Die Baden-Baden-Ära: Brigitte Goertz-Meissner, lange für Tourismus, Kongresse und Veranstaltungen verantwortlich, verabschiedet sich in den Ruhestand. | Foto: Collet

Brigitte Goertz-Meissner

Der Traumjob in der Traumstadt Baden-Baden endet

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Brigitte Goertz-Meissner muss nicht lange überlegen: „Ja, Baden-Baden war mein Traumjob. Die Stadt ist in Deutschland das schönste Produkt, das sich im Destinations-Marketing platzieren lässt.“ Die Frau weiß, wovon sie spricht. Fast 17 Jahre lang war sie Tourismus-Chefin der Bäderstadt.

Geschäftsführerin in Personalunion

In Personalunion führte sie zudem das Kongresshaus und die Baden-Baden Events (BBE), die die Veranstaltungen im Kurhaus organisiert. Die Verantwortung für Tourismus und Kongresse hat sie bereits im April an Nora Waggershauser abgegeben.

Stadt weckt Kindheitserinnerungen

Goertz-Meissner geht am 31. Dezmber in Ruhestand, ihre Nachfolgerin übernimmt dann auch die BBE-Geschäftsführung.Baden-Baden – auch nach fast zwei Jahrzehnten Arbeit in dieser und für diese Stadt gerät die 66-Jährige nach wie vor ins Schwärmen und weckt bei ihr Kindheitserinnerungen: Die Kurstadt im Schwarzwald hat sie bereits bei Besuchen mit ihrer Großmutter und Mutter fasziniert.

Letzte Station ist der Höhepunkt der Karriere

Diese Faszination hat sich in ihrer beruflichen Laufbahn durchgehalten, ja ist sogar noch gewachsen. Ob als Tourismus-Chefin in Heidelberg oder als touristische Vermarkterin des Landes Baden-Württemberg hatte sie immer wieder mit Baden-Baden zu tun. Am Ende steht für sie eindeutig fest: Ihre letzte Station war der Höhepunkt ihrer Karriere.

Christkindelsmarkt ist mein Baby

Vor dem Ruhestand ist ihr keineswegs bange. „Jetzt ist genau das richtige Zeitfenster um aufzuhören“, sagt Brigitte Goertz-Meissner im BNN-Gespräch. „Ich gehe mit einem guten Gefühl.“ Sie habe es geschafft, alle ihr wichtigen Projekte umzusetzen, und verweist auf die Zahlen: „In den vergangenen zehn Jahren ist der Anteil der ausländischen Gäste um 125 Prozent gestiegen“, erläutert Goertz-Meissner nicht ohne Stolz. „Baden-Baden hat eine der besten Auslastungen – und zwar in allen Hotelkategorien.“ Dass das Geschäft mittlerweile auch in früher eher reiseschwachen Zeiten boomt, sei unter anderem dem Christkindelsmarkt zu verdanken. „Das ist mein Baby“, bekräftigt sie.

Familiengeführte Hotels sind ein großes Kapital

Für Goertz-Meissner macht das breite Spektrum an Übernachtungsmöglichkeiten den Charme und Reiz der Destination im Oostal aus. Entgegen vieler Klischees sei Baden-Baden eben nicht nur eine Stadt der absoluten Top-Hotels wie Brenners, Roomers oder demnächst der umgebaute Europäische Hof. „Was viele nicht wissen: 80 Prozent der Hotels sind familiengeführte Häuser im Vier-Sterne-Segment oder darunter. Das ist ein enorm wichtiges Kapital dieser Stadt“, betont sie.

Qualität geht vor Quantität

„Qualität geht vor Quantität“ – die Tourismuschefin wurde nie müde, dieses Credo zu predigen. Als Zielgruppe des touristischen Marketings hat sie die Einkommens- und Bildungsstarken im Blick. „Für Tagestouristen muss ich nicht werben. Die kommen von allein“, versichert die Expertin. Für ihre Maxime habe sie im Rathaus, Gemeinderat und bei den Hoteliers immer ein offenes Ohr gefunden. In diesem Sinne war es für sie nur konsequent, dass die frühere Kur- und Bäderstadt sich zur Kulturstadt weiterentwickelt hat. „Das habe ich immer forciert“, beteuert sie. Baden-Baden biete alles auf hohem Niveau, egal, ob Festspielhaus oder Museum Frieder Burda.

Kultur ist Pluspunkt im Marketing

Aber diese Hochkaräter seien sehr sensible Produkte – mit Chancen und Risiken. Um sie als starke Pluspunkte im Marketing zu nutzen, sei es eine richtige Entscheidung gewesen, die Geschäftsführung von Kur und Tourismus, Kongresshaus und Baden-Baden Events in einer Person zu konzentrieren. „Das schafft Synergien, von denen am Ende alle profitieren.“ Und sie ist der festen Überzeugung, dass diese Aufgaben bei ihrer Nachfolgerin Nora Waggershauser in besten Händen sind.

Markt bei Top-Hotels ist gesättigt

Ist das Baden-Badener Niveau noch zu toppen? Wohin sollte die Stadt sich künftig entwickeln? „Das Ziel muss sein, dieses Juwel zu erhalten“, sagt Goertz-Meissner nach kurzem Nachdenken. „Der ein oder andere Diamant lässt sich noch schleifen“, meint sie. Bei den Top-Hotels sieht sie den Markt vorerst gesättigt. „Jetzt muss es erst gelingen, das neue Roomers und dann den sanierten Europäischen Hof zu belegen.“ Das Neue Schloss hat für sie nur dann eine Chance, wenn dort tatsächlich eine große internationale Hotelkette wie Hyatt einsteigt.

Präsidentin des Heilbäderverbandes

Der Traumjob in der Traumstadt – was liegt da näher, als den Ruhestand in Baden-Baden zu verbringen? „Ich bleibe hier“, versichert Goertz-Meissner. Das gilt auch für ihren Mann, der berufsbedingt 17 Jahre zwischen Starnberg und der Bäderstadt pendelte. Wer die quirlige Frau kennt, weiß, dass sie es auch künftig wohl nicht ganz ruhig angehen wird. „Als Präsidentin des Deutschen Heilbäderverbandes habe ich einiges zu tun“, sagt sie und verspricht: „Natürlich werde ich mich für Baden-Baden stark machen.“