Für die Opfer ein Ort des Grauens: Die Polizei ermittelt gegen einen früheren Jugendbetreuer des THW Baden-Baden, der im Keller dieses Gebäudes der Katastrophenschutzorganisation Kinder sexuell missbraucht haben soll.
Für die Opfer ein Ort des Grauens: Die Polizei ermittelt gegen einen früheren Jugendbetreuer des THW Baden-Baden, der im Keller dieses Gebäudes der Katastrophenschutzorganisation Kinder sexuell missbraucht haben soll. | Foto: Rudolphi

Staatsanwaltschaft ermittelt

THW-Jugendbetreuer aus Baden-Baden soll mindestens elf Kinder missbraucht haben

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Nach dem nachgewiesenen sexuellen Missbrauch an 37 Kindern in 133 Fällen durch einen Schwimmlehrer in der Zeit von Oktober 2015 bis September 2017, wofür das Landgericht Baden-Baden den Mann im November 2018 zu zwölf Jahren Haft mit anschließender Sicherungsverwahrung verurteilt hat, erschüttert ein weiterer Missbrauchsskandal die Region.

Ein früherer Jugendbetreuer des Technischen Hilfswerks (THW) Baden-Baden steht im Verdacht, mindestens elf Jungen im Alter zwischen sechs und zwölf Jahren mehrere Monate lang sexuell missbraucht zu haben. Ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Baden-Baden bestätigte am Mittwoch entsprechende Medienberichte. Die Behörde informierte weiter, dass sie gegen einen 20-jährigen Mann wegen Kindesmissbrauchs ermittele.

Taten sollen in Kellerräumen geschehen sein

Der Beschuldigte soll die Taten zwischen März und Dezember 2018 während der Übungsstunden auf dem Vereinsgelände des THW-Ortsverbands begangen haben. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft hat er die Kinder bei den Treffen von der Gruppe getrennt, sie in Kellerräume geführt, um sich dort an ihnen zu vergehen.

Die Ermittlungen der Polizei kamen Ende des vergangenen Jahres ins Rollen, nachdem sich Opfer ihren Eltern anvertraut und diese dann Anzeige erstattet hatten. Offenbar hatten sich zuvor einige Kinder an die THW-Jugendleitung gewandt, die ihnen aber nicht geglaubt habe.

 

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20-Jähriger legt Geständnis ab

Der Staatsanwaltschaft zufolge hat der 20-Jährige die Taten eingeräumt und ein Geständnis abgelegt. Es sei aber noch unklar, ob der Mann schuldfähig ist. Ein psychiatrischer Sachverständiger prüfe derzeit den Gesundheitszustand des Beschuldigten. Der mutmaßlich Sexualstraftäter befinde sich während der Ermittlungen auf freiem Fuß, da keine Haftgründe gegen ihn vorlägen.

Wegen des Alters des Mannes fallen dessen Taten unter das Jugendstrafrecht. Weder Polizei noch Staatsanwaltschaft haben bisher über diesen Fall berichtet. Die Straftaten wurden publik, weil sich Eltern der betroffenen Kinder an die Öffentlichkeit gewandt hatten.

THW weiß seit Dezember 2018 von den Vorwürfen

Der Baden-Badener Ortsverband des THW hat sich bislang nicht zu den Vorwürfen gegen den früheren Jugendbetreuer geäußert und war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Das THW Baden-Württemberg bestätigte auf BNN-Nachfrage den mutmaßlichen sexuellen Missbrauch. „Wir wissen davon seit Dezember 2018“, räumte Peter Buß, Pressesprecher des Landesverbandes, ein und verwies auf eine entsprechende Anzeige der Eltern.

Das THW habe nach Bekanntwerden der Vorfälle sofort reagiert, den damaligen Jugendbetreuer suspendiert und ihm ein Hausverbot erteilt. Inzwischen habe die Organisation den Mann aus ihrem Verband ausgeschlossen. Buß zufolge hat das THW den Kontakt zu den Eltern und den Missbrauchsopfern gesucht und Gespräche mit ihnen geführt.

Anwalt: THW ließ Opfer und Eltern weitgehend im Stich

Unterdessen geht der Baden-Badener Rechtsanwalt Gerhard Bräuer, der zwei Familien mit drei betroffenen Kindern vertritt, mit dem Technischen Hilfswerk scharf ins Gericht. Die Eltern kritisierten vor allem das aus ihrer Sicht völlig unzureichende Krisenmanagement des Verbands. Dieser habe es an konkreter Hilfe fehlen lassen. Und das in einer Situation, in der einige der Opfer ganz erheblich unter den Folgen des Missbrauchs litten.

Die Familien hätten Bräuer zufolge erwartet, dass das THW professionelle psychotherapeutische Betreuung und Beratung vermittele. Das sei aber nicht passiert, weshalb die Eltern sich allein gelassen fühlten. Das THW habe die Familien wissen lassen, sie sollten sich an das Jugendamt wenden, dort gebe es gute Betreuer.

Der Rechtsanwalt weist darauf hin, dass es mitunter ein halbes Jahr dauern könne, um einen Termin bei einem niedergelassenen Psychotherapeuten zu bekommen. Angesichts der schweren Missbrauchsfälle und des seelischen Wohls der Kinder sei das völlig unakzeptabel.