Blick in den Baden-Badener Forst: Die anhaltende Trockenheit der vergangenen Jahre hat auch im Stadtwald ihre Spuren hinterlassen, wenn auch nicht so gravierende wie in anderen deutschen Regionen.
Blick in den Baden-Badener Forst: Die anhaltende Trockenheit der vergangenen Jahre hat auch im Stadtwald ihre Spuren hinterlassen, wenn auch nicht so gravierende wie in anderen deutschen Regionen. | Foto: Julian Meier

Vielfalt streut das Risiko

Warum der Baden-Badener Stadtwald weniger unter Trockenheit leidet als andere Wälder

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Der Baden-Badener Stadtwald leidet unter fehlenden Niederschlägen. Hinzu kommt der Borkenkäferbefall. Trotzdem ist der Stadtwald im Vergleich mit anderen Wäldern in Deutschland „gut mit den Trockenjahren zurechtgekommen“, sagt das Forstamt. Warum ist das so?

Der Wald leidet. In Zeiten des Klimawandels ist es keine neue Erkenntnis, die das Forstamt in Baden-Baden im Bericht zum Zustand des Waldes zum Ausdruck bringt. Dürreschäden sind in Baden-Baden vor allem in der Rheinebene bei Bäumen zu beobachten, die auf sandig-kiesigen Böden wachsen. Dieses Phänomen findet sich bei allen Baumarten, insbesondere aber bei Buchen, die mitunter stark geschädigt oder abgestorben sind.

In den mittleren Lagen sind eher felsige Standorte mit Tannen und Buchen betroffen, wobei es sich nicht um große Flächen handelt. Rund 1.000 Festmeter Holz sind wegen Dürreschäden eingeschlagen worden, was etwa drei Prozent des normalen Einschlags entspricht. Dabei werden nur Bäume gefällt, die ein Risiko im Hinblick auf eine Borkenkäfervermehrung darstellen, beziehungsweise eine Gefahr für die Verkehrssicherheit angrenzender Flächen sind.

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In mittleren und höheren Lagen sind zudem Schäden bei der Fichte aufgrund von Sturm, Schneebruch und anschließendem Borkenkäferbefall zu verzeichnen. Diese Schäden belaufen sich im Jahr 2019 auf rund 16.000 Festmeter, was 42 Prozent des gesamten Einschlags betrifft. Zum Vergleich: Im Jahr 2018 waren es 13.000 Festmeter. Bei entsprechender Witterung sei mit weiter ansteigenden Mengen zu rechnen.

„Integrierter Waldschutz“ bringt Erfolg

Bewährt habe sich die eingeschlagene Strategie des integrierten Waldschutzes. Wichtig, so wird beschrieben, sei in diesem Zusammenhang eine regelmäßige Kontrolle der gefährdeten Waldbereiche und gegebenenfalls eine schnelle Aufarbeitung des Holzes. So wurden im vergangenen Jahr Forstunternehmer verpflichtet, die das befallene Holz eingeschlagen und an die Waldwege gerückt haben. Wobei aufgrund des Überangebots am Holzmarkt eine rasche Abfuhr nicht einfach zu bewerkstelligen sei.

Hinzu komme die mangelnde Kapazität an Fuhrunternehmen. Derzeit werden nur Hölzer eingeschlagen, für die auch eine Kundennachfrage vorliege – vorzugsweise Douglasien, aber auch Laubhölzer. Es sei damit zu rechnen, dass sich der Holzmarkt weiter verschärfe und damit auch in diesem Jahr ein Großteil des Einschlags im Käferholz gemacht werden müsse.

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„Vielfalt streut das Risiko“, ist ein Grundsatz, der auch für die Verhältnisse im Baden-Badener Stadtwald gilt. „Wenn verschiedene Baumarten in einem Wald wachsen, dann steigt die Chance, dass Baumarten dabei sind, die mit den sich verändernden Bedingungen wie Hitze und Trockenheit klarkommen“, heißt es im Bericht. Außerdem: „Gesunde und gemischte Wälder mit verträglichen Wildbeständen haben von Natur aus die Eigenschaft, sich auch von selbst immer wieder zu erneuern. Bei Wäldern im Klimastress mit eingeschränkter Vitalität und überhöhten Wilddichten ist diese natürliche Eigenschaft erheblich eingeschränkt – der Wald benötigt daher Hilfe, vor allem auch von engagierten Jägerinnen und Jägern.“

Als „besonders erfreulich“ wird angemerkt, dass sich in zunehmendem Maß Einzelpersonen, aber auch Gruppen und Firmen in privaten Initiativen um den Stadtwald bemühen. So komme es beispielsweise zu Baumpflanzungen, außerdem gingen immer wieder Spenden ein. Die Unterstützung bei Betriebsarbeiten ist ein weiterer Aspekt, der gelobt wird. Hilfe sei auch vom Land zu erwarten: In Baden-Württemberg wird derzeit ein neues Förderprogramm für die Waldschäden nach Extremwetter-Ereignissen aufgelegt.