Auswirkung der extremen Trockenheit: Den ersten Waldbrand musste die Baden-Badener Feuerwehr vor Kurzem löschen.
Auswirkung der extremen Trockenheit: Den ersten Waldbrand musste die Baden-Badener Feuerwehr vor Kurzem löschen. | Foto: Wagner

Waldbrandgefahr

Trotz Regen: Trockenheit bereitet in Baden-Baden Sorgen

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Strahlender Sonnenschein, wenig Regen, angenehm warme Temperaturen: Der April hat sich von seiner schönsten Seite gezeigt. Viele haben sich über das Kaiserwetter gefreut und ihre Zeit am liebsten in der freien Natur verbracht. Doch genau um die machen sich die Verantwortlichen der Stadt Baden-Baden gerade Sorgen.

„Wir hatten in diesem Jahr einen wahnsinnig trockenen April. Es herrschten für diesen Monat außergewöhnlich hohe Temperaturen und ein Wind, der auch nochmal austrocknet“, sagt Thomas Hauck, Leiter des städtischen Fachgebiets Forst und Natur.

„Nach 2018 und 2019 zeichnet sich das dritte Dürrejahr ab. Das bereitet uns Sorgen. Schon jetzt sterben Bäume ab, auch alte, weil sie einfach nicht genug Wasser haben.“ Hauck bemerkt im Bezug auf die Trockenperioden von Jahr zu Jahr eine Verschlimmerung. Zusammen mit Stürmen und Starkregen-Ereignissen stellen sie für ihn eindeutig Symptome des Klimawandels dar.

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Neben Trockenheit ist der Borkenkäfer eine weitere Bedrohung

Dazu kommt eine weitere nicht zu unterschätzende Bedrohung. Der Borkenkäfer fliegt in diesem Jahr zwei bis drei Wochen früher aus und befällt die ohnehin geschwächten Bäume. Wenn ein Baum vom Käfer befallen ist, bleibt nur die Fällung. Er muss dann schnell entrindet und ins Sägewerk gebracht werden. „Das machen wir mit großem Aufwand“, berichtet der Forstamts-Leiter, denn auf Insektizide verzichten sie schon seit Jahren. Wenn ein Baum allerdings abstirbt, kann man nichts mehr tun.

Wenn es nach meinen Wünschen ginge, könnte es den ganzen Mai durch regnen.

Thomas Hauck, Leiter des städtischen Fachgebiets Forst und Natur in Baden-Baden

Deswegen wäre jetzt vor allem eines wichtig: Regen. Mit einem Tag Regen ist es allerdings nicht getan. „Wir brauchen viele Tage, am liebsten Wochen. Wenn es nach meinen Wünschen ginge, könnte es den ganzen Mai durch regnen“, sagt Hauck lachend.

Einen weiteren Grund für im Frühjahr schon so extreme Trockenheit sieht er in den schneelosen Wintermonaten: „Winter mit einer Schneedecke, die langsam abtaut und im Boden versickert, haben wir nicht mehr.“

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Die Trockenheit war auch der Auslöser für den ersten Brand, den die Feuerwehr vor Kurzem im Baden-Badener Stadtwald löschen musste. „Wir haben jetzt schon die Waldbrand-Warnstufe 4 von 5 erreicht. Uns ist wichtig, dass die Leute kein offenes Feuer mehr im Wald machen. Dazu zählt auch das Rauchen einer Zigarette“, appelliert Hauck.

Mehr Bewässerung nötig, als für April normal ist

Was im Wald nicht möglich ist, wird im Stadtbereich umso aufwendiger betrieben. Markus Brunsing berichtet von einem großen Arbeitsaufwand beim Bewässern, der für den Monat April untypisch gewesen sei. Er ist der Leiter des Fachgebiets Park und Garten. Probleme sieht er jetzt vor allem bei den in den vergangenen ein bis drei Jahren gepflanzten Gehölzen, den im März gepflanzten Bäumen und Sträuchern und den im Herbst gepflanzten Rosen.

 Wir gießen sogar die Tulpenbeete und das ist nicht normal.

Markus Brunsing, Leiter des Fachgebiets Park und Garten in Baden-Baden

Außerdem befinden sich viele Pflanzen in den Beeten und Schalen in der Stadt Ende April, Anfang Mai auf dem Höhepunkt ihres Wachstums. Die müssen jetzt alle gegossen werden, damit sie nicht vertrocknen. „Wir gießen sogar die Tulpenbeete und das ist nicht normal“, sagt Brunsing.

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Dabei war er in den ersten Monaten des Jahres noch optimistisch, weil es verhältnismäßig viel geregnet hatte. Die Pflanzen, die 2018 und 2019 viel Stress erlitten hatten, hatten sich erholen können. Doch alles was oberflächliche Wurzeln hat oder frisch gesetzt ist, ist jetzt schon wieder in Gefahr. Es fehlt ganz einfach Regen.

Regen der vergangenen Woche war nur „ein Tropfen auf den heißen Stein“

„Wir brauchen aber keinen Starkregen“, erklärt der Gartenamts-Chef. Denn der würde manche Pflanzen jetzt eher beschädigen. Außerdem fließt dabei das Wasser auf dem ausgetrockneten Boden einfach ab und die Wirkung verpufft direkt wieder. „Am liebsten hätten wir ein paar Tage lang einen richtig schönen Landregen. Da kann das Wasser langsam versickern und in tiefere Bodenschichten eindringen.“

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Auch der Regen der vergangenen Woche hat nicht viel an der brenzlichen Situation geändert. Hauck erklärt, dass das Nass höchstens die oberen Bodenschichten befeuchtet habe und lediglich „ein Tropfen auf dem heißen Stein“ sei. Brunsing bringt es auf den Punkt: „Ein einziger Tag ist hilfreich, löst aber nicht das Problem.“