Genügend Abstand: Nicola May, Intendantin des Theaters Baden-Baden, sieht keine Probleme, im Zuschauerraum die Vorgaben der Corona-Verordnung einzuhalten.
Genügend Abstand: Nicola May, Intendantin des Theaters Baden-Baden, sieht keine Probleme, im Zuschauerraum die Vorgaben der Corona-Verordnung einzuhalten. | Foto: Klenk

Sehnsucht nach der Bühne

Theater Baden-Baden plant kleineres Format für laufende Spielzeit

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Das Theater Baden-Baden gibt die laufende Spielzeit trotz Corona-Krise noch nicht verloren. Nachdem die Landesregierung den Kultur-Institutionen eine Öffnungsperspektive in Aussicht gestellt hat, plant das Haus am Goetheplatz eine Produktion im kleineren Format. Auf die vorgesehene Freilicht-Aufführung am Marktplatz möchte Intendantin Nicola May jedoch verzichten.

Die baden-württembergischen Staatstheater haben die laufende Spielzeit bereits beendet und aufgegeben. Nicht so das Theater Baden-Baden.

„Ich hoffe, dass wir noch spielen dürfen und können“, betont Intendantin Nicola May im Gespräch mit unserer Redaktion. „Wir möchten das auch gerne“, bekräftigt sie, „wir vermissen den Theaterbetrieb und die Zuschauer sehr.“

Kunstministerin Theresia Bauer möchte den Kultur-Institutionen helfen

Diese Hoffnung stützt sich auf eine Ankündigung von Kunstministerin Theresia Bauer, die dem Kultursektor nach der Wochen langen Corona bedingten Zwangspause eine Öffnungsperspektive bieten möchte. Das Ministerium arbeite an konkreten Regelungen, um den Kultur-Institutionen Spielräume für kleine, kreative Formate zu schaffen.

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Liederabende und Lesungen, Solisten-Auftritte, Kleinkunst, Tanz und Theater in kleiner Besetzung – das könnte dann unter strengen Auflagen für Abstands- und Hygieneregeln wieder möglich sein. „Die konkrete Verordnung ist noch nicht gekommen“, berichtet May. Ein genauer Zeitpunkt, wann der Spielbetrieb wieder starten könnte, stehe ebenfalls noch nicht fest – möglich seien der 1. oder 5. Juni.

Uns fehlt der direkte analoge Kontakt zum Publikum.

Nicola May, Intendantin des Theaters Baden-Baden

Das Ensemble möchte die Durststrecke beenden und sehnt sich nach „echten“ Aufführungen. Das Haus am Goetheplatz hatte in den vergangenen Wochen zwar einige digitale Angebote, die auf der Homepage und in den Sozialen Medien abrufbar sind, im Programm. „Aber uns fehlt der direkte analoge Kontakt zum Publikum“, versichert die Intendantin.

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Eine Freilicht-Aufführung wird es nicht geben

Sie plant, wenigstens noch ein Stück auf die Bühne zu bringen. Zunächst war eine Freilicht-Aufführung auf dem Marktplatz vorgesehen. Doch May hat sich von dieser Idee inzwischen verabschiedet. „Auf der Freilichtbühne bekommen wir zu wenige Besucher unter. Das lohnt sich nicht“, erläutert sie. Sollten Indoor-Spielstätten wieder erlaubt sein, möchte sie die Produktion lieber ins Theater verlegen.

Es wird jedoch nicht Carlo Goldonis Stück „Krach in Chiozza“ sein, mit dem das Haus ursprünglich die Saison als Freilicht-Aufführung beenden wollte. „Bei dem benötigten 13-köpfigen Ensemble ist es nicht möglich, die Abstandsregeln auf der Bühne einzuhalten“, informiert May.

Das ausgefallene Stück „Der Vorname“ kommt auf die Bühne

Stattdessen hat die Intendantin sich für Matthieu Delaportes und Alexander de la Patellières „Der Vorname“ entschieden. Diese Inszenierung sollte ursprünglich am 13. März Premiere haben, doch die Aufführung fiel der Corona bedingten Schließung zum Opfer. Da das Stück bereits aufführungsreif geprobt ist, lässt es sich May zufolge in den nächsten Wochen relativ schnell umsetzen.

Der Vorteil: Die Produktion benötige nur fünf Schauspielerinnen und Schauspieler, sodass die Vorgaben der Corona-Verordnung einzuhalten seien. Das Theater sei in der Lage, die Abstandsregeln auch für die Zuschauer zu garantieren.

Das Stück soll wieder ins Programm: Das Theater plant, die wegen der Corona bedingten Zwangspause ausgefallene Produktion „Der Vorname“, noch zu präsentieren. | Foto: Klenk

Logen und Sitze lassen sich leicht abtrennen

„Allein schon wegen der Architektur haben wir da bessere Karten als andere Häuser“, bekräftigt die Intendantin. Es gebe beispielsweise Logen, die sich leicht abtrennen ließen. Es sei auch unproblematisch, die Abstände auf den Stuhlreihen im Parkett zu wahren. „Zudem hat das Stück keine Pause, sodass niemand an der Toilette anstehen muss“, informiert May weiter. Für die Führung der Besucher im Foyer arbeite sie noch an einem Konzept.

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Die Intendantin hat bereits die kommende Spielzeit im Blick. Allzu viel möchte sie noch nicht verraten, den Spielplan wird sie nächste Woche vorstellen. „Das steht alles noch unter Vorbehalt“, räumt die Intendantin ein. Sie lässt jedoch durchblicken, dass Produktionen vorgesehen sind, die in dieser Saison geplant waren wie etwa „Simplicissimus“, die Kammeroper zu den Osterfestspielen. Aber auch das bislang sehr gut gelaufene Musical „Hochzeit mit Hindernissen“ werde das Theater wohl wieder aufnehmen.