Von Anfang an dabei: Ursula Cantieni spielt in der SWR-Serie "Die Fallers" die Bäuerin Johanna Faller.
Von Anfang an dabei: Ursula Cantieni spielt in der SWR-Serie "Die Fallers" die Bäuerin Johanna Faller. | Foto: Peter Sandbillder

BNN-Interview

Ursula Cantieni von der TV-Serie „Die Fallers“: Wir haben eine Nische getroffen

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Liegt der Anfang wirklich schon so lange zurück? In der Tat, die SWR-Schwarzwaldserie „Die Fallers“ startete  vor 25 Jahren. An diesem Sonntag (3. Februar) strahlt das SWR Fernsehen die 1000. Folge des Dauerbrenners aus, der überwiegend in den Kulissen im Studio in Baden-Baden und am Originalschauplatz, einem Bauernhof bei Furtwangen,  gedreht wird. Von Anfang an mit dabei ist Ursula Cantieni als Bäuerin Johanna Faller. Mit der Schauspielerin sprach BNN-Redakteur Bernd Kamleitner.

Können Sie sich noch an den ersten Dreh erinnern?

Cantieni: Und ob! Es war draußen und auf dem Bauernhof. Der Karl hat Kälbchen verkauft an den Leo, und der Leo, der Metzger, hat die Kälbchen abgeholt. Wenn ein Deal gemacht wurde, wurde der in der Regel mit einem Schnäpschen begossen. Das war meine erste große Herausforderung: Ich musste hinten zum Stall raus, dann ging es etwas abschüssig auf einer Schotterpiste den Berg runter. Ich sollte auf dem Weg noch meinen Kittelschurz fertig anziehen, eine Schnapsflasche unterm Arm und drei Schnapsgläser irgendwie in der Hand haben. Als ich die paar Schritte unten war, sollte der Kittelschurz schon dran sein, dann den Schnaps einschenken und den Herren geben. Text war natürlich auch dabei, den weiß ich aber nicht mehr. Dabei nicht umknicken und nix verschütten. Irgendwie ist es geglückt.

Die Folge wurde auch ausgestrahlt …

Cantieni (lacht): Ja, die Szene wurde gesendet, man kann sie anschauen!

Es hieß, am Anfang hätten viele daran gezweifelt, dass „Die Fallers“ eine Zukunft hätten. Wie ging es denn Ihnen?

Ich hab‘ daran geglaubt, dass es weitergeht

Cantieni: Ich wollte Vertrauen in die „Fallers“ haben. Ich habe dafür in Zürich eine gute Position aufgegeben, da musste es schon was werden. Zunächst waren 92 Folgen budgetiert, also Material für etwa zwei Jahre. Ich dachte damals: Wenn wir zwei Jahre Zeit haben, dann müssten wir das Pflänzchen schon in die Erde kriegen und die Wurzeln müssten anschlagen. Das war meine Einstellung, mit der ich an die Sache gegangen bin. Da habe ich auch keinen Hehl daraus gemacht. Wenn andere herumgeunkt haben, habe ich immer wacker dagegen gehalten. Ich hab’ daran geglaubt, dass es weitergeht. Dass es so lange weitergeht, so weit reichte die Fantasie dann aber doch nicht.

Jetzt haben wir ein Vierteljahrhundert „Die Fallers“ und noch mehr Folgen, die jährlich ausgestrahlt werden. Aus 40 werden 44 …

Cantieni: Wir kriegen ein Upgrade, damit die Sommerlücke kleiner wird. Das ist wunderbar.

Können Sie sich noch daran erinnern, wie Sie für die Serie engagiert wurden?

