Fitore Aliu hat das Tor immer fest im Blick.
Handballerin Fitore Aliu spielt nicht nur in der Baden-Württemberg Oberliga der Frauen, sondern auch für das Nationalteam des Kosovo. | Foto: BNN

SG Steinbach/Kappelwindeck

Vom Kinderspielplatz ins Nationalteam

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Das Leben von Fitore Aliu wäre fast ganz anders verlaufen. Wäre sie mit ihrer Freundin im Alter von fünf oder sechs Jahren nicht mal mit zum Handballspielen gegangen und hätte sie sich anschließend nicht heimlich statt auf den Kinderspielplatz in die Sporthalle zum Training geschlichen, wer weiß, wie alles dann gekommen wäre?

Viele Trainingsstunden für den Erfolg investiert

Zwar stammt die heute 17-Jährige Spielerin des Frauen-Oberligisten SG Steinbach/Kappelwindeck, die noch zwei Brüder hat, aus einer sportlichen Familie, ihre Eltern waren zunächst vom Wunsch ihrer Tochter, Handball zu spielen, jedoch nicht wirklich begeistert. Doch dies ist längst Vergangenheit. „Meine Eltern sind heute fast immer bei meinen Spielen dabei. Das ist für mich auch sehr wichtig“, sagt Fitore Aliu, die in Achern lebt und deren Familie aus dem Kosovo stammt.

Mein Traum ist es, irgendwann in der Bundesliga zu spielen.

Seit Sommer 2014 spielt die Schülern bei der SG Steinbach/Kappelwindeck. In der D-Jugend stand sie früher sogar mal im Tor. Mit der „jungen und dynamischen Truppe“, wie sie ihre Mannschaft beschreibt, belegt sie nach dem Aufstieg in die Baden-Württemberg Oberliga der Frauen einen hervorragenden dritten Tabellenplatz. Nächste Saison soll dann der Aufstieg in Angriff genommen werden. „Mein Traum ist es, irgendwann in der Bundesliga zu spielen“, blickt Fitore Aliu in die Zukunft. Für dieses Ziel trainiert sie mindestens drei-mal die Woche. Oftmals kommt eine weitere Trainingseinheit im DHB-Stützpunkt hinzu. Dennoch bleibt ihr Zeit, um viel mit Freunden unterwegs zu sein oder auch mal spazieren zu gehen.

In ihrem ersten Oberliga-Jahr hat sie sich schnell zu einer wichtigen Größe im Team entwickelt. „Die Trainingsbedingungen hier sind schon klasse und die Mannschaft hält auch sehr gut zusammen“, freut sich die Rechtsaußen-Spielerin. „Nach den Spielen gehen wir auch mal gemeinsam etwas essen. Das macht viel Spaß.“

WM-Qualifikation mit dem Nationalteam des Kosovo

Auch auf internationalem Parkett ist Fitore Aliu unterwegs: Unlängst wurde sie in die Nationalmannschaft des Kosovo berufen und erzielte in drei Qualifikationsspielen zur Weltmeisterschaft 2017 sechs Tore. „In der Nationalmannschaft spielen zu dürfen ist ein schönes und besonderes Gefühl. Ich will jetzt möglichst immer dabei sein und einfach alles geben.“ Auch bei der EM-Qualifikation im Juni wird sie wieder im Kader sein. „Handball ist im Kosovo Sportart Nummer zwei hinter dem Fußball. Bei unseren Heimspielen war die Halle voll.“

Zeit mit der Familie verbringen

Im Sommer reist Fitore Aliu zunächst aber zu ihrer Familie in den Kosovo. „Ich freue mich, mal viel Zeit mit meiner Familie verbringen zu können, denn das kommt leider etwas selten vor“, sagt die Oberligaspielerin, die auch in den Auswahlteams von Südbaden und Baden-Württemberg gespielt und den Länderpokal gewonnen hat. Zudem kämpfte sie mit ihrer Mannschaft um den Aufstieg in die Jugend-Bundesliga.

Beruflich hat sie eine Ausbildung zur Automobilkauffrau ins Auge gefasst. Vielleicht kommt es ja aber auch wieder ganz anders. Wie damals vor rund zwölf Jahren beim Weg zum Kinderspielplatz.