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Ein überraschendes Ende hat am Freitag das Verfahren gegen einen jungen Gambier vor dem Landgericht Baden-Baden genommen. Er soll im Mai 2018 eine 56-Jährige aus Rastatt vergewaltigt haben. | Foto: Peter Steffen/Archiv

Vor dem Amtgericht

Trotz dünner Beweise: Gambier in Baden-Baden wegen Vergewaltigung verurteilt

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Ein überraschendes Ende hat am Freitag das Verfahren gegen einen jungen Gambier vor dem Landgericht Baden-Baden genommen. Er soll im Mai 2018 eine 56-Jährige aus Rastatt vergewaltigt haben.

Die Frau soll offenbar regelmäßig sexuelle Kontakte in Flüchtlingsunterkünften wie der in der Westlichen Industriestraße unterhalten und bei dieser Gelegenheit jeweils dem Alkohol kräftig zugesprochen haben.

Der Angeklagt erhielt eine Gefängnisstrafe von drei Jahren und acht Monaten und soll der Frau obendrein ein Schmerzensgeld in Höhe von 4000 Euro zahlen.

Keine DNA-Spuren des Angeklagten an Unterwäsche

Die Spuren, die im Nachgang gesichert werden konnten, schienen jedoch während der drei Verhandlungstage äußerst dünn, soweit diese im öffentlichen Teil der Verhandlung vorgetragen wurden. Trotz der Zweifel, die im Zuschauerraum aufkamen, entschied das Gericht gegen den Angeklagten, von dem weder Sperma noch anderes genetisch verwertbares Material an der 56-Jährigen Rastatterin gesichert werden konnte. Detailliert hatte eine Gutachterin den Slip der Frau auf Spuren untersucht, fand dabei Sperma von drei verschiedenen Männern. Die DNA des Angeklagten ließ sich jedoch nur am hinteren Bund des Slips als sogenannte Abriebspur feststellen. Für das Gericht Beweis genug, dass der Mann seinem möglichen Opfer die Kleidungsstücke heruntergerissen haben soll und das gleich drei Mal.

Interesse am Alkohol

Er selbst hatte angegeben, dass er die Frau in der Flüchtlingsunterkunft angetroffen hatte, als sie leidlich alkoholisiert mit einer teilentleerten Wodkaflasche nach ausgiebiger sexueller Betätigung wieder in Richtung Stadtbahn wollte. An der Frau sei er nicht interessiert gewesen. Doch aufgrund seine offenbar verbrieften massiven Alkoholsucht-Problems spekulierte er auf die Flasche. Auf dem Weg in Richtung Bahnhof sei die Frau wenigstens zweimal gestürzt. Beim zweiten Mal, so hatte der Angeklagte eingangs erklärt, habe sie ihn mit zu Boden gerissen.

Betroffenheit im Saal

Der Verteidiger des Angeklagten hatte Freispruch gefordert und war sichtlich betroffen angesichts des Urteils. Er wird im Auftrag seines Mandanten Revision einlegen, erklärte er auf Anfrage.

Von unserer Mitarbeiterin Christiane Krause-Dimmock