Cantieni: Das weiß ich noch ganz genau: Ich hatte die Szenen zum Vorbereiten bekommen. Dann bin ich ins Studio gekommen. Das Casting hat damals Adalbert Plica gemacht, ein Regisseur der danach viele Jahre mit uns gearbeitet hat. Als ich meinen 70. Geburtstag feierte, hatte ich ihn auch eingeladen und Heinz Recht, der die Serie auf die Rolle geschoben hat. Da habe ich den beiden noch einmal die Gretchenfrage gestellt: Wie war es denn damals, als ihr mich gecastet habt? Adalbert, warst du für oder gegen mich? Dann hat er so ein bisschen rumgedruckst und gesagt: Wenn ich ehrlich bin – ich habe dich nicht favorisiert, weil du nicht so die Bäuerin von Haus aus warst. Du warst ein Tick zu elegant und ich konnte mir die Rolle mit dir noch nicht so richtig vorstellen.

Und wie war es bei Heinz Recht?

Cantieni: Der Heinz hat dagegen gesagt, er hätte von Anfang an an mich geglaubt. Er hatte aber auch ein anderes Vorwissen, weil ich davor für das „Debüt im Dritten“ eine Bäuerin gespielt hatte. Das war einer der ersten Filme von Nico Hofmann und Thomas Strittmatter. Da wusste Heinz: Sie kann Bäuerin! Schließlich hat Adalbert klein beigegeben und war dann auch ganz zufrieden mit mir.

Als Sie das Angebot bekommen haben: Mussten Sie lange überlegen, ob Sie es annehmen oder haben Sie sofort zugesagt?

Cantieni: Das Vorsprechen war irgendwann im Oktober. Kurz nach meinem Geburtstag im Dezember habe ich die Zusage für die „Johanna“ bekommen: Es war ein nachträgliches Geburtstagsgeschenk. Meine Stelle in Zürich habe ich auf Ende Februar gekündigt und April/Mai gingen die Dreharbeiten los.

Und sie drehen immer noch…

Cantieni: … und nicht durch (lacht)!

Wie viel von Ursula Cantieni steckt in der Bäuerin Johanna Faller?

Cantieni: Das variiert – je nach Themenlage! Wenn ich es quantitativ sagen sollte: Ein Drittel ist es schon. Schützen haben einen starken Gerechtigkeitssinn, sind teamfähig und es liegt ihnen daran, dass das Ganze gut funktioniert. Ich glaube, dass ich schon richtig bin in so einer Figur, die das Ganze im Blick hat.

Wer ist eigentlich prominenter: Ursula Cantieni oder Johanna Faller?

Cantieni: Am Anfang war es eindeutig Johanna Faller. Durch die Sendung „Sag die Wahrheit“ hat Ursula Cantieni aufgeholt. Jetzt kann ich es nicht mehr so genau quantifizieren. Es kommt auch auf die Altersgruppe an. Die Zielgruppe der beiden Sendungen ist nicht genau die gleiche. Es freut mich natürlich auch, wenn ich mit richtigem Namen angesprochen werde. Das andere ist aber auch in Ordnung.

Könnten Sie sich im realen Leben eine Johanna Faller als gute Freundin vorstellen oder wäre es eher eine lose Bekanntschaft?

Jeder aus der Familie kann zu mir kommen und findet ein offenes Ohr

Cantieni: Ich will jetzt nicht selbstverliebt sein: Aber so ein Austausch ist wichtig. Ich denke, als Johanna kann jeder aus der Familie zu mir kommen und findet ein offenes Ohr. Das wiederum möchte ich auch privat anderen anbieten oder auch hin und wieder in Anspruch nehmen dürfen.

Wenn Sie sich etwas für die „Fallers“ wünschen dürften, was wäre das?

Cantieni: Zum Beispiel an noch unbekannte Orte ausschwärmen zu dürfen und neue Settings erkunden. Bei den „Fallers“ ist das natürlich eine Frage des Budgets. Vielleicht, dass es innerhalb der Familie noch andere, spannende Konstellationen geben könnte oder auch mit Zuwachs von außen. Da bin ich völlig offen. Jede Erneuerung, jede Erfrischung, die man integrieren kann, ist gut und spannend. Die Geschichte mit dem Flüchtlingsjungen finde ich ganz toll und richtig. Der Junge, der ihn spielt, hat Potenzial zum Schauspieler!

