Ein völlig neues Gesicht bekommen die Kirchenstaffeln zwischen Steinstraße und Stiftskirche in Baden-Baden. Eine Freigabe ist Ende September vorgesehen. Bis dahin sollen die Arbeiten beendet sein. | Foto: Bernd Kappler

Baden-Baden und seine Treppen

Viel Geld für die Staffeln

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Nicht mehr wieder zu erkennen sind die Staffeln, die in Baden-Baden von der Steinstraße aus direkt am Friedrichsbad vorbei führen und dabei bis zur Stiftskirche einen Höhenunterschied von fast 13 Meter überwinden. Voraussichtlich in vier Wochen wird die aufwändige Neugestaltung fertig sein. Bereits jetzt ist sichtbar, dass der Neubau einen weiteren Mosaikstein in der Weltkulturerbe-Bewerbung der Stadt sein wird.

Staffeln aus dem Hochmittelalter

Obwohl man zumindest aufwärts eine gut Kondition braucht, um die 72 Stufen, die von neun Podesten unterbrochen werden, zu bewältigen, gilt die Treppe als wichtige Fußgängerverbindung vom Bäderviertel zum Marktplatz mit der Stiftskirche und dem Alten Dampfbad. Historiker gehen davon aus, dass die Kirchenstaffeln bereits im Hochmittelalter existiert haben. 1877 sind beim Bau des Friedrichsbades dann die bisherigen Staffeln entstanden.

Schon bisher war Kondition gefragt, wenn man die 72 Stufen überwinden wollte. | Foto: Bernd Kappler

Diese waren aber seither beträchtlich in die Jahre gekommen. Risse, Verwerfungen, Setzungen und Ausbrüche, sowie mit Mörtel beziehungsweise Beton hergestellte Flickflächen haben letztlich an der Verkehrssicherheit zweifeln lassen. Dass die Instandsetzung nicht billig werden wird, stand von vornherein fest. Alternative wäre gewesen, die Treppe dauerhaft für den Fußgängerverkehr zu sperren. Für die Kurstadt an der Oos direkt neben dem renommierten Friedrichsbad undenkbar.

Sanierung kostet 465.000 Euro

Die Mitglieder des Bauausschusses sahen dies im Februar dieses Jahres ebenso und vergaben die Aufträge. Rund 465 000 Euro kostet die Gesamtmaßnahme, wobei allein rund 80 000 Euro auf die Planung und auf Gutachten entfallen. Bevor der Neubau begonnen werden konnte, mussten eine aufwändige Schadensaufnahme gemacht, Unterlagen für die denkmalschutzrechtliche Genehmigung erstellt und auch Baugrunduntersuchungen im Zusammenhang mit dem Schutz der Thermalquellen gemacht werden.

Kaum mehr verkehrssicher waren die Kirchenstaffeln vor Beginn der Sanierung. | Foto: Bernd Kappler

Das Landesdenkmalamt hatte unter anderem zur Auflage gemacht, dass der noch brauchbare Bestand der Treppenanlage zu erhalten und durch geeignetes Material zu ergänzen ist. Die bestehenden, aus dem 19. Jahrhundert stammenden insgesamt rund 300 Meter langen Geländer und Handläufe mussten erhalten und fachgerecht ergänzt werden. Ein Sandstrahlen war deshalb nicht möglich, Handarbeit war gefordert. Zu guter Letzt mussten bei der Baumaßnahme auch noch naturschutz- und artenschutzrechtliche Belange beachtet werden, denn die Kirchenstaffeln sind die Heimat von Eidechsen. Mithin durften die Arbeiten nur zwischen März und September durchgeführt werden.

Neue Beleuchtung

Im Zuge der Maßnahme wird auch die Straßenbeleuchtung erneuert und es sind bei dieser Gelegenheit auch Kabel für IT und Telekom verlegt worden. Laut Bauzeitenplan sollen die Arbeiten bis Ende September fertig sein. Im Moment sind gerade die Geländerbauer am Werk. Danach werden die Steinmetze letzte Hand an den „neuen“ Kirchenstaffeln anlegen.