Buchvorstellung nur als Ehrenbürger: Donald Trump stellte unmögliche Forderungen an die Stadt Baden-Baden. | Foto: dpa

Buchvorstellung an der Oos

Warum Baden-Baden den Schriftsteller Trump abblitzen ließ

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Der heutige US-Präsident Donald Trump hat sich vor 13 Jahren einen Abfuhr von der Stadt Baden-Baden eingehandelt, weil er die Vorstellung seines neuesten Buchs an der Oos mit unmöglichen Forderungen verknüpft hatte. So wollte der damalige Immobilienmilliardär Ehrenbürger der Kurstadt werden und alle Kosten seines Aufenthalts auf die Kommune abwälzen.

„Keiner wusste, wer Herr Trump ist“

Als der Brief in Baden-Baden einflattert, ist Donald Trump noch ziemlich unbekannt. Zumindest in Deutschland. „Keiner, wirklich keiner hier wusste 2004, wer Herr Trump ist“, erzählt Pressesprecher Roland Seiter rückblickend. „Wir mussten ihn erst einmal googeln.“

Jetzt, knapp 13 Jahre später, sieht das natürlich ganz anders aus. Trump ist nicht mehr „nur“ US-Immobilienmilliardär, sondern sitzt mittlerweile auch im Weißen Haus. Was sich anscheinend nicht geändert hat, ist jedoch seine Vorgehensweise. Ganz nach dem Motto: Wenn ich etwas mache, dann muss es sich auch lohnen. Und zwar richtig. Doch die Stadt Baden-Baden blockte ohne zu zögern ab. Und würde es heute wieder so machen. Aber der Reihe nach.

Brief sorgt für Wirbel

Rückblende: Anfang Juli 2004 wird Trump plötzlich Thema in der Dezernatsrunde. Normalerweise geht es dort eher um alltägliche Dinge, die in der Kurstadt in nächster Zeit so anstehen. Doch der Trump-Brief sorgt bei Oberbürgermeisterin Sigrun Lang (parteilos) und Co für mächtig Wirbel. „So ein Schreiben bekommt man ja auch nicht jeden Tag auf den Tisch gelegt“, sagt Seiter mit einem Grinsen im Gesicht.

Genauer gesagt: eigentlich nie. Wörtlich heißt es im Protokollschreiben der Dezernatsrunde, das den BNN vorliegt: „Es liegt eine Verlagsanfrage vor, wonach der amerikanische Multimilliardär Donald Trump sein neues Buch in Baden-Baden vorstellen will, sofern die Stadt sämtliche Kosten übernimmt und Herrn Trump zuvor zum Ehrenbürger ernennt.“

Knackpunkt war die Ehrenbürgerwürde

Der große Knackpunkt ist vor allem die zweite Forderung. „Die war schon sehr speziell“, sagt Seiter. Denn: Einer Ehrenbürgerschaft werde ein erhebliches Engagement zu Gunsten der Stadt vorausgesetzt. Und Trump habe sich zu diesem Zeitpunkt – anders als etwa Bill und Hillary Clinton – noch kein einziges Mal öffentlich in Baden-Baden blicken lassen. „Die Forderung war also auch deshalb sehr ungewöhnlich“, betont der 60-Jährige. Mittlerweile wundere ihn die Vorgehensweise allerdings nicht mehr. „Jetzt wissen wir bestens, wie Trump tickt.“

Baden-Baden lehnte den Deal ab

Baden-Baden lehnt den Deal also ab. Auch, so steht es zumindest im Protokoll, weil „die Kosten für die Veranstaltung nicht übernommen werden können“. An eine Antwort von Trumps Verlag auf das „Nein“ aus Baden-Baden kann sich Seiter zwar nicht erinnern.

Doch mittlerweile dürfte jedem klar sein, dass Mr. Trump darüber nicht gerade erfreut gewesen sein dürfte. Und Baden-Baden? Bereut man dort mittlerweile die Entscheidung? Immerhin hätte man jetzt einen US-Präsidenten als Ehrenbürger. Klares Nein. „Wir stehen zu unserer Entscheidung von damals und würden es heute genauso machen“, sagt die heutige Oberbürgermeisterin Margret Mergen (CDU) gegenüber den BNN.

Trumps Vorgänger fühlten sich an der Oos wohl

Wer weiß, vielleicht kommt Trump ja als US-Präsident einmal in die Stadt an der Oos. Immerhin fühlten sich sowohl Vorgänger Barack Obama als auch die Clintons bei ihren Besuchen in der Kurstadt sichtlich wohl. Gleich sein erster Deutschlandbesuch führte Obama 2009 nach Baden-Baden, wo er von vielen Menschen lautstark als neuer Hoffnungsträger gefeiert wurde.

Im Rahmen des Nato-Gipfels besuchte er die Kurstadt und trug sich dort auch im Goldenen Buch ein. Zudem traf er sich mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) zu einem persönlichen Gespräch.

Clintons haben eine ganz enge Bindung

Eine noch engere Bindung zu Baden-Baden haben allerdings Bill und Hillary Clinton – auch, weil sie eng mit Karlheinz Kögel befreundet sind. Der L’TUR-Gründer und Stifter des Medienpreises war es auch, der Hillary Clinton 2004 die entsprechende Trophäe in Baden-Baden überreichte. Fünf Jahre zuvor hatte ihr Mann Bill bereits die Auszeichnung erhalten.

Auch der Ex-US-Präsident Bill Clinton interessiert sich für die Angebote auf Flohmärkten, wie er im Oktober 2002 während eines Besuches in Baden-Baden bewies.
Auch der Ex-US-Präsident Bill Clinton interessiert sich für die Angebote auf Flohmärkten, wie er im Oktober 2002 während eines Besuches in Baden-Baden bewies. | Foto: dpa

Der frühere US-Präsident zeigte sich in Baden-Baden bürgernah. Mit gelbem Hemd und Pulli um die Schultern schlenderte er lässig über einen Flohmarkt und spielte in einem Bistro bis in die frühen Morgenstunden Saxofon. „Da können Sie sich vorstellen, was da los war“, sagt Seiter.

Übrigens: Trumps Buch, das 2004 auf den Markt kam, trug den Titel „Wie man reich wird“. „Vielleicht“, sagt Seiter jetzt mit einem Augenzwinkern, „hätten wir damals gut ein paar Ratschläge gebrauchen können“. Denn zu dieser Zeit habe in Baden-Baden – wie in ganz Deutschland auch – eine angespannte Finanzsituation geherrscht. Doch auch ohne Trumps Hilfe haben es die Kurstadt und Deutschland wieder nach ganz oben geschafft.