Vier Kandidaten sind im Rennen um die SWR-Spitze verblieben. Zu klären ist, ob auch alle gewählt werden dürfen. | Foto: dpa

Neuer Sender-Chef gesucht

Vor der SWR-Intendantenwahl: Das sagen die Bewerber

Anzeige

Am Freitagmorgen fällt in Stuttgart die Entscheidung, ob alle vier Kandidaten für die SWR-Spitze zur Wahl stehen dürfen. Vorab nennen sie den BNN ihre Ansätze für den Sender.

Es ist längst schmutzig geworden bei der Suche nach einem neuen SWR-Chef. Den vier Kandidaten wird eine politische Richtung angedichtet, unwahre Argumente für oder gegen einzelne Bewerber haben auch in den Medien die Runde gemacht. Das hat Folgen: SWR-Mitarbeiter sind verärgert, fürchten um den Ruf des Senders, auch Intendant Peter Boudgoust ist sehr unzufrieden mit dem Verfahren, wie zu hören ist.

Umso mehr wird darauf geachtet, was sich am Freitagmorgen im Stuttgarter Funkhaus tut. Dort klären die 74 Rundfunk- und 18 Verwaltungsräte, wen sie wählen können. Nur Kai Gniffke (Chefredakteur ARD-aktuell) und Stefanie Schneider (Landessenderchefin), wie von der Findungskommission vorgeschlagen? Oder auch die Mitbewerber Andreas Cichowicz (Fernseh-Chefredakteur NDR) und Clemens Bratzler (stellvertretender Landessenderchef)?

Bratzler und Cichowicz halten Bewerbung aufrecht

Der Vorschlag der Kommission wurde kontrovers diskutiert, Bratzler und Cichowicz halten ihre Bewerbung aber aufrecht. Die Diskussion ist nicht öffentlich, ab 11.30 Uhr verkündet der Vorsitzende das Ergebnis (wir berichten auf bnn.de).

Cichowicz: „Gibt beim SWR viel Potenzial“

Hinter den Kulissen versuchen Mitglieder der Findungskommission, eine Mehrheit für ihren Zweier-Vorschlag zu finden. Auch die Gegenseite, die dem Vorschlag nach außen vor gelassenen Kandidaten, versuchen für eine Öffnung des Verfahrens eine Mehrheit zu finden.

Die BNN haben alle vier Bewerber angefragt, auf ihre Ideen einzugehen. Cichowicz (57), von 1986 bis 2000 Reporter und Auslandskorrespondent für den SWR, spricht von einer Rückkehr. „Es gibt beim SWR viel Potenzial“, sagt er. „Das möchte ich wecken.“ Aufgrund der Sparzwänge aller Landessender müsse man sich anstrengen, um die Qualität zu halten.

„Ich habe gute Erfahrungen damit gemacht, die Kreativität bei den Mitarbeitern zu wecken und ihnen Freiheiten zu geben“, sagt Cichowicz. Beim NDR ist er für vier Bundesländer zuständig. „Ich kann Brücken bauen“, sagt er mit Verweis auf die SWR-Standorte in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz.

Bratzler: „Stehe für jüngere Generation“

Erst spät wurde bekannt, dass sich auch Bratzler (47) bewirbt. Der jüngste der Kandidaten wolle damit nur seine Ambitionen für gute Posten untermauern, sagen manche Rundfunkräte. Doch dahinter steckt mehr, wie Bratzler betont: „Ich habe mich sehr ernsthaft beworben, weil ich Ideen habe und auch für eine jüngere Generation stehe, die wir als SWR und ARD auf keinen Fall verlieren dürfen.“


Er wisse, dass seine Bewerbung als „mutig“ bezeichnet wurde. „Aber Mut ist angesichts der enormen Herausforderungen, vor denen wir stehen, sicher keine schlechte Eigenschaft“, sagt Bratzler. Schneider erklärt auf Anfrage: „Ich möchte mich vor der Wahl nicht öffentlich äußern, sondern zuerst gegenüber den SWR-Gremien.“ Auch Gniffke (58) möchte abwarten.

Ex-Kandidat Büttner zeigt Probleme auf

Konkreter wurde Verwaltungsdirektor Jan Büttner, der seine Kandidatur nach dem Zweier-Vorschlag zurückgezogen hat. In seinem Schreiben an die Gremien fordert er: „Wir müssen effizienter werden.“ Das „Gegeneinander der Standorte“ habe zugenommen, es brauche mehr Gleichgewicht: „Dann werden wir endlich ein SWR.“

Jan Büttner
Sorgte für Ärger an der SWR-Spitze: Verwaltungsdirektor Jan Büttner. | Foto: Bernd Kappler

Das Schreiben hat für Ärger bis an die Spitze des Senders gesorgt. Es zeigt aber auf, welche Probleme der oder die Neue an der Spitze angehen muss.