Aus 16 Nationen kommen die Musikerinnen und Musiker der Philhamronie Baden-baden. Lee Young-Guk aus Südkorea spielt Oboe.
Aus 16 Nationen kommen die Musikerinnen und Musiker der Philhamronie Baden-baden. Lee Young-Guk aus Südkorea spielt Oboe. | Foto: Bernd Kamleitner

Augenmerk auf das Miteinander

In der Philharmonie Baden-Baden spielen Musiker aus 16 Nationen

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Vielfalt kann funktionieren und  wunderbar klingen: In der Philharmonie Baden-Baden spielen Musikerinnen und Musiker aus 16 Nationen. Die gemeinsame Sprache ist die Musik, betont Orchestermanager Arndt Joosten. Künftig will das renommierte Orchester sein Schaffen unter ein Jahresmotto stellen: Es heißt „Blick über die Grenzen“ und soll ein Augenmerk auf das Miteinander werfen.

Seit 16 Jahren lebt Lee Young-Guk in Deutschland. Als er sich für das Studium fernab der südkoreanischen Heimat entschied, ging er davon aus, in seiner Wahlheimat überwiegend auf Deutsche zu treffen. Inzwischen spielt er Oboe in der Philharmonie Baden-Baden – und hat Kolleginnen und Kollegen aus 15 Nationen um sich. „Das ist für mich ein unglaublich großes Geschenk“, betont der Musiker. Die Begegnung mit Menschen anderer Kulturen und anderer Mentalität sind für ihn „eine wertvolle Erfahrung“. Über Grenzen blicken, das  war nicht nur das Motto des Open-Air-Konzerts des renommierten Orchesters am Freitagabend in der Gönneranlage. Das Thema soll sich im kommenden Jahr wie ein roter Faden durch das Programm der Philharmonie ziehen, kündigt Orchestermanager Arndt Joosten im BNN-Gespräch an.

Vielfalt als Inspiration genutzt

Die kulturelle Vielfalt habe das Orchester als „besondere Inspiration“ genutzt. Das wirke wie ein Gewürz, erläutert Joosten und verweist auf Musikerinnen und Musiker unter anderem aus Japan, Spanien, Frankreich, Griechenland, russischen Staaten, Bulgarien, Rumänien oder Tschechien. Unter dem Strich repräsentieren sie 16 Nationen. Die Philharmonie wird sich nun erstmals ein Jahresmotto geben. Vermutlich wird es die Arbeit auch die nächsten Jahre begleiten. „Wir glauben, dass Europa ein Thema ist, vor allem das Miteinander.“ Das werde immer wichtiger.

Europa ist ein Thema

Das Jahresthema soll anregen, sich damit auseinanderzusetzen, wie man selbst mit dem Thema Grenze umgehe. Denkbar sei etwa, dass bei Auftritten Werke gegensätzlicher Komponisten aus unterschiedlichen Ländern gespielt werden. Auch Joosten sind Forderungen der AfD im Landtag nicht entgangen, die Nationalität von Sängern und Tänzern der Staatstheater offenzulegen. Das hatte nicht nur an den Häusern Kritik und Proteste ausgelöst. Aus dem Kunstministerium wurde betont, dass keine Listen über die Staatsangehörigkeiten geführt würden.

Gemeinsame Sprache ist die Musik

In der Musik sei das Miteinander schon seit Jahrhunderten selbstverständlich, meint Joosten. Ohne das harmonische Zusammenspiel aller Musiker kann sich kein Orchester behaupten. Wer will schon Missklänge hören? „Unsere gemeinsame Sprache ist die Musik“, stellt er heraus. Bei der Bewerbung um eine freie Stelle bei der Philharmonie sei die Sprache daher nachrangig. Die Erfahrung zeige, dass die Verständigung dennoch funktioniert: „Die können in kürzester Zeit das, was man braucht.“

Orchester reist nach Japan

Im Ausland genieße klassische Musik aus Deutschland höchstes Ansehen. „Da sind wir Weltmeister!“ Die Klassik sei dort viel mehr im Bewusstsein. Im nächsten Jahr wird das Orchester zwei Wochen in Japan sein. „Das ist auch ein Blick über die Grenze“, meint Joosten – für die Konzertbesucher in Japan und für die Orchestermusiker. Mit der Unterstützung einer Spendenaktion für ein Schulprojekt in Uganda blickt die Philharmonie zudem nach Afrika.

Seit dem Jahr 1854 ganzjährig Konzerte

In Baden-Baden steht seit 1854 ein Orchester ganzjährig für Konzerte zur Verfügung – weil ab diesem Zeitpunkt Säle beheizt werden konnten. Auch zuvor gab es schon Musikdarbietungen für Gäste, aber nur in den Sommermonaten.