Salut-Jubel
Seit türkische Nationalspieler in den vergangenen Tagen wiederholt beim Torjubel und nach den Spielen in der EM-Qualifikation den militärischen Gruß gezeigt haben, ist auch der deutsche Amateurfußball in Alarmstellung. | Foto: Thibault Camus/AP/dpa

Türkischer Militärgruß

Vorfälle mit salutierenden Fußballern auch in Baden

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Seit türkische Nationalspieler in den vergangenen Tagen wiederholt beim Torjubel und nach den Spielen in der EM-Qualifikation den militärischen Gruß gezeigt haben, ist auch der deutsche Amateurfußball in Alarmstellung. Auch in der Region gab es bereits Vorfälle. 

Felix Wiedemann hat zusammen mit seinen Kollegen vom Württembergischen und Südbadischen Fußballverband am Mittwoch lange an der gemeinsamen Stellungnahme aller drei Fußballverbände in Baden-Württemberg gefeilt. Der Leiter Spielbetrieb des Badischen Fußballverbandes ist im Gespräch mit den BNN um Nüchternheit bemüht und betont vorsichtig. Dazu ist das Thema zu heikel.

Europäische Fußball-Union diskutiert Sanktionen

Der Salut der Fußballstars wird als politisches Bekenntnis zum Militäreinsatz türkischer Streitkräfte in Nordsyrien zur Bekämpfung der Kurdenmiliz YPG interpretiert und international kritisiert. Die Europäische Fußball-Union prüft die Vorfälle und will an diesem Donnerstag über mögliche Sanktionen gegen einzelne Spieler und den türkischen Verband entscheiden.

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Am vergangenen Wochenende hat der Salutjubel auf deutschen Amateursportplätzen vereinzelt immer wieder Nachahmer gefunden. In der gemeinsamen Stellungnahme der drei baden-württembergischen Verbände heißt es: „Ob die betreffenden Spieler disziplinarrechtlich zu sanktionieren sind, ist ungeachtet der verbandspolitischen Missbilligung durch die unabhängige Sportgerichtsbarkeit zu entscheiden.“ In Betracht kämen hier insbesondere Vergehen der Diskriminierung und des Unsportlichen Verhaltens. „Ob diese Tatbestände erfüllt seien, bedürfe einer eingehenden Prüfung und insbesondere der vorherigen Anhörung der Betroffenen“, heißt es in der Erklärung weiter.

Türkei - Albanien
Nach dem Sieg in der EM-Qualifikation über Albanien salutieren einige türkische Spieler vor den Fans. | Foto: Mahmut Burak Burkuk - Depo/Depo Photos via ZUMA Wire/dpa

Neunjähriger hebt die Hand in Baden-Baden

Wiedemann berichtet von zwei Vorfällen am vergangenen Wochenende, bei denen Spieler von Clubs im Odenwald und in Mannheim salutierten. „Ich bin mit den Vereinen im Gespräch“, sagt Wiedemann und warnt vor Vorverurteilungen und Hysterie. Der BFV sei durch Bilder in den sozialen Netzwerken darauf aufmerksam geworden. Auch in Südbaden gab es zwei Vorfälle.

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Auf einem Fußballplatz im Bezirk Baden-Baden hatte ein Neunjähriger nach einem Tor während eines Jugendspiels die Hand zum militärischen Gruß erhoben, bestätigt Vito Voncina, Vorsitzender des Bezirks Baden-Baden auf Anfrage. Zunächst müsse er sich nun noch mit dem südbadischen Verband kurzschließen, dann werde der Club des Spielers, über den Voncina zum Schutz des Jungen keine Angaben machen wollte, um eine Stellungnahme gebeten. Eine Richtlinie, wie in einem solchen Fall zu verfahren sei, gebe es nicht.

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Auch anderswo gibt es Vorfälle

Vor wenigen Tagen hatte sich bei einem Bezirksligaspiel in Singen ein ähnlicher Fall ereignet. „Der Schiedsrichter hat nach der Partie einen Vermerk im Spielbericht gemacht und die Sportgerichtsbarkeit beschäftigt sich nun mit der Angelegenheit“, sagt Thorsten Kratzner, Pressesprecher beim südbadischen Verband. Auch der württembergische Verband untersucht zwei ähnliche Vorfälle. In Nordrhein-Westfalen ist gegen die Amateurclubs Genclikspor Recklinghausen, SG Hillen und DTSG Herten II bereits ein Sportgerichtsverfahren eröffnet. Genclikspor zeigte wenig Verständnis. „Dass mit Geldstrafen oder Punktabzug gedroht wird, verstehe ich überhaupt nicht. Wo bleibt da die Meinungsfreiheit?“, fragte der Vorsitzende Hakki Gürbüz.

Jeder kann denken, was er will.
Aber so eine Aktion hat auf dem Sportplatz nichts verloren.

Semih Kalay, Vereinsvorsitzender der Kickers Baden-Baden

Der Bayerische Fußball-Verband, in dessen Bereich zwei Vereine aufgefallen waren, will Clubs und Schiedsrichter weiter sensibilisieren. In Berlin teilte der Landesverband mit, „in den letzten Tagen viele persönliche Gespräche geführt“ zu haben. Man sei „gut vorbereitet, damit nichts eskaliert“, sagte Mehmet Matur, Präsidialmitglied Integration beim Berliner Verband. Eine klare Meinung zum Thema hat Semih Kalay, Vereinsvorsitzender des A-Ligisten Kickers Baden-Baden. Der Club fungierte vor wenigen Wochen noch unter dem Namen TC Fatihspor Baden-Baden. Kalay sagt: „Jeder kann denken, was er will. Aber so eine Aktion hat auf dem Sportplatz nichts verloren.“ Sollte sich dennoch ein Spieler instrumentalisieren lassen, müsse man sich damit auseinandersetzen: „Denn auf dem Platz soll keine Politik betrieben werden – erst recht keine türkische.“