Was ist aus Ihrer Sicht das wahre Erfolgsgeheimnis der Serie, sind es die Schauspieler, die Naturaufnahmen, oder die Mischung?

Wir sind nahe bei den Zuschauern

Cantieni: Zum einen haben wir wirklich eine Nische erwischt. Vier Generationen unter einem Dach, das bietet der Bauernhof per se an. Dann haben wir auf den Schwarzwald gesetzt als er noch nicht so wahnsinnig im Trend lag. Klar, die Schwarzwaldklinik war ein Vorläufer, aber es war eine andere Storyline. Aber die Landschaft Schwarzwald, die haben wir mit den „Fallers“ rechtzeitig besetzt und gut besetzt. Nicht irgendwie kitschig, sondern mit Geschichten aus dem Alltag, die jeder nachvollziehen kann. Wir sind nahe bei den Zuschauern. Jeder hat die Chance, in der Serie eine Identifikationsfigur zu finden. Manchmal bietet die Serie auch einen guten Tipp, wie Probleme gelöst werden können. Aktuelle Themen greifen wir sanft und nicht reißerisch auf.

Stichwort Schwarzwald: Haben Sie einen Lieblingsplatz?

Cantieni: Der Stübenwasen – aber auch Feldberg und Belchen. Als wir privat den Westweg gemacht haben, sind wir dort hängengeblieben und haben auf dem Stübenwasen übernachtet. Bei Sonnenuntergang sind wir nochmals auf das Plateau gegangen und haben den Blick auf die Schweizer Alpen genossen. Da war alles drin, auch ein Stück Heimat. In Baden-Baden sitze ich gerne oberhalb der Stiftskirche beim Neuen Schloss mit Blick auf die Stadt. Auch in der Lichtentaler Allee ist jedes Bänkle traumhaft! Es hat mich in ein so schönes Eck verschlagen, dabei haben wir am Anfang noch gelästert über Baden-Baden als das größte überdachte Altersheim der Republik. Aber mit der Zeit wächst man rein: Es wird immer besser!

Sie engagieren sich von Anfang an auch für den Nationalpark Schwarzwald …

Cantieni: In meiner Heimat Graubünden haben wir einen sehr großen Nationalpark. Da kann man völlig verzaubert reinschauen. Es ist eine andere Welt und gehört bei uns einfach dazu. Für den Nationalpark Schwarzwald würde ich mir wünschen, dass der Flickenteppich aus zwei Teilgebieten mit der Zeit zusammenwachsen kann. Ich bin zuversichtlich, dass das gelingt!

„Lange Fallers-Nacht“: Anlässlich der 1000. Folge „Die Fallers – Die SWR Schwarzwaldserie“ ändert das SWR Fernsehen sein Programm: Im Vorfeld der 1000. „Fallers“-Folge (Ausstrahlungstermin 3. Februar 2019, 19:15 Uhr) sendet das SWR Fernsehen an diesem Samstag, 2. Februar 2019, eine „Lange Fallers-Nacht“. Den Auftakt um 22:20 Uhr macht die Wiederholung der unterhaltsamen Dokumentation von Christian Stöffler „Das ABC der Fallers“ über eine Fernseh-Erfolgsgeschichte, die keine Fragen offen lässt. Ein absolutes Muss für alle Fans und solche, die es werden wollen. „Das ABC der Fallers“ wurde anlässlich des 20-jährigen Jubiläums der SWR Schwarzwaldserie im Jahr 2014 vom SWR produziert. Der Dokumentation folgt ab 23:50 bis 4:50 Uhr eine Auswahl von zehn „Fallers“-Folgen. Es ist ein besonderer Querschnitt durch das Leben des Schwarzwälder Bauernclans: Ausgewählt wurde jeweils eine Folge aus 100 Folgen. Zehn „Zeitsprünge“ durch die wechselvolle Geschichte einer der berühmtesten Fernsehfamilien.