Im Dornröschenschlaf: das Neue Schloss in Baden-Baden. Jetzt ist ein neuer Anlauf zur Realisierung eines Luxushotels geplant.
Im Dornröschenschlaf: das Neue Schloss in Baden-Baden. Jetzt ist ein neuer Anlauf zur Realisierung eines Luxushotels geplant. | Foto: Bernd Kamleitner

Baden-Baden

Überraschende Wende beim Neuen Schloss: Offenbar soll ein neuer Bauantrag folgen

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Die Stadt und der Gemeinderat haben beim Neuen Schloss in Baden-Baden die Muskeln spielen lassen – und mit der Taktik offenbar Erfolg. Nach längerer Funkstille gibt es bei der Schlossherrin Fawzia Al Hassawi die Absicht, die Pläne für ein Luxushotel im ehemaligen Markgrafendomizil auf dem Florentinerberg hoch über der Bäderstadt doch weiter zu verfolgen.

Der Glaube daran war zuletzt bei den Kommunalpolitikern so weit geschwunden, dass sie die Absicht hegten, den Bebauungsplan aufzuheben, der die Basis für die Realisierung der Nobelherberge im Neuen Schloss ist. Diese Entscheidung wurde jüngst vertagt, kann aber jederzeit wieder auf die Tagesordnung einer Ratssitzung gehievt werden.

Vorerst wird Reißleine nicht gezogen

Vorerst wird die Reißleine wohl nicht gezogen. Der Wandel basiert auf einem Namen, der bei langjährigen Kommunalpolitikern kein unbekannter ist: Architekt Bernd Kogel. Er war am Anfang an Bord, als an den Hotelplänen im Neuen Schloss gefeilt wurde, schied aber nach einem Baustopp aus. Seit Dezember ist er wieder als Berater für die Schlossherrin aus Kuwait tätig.

Thront über Baden-Baden: das neue Schloss. Es hat 420 Räume in elf Gebäuden.
Thront über Baden-Baden: das Neue Schloss. Es hat 420 Räume in elf Gebäuden. | Foto: Bernd Kamleitner

Mit ihm, bestätigte Bürgermeister Alexander Uhlig, seien wieder konstruktive Gespräche in Gang gekommen. Am Donnerstagabend berichtete Kogel im Bauausschuss des Gemeinderats über das Millionenprojekt, das er unter dem Strich als eine sehr komplexe Aufgabe bezeichnete. Die wichtigste Botschaft an das Gremium: Ein neuer Bauantrag ist geplant.

Den Worten müssen nun Taten folgen

Zudem sind Anträge für Maßnahmen vorbereitet, die die Substanz des Schlosses erhalten sollen – genau das, was Stadt und Kommunalparlament mit dem Druckmittel – der angedrohten Aufhebung des Bebauungsplans – erreichen wollten. Wichtig, so die Einschätzung im Ausschuss: Den Worten müssen Taten folgen.

War einst der Stammsitz der badischen Markgrafen: das Neue Schloss in Baden-Baden.
War einst der Stammsitz der badischen Markgrafen: das Neue Schloss in Baden-Baden. | Foto: Bernd Kamleitner

Die waren zuletzt ausgeblieben. In den vergangenen fünf Jahren, so der Vorwurf, sei nichts passiert. Das tat der Bausubstanz nachweislich nicht gut. Die in den ersten Jahren realisierten Maßnahmen hätten das Schloss jedoch „über die Runden gerettet“, meinte Kogel.

Umbauter Raum entspricht 158 Reihenhäusern

Die Immobilie mit insgesamt 420 Räumen in elf Gebäuden auf einem Grundstück von 365.000 Quadratmetern hatte das Haus Baden verkauft, weil es den Unterhalt nicht mehr stemmen konnte. Der umbaute Raum umfasst laut Kogel 95.000 Kubikmeter. Zum Vergleich: Ein Reihenhaus hat etwa 600 Kubikmeter umbauten Raum – das Schloss entspricht in dieser Hinsicht also 158 Reihenhäusern. „Da kann man sich vorstellen, um was für ein Volumen es da geht“, sagte Kogel.

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Zahlen hinsichtlich des Investitionsbedarfs nannte er nicht. Eine Alternative zur Schlossherrin als Investor ist freilich auch nicht in Sicht: „Ich kenne keinen, der es sonst machen würde“, betonte Kogel. Die öffentliche Hand hatte schon abgewunken, als der Markgraf das sanierungsbedürftige Neue Schloss feilbot.

Am Anfang herrschte Aufbruchstimmung

Als Al Hassawi im Jahr 2003 die Immobilie übernahm, herrschte Aufbruchstimmung. Kogel erläuterte, dass zunächst auch viele Dinge gemacht wurden. Davon hätten Handwerksbetriebe in der Region profitiert. Der Architekt gilt als Spezialist für die Sanierung denkmalgeschützter Objekte. Dass sein Herz für das Neue Schloss schlägt, ließ er durchblicken: „Das Gebäude ist von hoher handwerklicher Qualität!“ Für ihn sei es „schon ein besonderes Kaliber“ mit vielen schönen Details.

Von Anfang an sei das Projekt von dem Vierklang „sanieren, restaurieren, umnutzen und erweitern“ getragen worden. Wenn es weitergehe, werde aber ein neues Architekturbüro aus der Region mit Denkmalerfahrung das Projekt vorantreiben.