Kinder spielen bei Sonnenschein im Wald an einem Baumstumpf.
Auf dem Gelände der Waldkindergruppe des Kindergarten Sankt Franziskus in Oberbeuern haben die Kinder viel Platz zum Toben. | Foto: Müller

Sankt Franziskus Baden-Baden

Im Waldkindergarten spielen die Kleinen draußen

Im BNN-Gespräch mit Erzieherin Gabriele Benz wird deutlich, warum der Gemeinderat in Baden-Baden kürzlich einstimmig die Einrichtung von zwei Waldkindergarten-Gruppen beschlossen hat. „Wir haben immer eine Warteliste von Eltern, die ihre Kinder gezielt für die Waldgruppe anmelden möchten“, berichtet die Erzieherin der Waldgruppe des Kindergarten Sankt Franziskus, die bereits seit 1999 in Baden-Baden existiert.

Die Kinder sind jeden Tag im Wald

Gemeinsam mit ihrer Kollegin Karin Oesterle brachte Gabriele Benz den Waldkindergarten auf den Weg, nachdem Eltern Ende der Neunziger von einem Waldprojekt hellauf begeistert waren. Seither toben rund 20 Kinder in Oberbeuern in Baden-Baden durch die Natur, behütet von zwei bis drei Erzieherinnen.

Jeden Morgen machen sie sich auf den Weg zu ihrem Platz im Wald, egal bei welchem Wetter. „Bei Regen bauen die Kinder Bäche und matschen in der Erde“, erklärt Benz. Lachend fügt die Erzieherin und Naturpädagogin hinzu: „Die Eltern wissen, dass ihre Kinder manchmal wie kleine Wildschweinchen nach Hause kommen.“

Bei Schnee ist keinem Kind kalt

Auch im Winter tollen die Kinder draußen herum. „Bei Schnee ist keinem Kind kalt, da rutschen sie begeistert den kleinen Hang hinunter“, erzählt Benz. Und falls es doch mal jemanden frieren sollte, dann wartet das große Tipi mit echtem Feuer auf die kleinen Waldbesucher. Dort gebe es dann eine wärmende Suppe, Grießbrei oder heißen Tee. Für echte Notfälle befindet sich im Bauwagen Wechselkleidung für die Kinder.

Die Kinder sind unglaublich kreativ

Aufenthaltsraum ist der Bauwagen aber nicht, nur Aufbewahrungsraum, zum Beispiel für die verschiedenen Spielkisten. Die werden von den Kindern mit Begeisterung angenommen. Fröhlich ziehen sie sich die Bauarbeiterkiste aus dem Regal, rennen mit Helm und Arbeitsweste im Wald herum und bauen Hütten aus Stöcken. Andere gehen mit Hämmer auf Schatzsuche im Erdreich während ein kleines Grüppchen im Tipi „Bruder Jakob“ singt.

Im Waldkindergarten können Kinder auch mal laut sein

„Die Kinder sind unglaublich kreativ“, berichtet Benz. Und durch das viele Rennen über Stock und Stein wahre Bewegungskünstler. „Wir bekommen manchmal Kinder von Ergotherapeuten zugewiesen, die motorisch noch nicht so fit sind“, erläutert Benz. Anfangs würden sie sich kaum trauen, im Wald herumzurennen, aber nach einer kurzen Eingewöhnungsphase könnten auch sie über Baumstümpfe balancieren.

Kinder rennen in einem lichten Waldstück in Oberbeuern, Baden-Baden.
Durch das viele Rennen über Stock und Stein werden die Kinder laut Erzieherin Gabriele Benz wahre Bewegungskünstler. | Foto: Müller

„Hier haben die Kinder ganz andere Möglichkeiten als in den Räumen“, so Benz. Da es im Wald nicht so beengt sei wie im normalen Kindergarten, könnten sie auch mal laut sein und herumrennen. In der Schule hätten sie später aber trotzdem keine Schwierigkeiten, still zu sitzen und sich zu konzentrieren, da sie sehr ausgeglichen seien.

Es gibt nichts, was man im Wald nicht machen kann.

Damit beim Spielen im Wald die Feinmotorik der Kinder nicht zu kurz kommt, wird auch im Wald gemalt und gebastelt. „Es gibt nichts, was man im Wald nicht machen kann. Man muss es nur gut vorbereiten“, informiert Gabriele Benz.

Funktionskleidung hält die jungen Waldbesucher warm

Obwohl die Kinder jedem Wetter ausgesetzt sind, seien sie selten krank. „Auf dem großen Gelände können sich die Kinder nicht so leicht anstecken wie in geschlossenen Räumen“, erklärt Benz. Zudem gebe es mittlerweile sehr gute Funktionskleidung, die die Kinder bei jedem Wetter warm und trocken halten. Allerdings müssten die Eltern ihre Kinder im Sommer immer sorgfältig nach Zecken absuchen.

Nur wenn tatsächlich Gefahr für die Kinder besteht, also bei Sturm- oder Gewitterwarnung, müssen auch die Waldkinder in den festen Räumen des Kindergartens bleiben. Das sei aber wirklich der einzige Grund, um nicht herauszugehen, meint Benz.