keine Fehler oder kurzfristigen Änderungen.

Klassisches Repertoire zu Pop-Songs

Das Arrangement der Musik verlangt Geschwindigkeit, auf die die Choreografie mitunter verzichtet – um womöglich Verschnaufpausen zu schaffen oder Zeit einzuräumen, Balletttechnik zu präsentieren.

Zu „I don’t care“ von Ed Sheeran und Justin Bieber etwa schaffen fünf der männlichen Tänzer die Illusion einer klassischen Kompanie, die ein für Ballett typisches Repertoire an Drehungen und Sprüngen umsetzt. Immer wieder verändern folkloristische Elemente sowie akrobatische Einflüsse aus dem zeitgenössischen Tanz den Stil.

Kubaner schaffen Zugang zu Tanz

Das Ensemble zeigt sich wandlungsfähig. Was jedoch nie verloren geht, ist der getanzte Einfluss kubanischer Kultur. Dieser ist nicht immer offensiv und plakativ, aber in der Essenz durchweg erkennbar. „Ballet Revolución“ macht Tanz grenzüberschreitend greifbar, auch für Menschen, die sonst keinen Zugang dazu finden. Janina Keller

Eine weitere Vorstellung von „Ballet Revolución“ gibt es am Donnerstag, 16. Januar, 20 Uhr, im Festspielhaus Baden-Baden.