Ein Heft mit vielen Angeboten hält Monika Burck, Leiterin der Volkshochschule Baden-Baden, in der Hand. | Foto: Adrian Mahler

VHS Baden-Baden

Volkshochschule trotzt dem digitalen Wandel

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Youtube-Videos, Online-Kurse und Apps: Wer heutzutage ein Musikinstrument oder eine neue Sprache lernen will, kann auf ein riesiges Repertoire im Internet zurückgreifen und muss keinen physischen Kurs besuchen. Umso überraschender ist, dass die Volkshochschule (VHS) Baden-Baden ihren Umsatz zwischen 2013 und 2018 verdoppelt hat. Vor allem in den Bereichen Deutsch, Gesundheit und Kultur hat der digitale Wandel nahezu keine negativen Auswirkungen.

„Durch die hohe Immigration besteht eine große Nachfrage nach Sprachkursen. Wir dürfen als einzige Institution in Baden-Baden Integrationskurse für Nicht-EU-Bürger anbieten und haben dementsprechend auch eine große Bedeutung für die Integration. Dieser Bereich macht 50 Prozent unseres Geschäfts aus“, erklärt Monika Burck, Leiterin der VHS Baden-Baden.

Konstantes Interesse an Deutschkursen

Obwohl der große Flüchtlingsstrom vorbei sei, bestehe aufgrund von Zuwanderern aus anderen EU-Staaten oder „Hochzeitsmigration“ ein konstantes Interesse. So wuchsen die Unterrichtseinheiten der Deutschkurse zwischen 2013 und 2018 um knapp 200 Prozent. Derweil stiegen auch die Einheiten im Kultursektor um fast 150 und im Gesundheitsbereich um 76 Prozent.

Gesellschaft im Wandel

Den Grund für diese Entwicklungen sieht Burck im Ausbau des Angebots und Wandel in der Gesellschaft. „Die Leute müssen im Beruf immer mehr Leistung bringen und brauchen daher einen Ausgleich. Entspannungskurse und Yoga sind auch bei uns voll im Trend“, sagt Burck. Die VHS bietet auch für jüngere Menschen Yoga an. Hinzu kommen Kurse zur Selbstverteidigung oder zum Kochen.

Wir haben neben der Bildung auch eine soziale Funktion

Doch dafür sei der Bedarf nicht so groß, wie die Leiterin betont. „Junge Leute haben neben der Schule oder dem Studium meist wenig Zeit. Deshalb machen sie nur einen geringen Anteil aus.“
Burck verweist sogleich auf ein Balkendiagramm, dessen Ausschlag in der Mitte am größten ist. Die Zahlen zeigen, dass das VHS-Angebot ungefähr zu drei Vierteln von Menschen zwischen 35 und 65 Jahren besucht wird.

Plattform für gemeinsames Lernen

Weiter gibt es auch einige über 65-jährige Teilnehmer, die fit bleiben wollen.
„Wir haben neben der Bildung aber auch eine soziale Funktion. Während die Gesellschaft zunehmend anonymer wird, bieten wir eine Plattform für gemeinsames Lernen und Diskutieren“, meint Burck, die sich freut, dass nun voraussichtlich keine Umsatzsteuer auf VHS-Kurse erhoben werden.

Gesetzesabschnitt gestrichen

Auf Initiative des Landes Baden-Württemberg strich der Bundesrat Ende September den geplanten Gesetzesabschnitt. „Das Gesetz hätte die Kurse teurer gemacht und Leute mit kleinem Geldbeutel benachteiligt“, verdeutlicht die Leiterin, die auch bei der VHS einen digitalen Wandel beobachtet.

Kurse als Online-Video

Weniger populäre Kurse, die wegen geringer Nachfragen nicht stattfänden, gebe es teilweise als Online-Video. Dieses Angebot wird Burck zufolge künftig wachsen. Dennoch: Die soziale Qualität eines Volkshochschulkurses bleibe unersetzbar.