Neben Glühweinständen und Lebkuchenherzen gehören mittlerweile auch Zufahrtssperren zum Bild von Weihnachtsmärkten - wie hier die Poller auf dem Pforzheimer Weihnachtsmarkt.
Neben Glühweinständen und Lebkuchenherzen gehören mittlerweile auch Zufahrtssperren zum Bild von Weihnachtsmärkten - wie hier die Poller auf dem Pforzheimer Weihnachtsmarkt. | Foto: Archivbild: Streib

Von Karlsruhe bis Pforzheim

Weihnachtsmärkte in der Region: Zwischen Terror-Schutz und Leichtigkeit

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Der Countdown bis zur Eröffnung der Weihnachtsmärkte läuft. Neben Glühweinständen, Tannenbäumen und Lebkuchenherzen prägen zunehmend auch Poller und Absperrungen ihr Bild – nicht erst seit dem Anschlag auf den Straßburger Weihnachtsmarkt vor einem Jahr. Von Karlsruhe über Baden-Baden bis Pforzheim – in der Region hat jede Stadt ihren eigenen Umgang mit neuen Anforderungen.

Die Frage nach dem Schutz vor terroristisch motivierten Anschlägen ist in Karlsruhe nicht erst mit dem Angriff auf den Straßburger Weihnachtsmarkt aufgekommen. „Das war leider keine völlig neue Situation“, sagt Björn Weiße, Leiter des Ordnungs- und Bürgeramts der Stadt.

Vorkommnisse dieser Art habe es zuvor schon immer wieder einmal gegeben – weltweit. „Wir haben das wahrgenommen und reflektiert, wie wir uns davor schützen können“, sagt er.

Der Genuss soll nicht geschmälert werden

Weiße spricht dabei von einem Spannungsfeld: „Auf der einen Seite wollen wir ein möglichst hohes Sicherheitsniveau bieten – auf der anderen Seite den Genuss für die Besucher nicht schmälern.“ Zwischen beidem gelte es, die richtige Balance zu finden.

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Von der Feuerwehr über den leitenden Notarzt bis hin zum Veranstalter – jedes Jahr ließen die Verantwortlichen im Anschluss an den Christkindlesmarkt die Veranstaltung Revue passieren. „Gemeinsam schauen wir dann, was wir beim nächsten Mal besser machen können“, sagt Weiße.

Das Konzept für 2019 habe sich im Vergleich zum Vorjahr im Wesentlichen nicht verändert. Auch 2019 sei der Sternlesmarkt so konzipiert, dass er nicht von außen befahrbar sei. Vielerorts werde eine Zufahrt bereits durch die Aufstellung der einzelnen Stände unterbunden.

Wir müssen nicht immer mit erkennbaren Barrieren arbeiten.

Björn Weiße, Leiter des Ordnungs- und Bürgeramts Karlsruhe

Auch das Weihnachtstor an der Kaiserstraße erfülle nicht nur dekorative Zwecke. „Das wirkt schön“, sagt Weiße, „erfüllt aber ebenso den Zweck, eine Durchfahrt zu verhindern.“

Sicherheitspoller werden mancherorts weihnachtlich geschmückt

Das Nützliche mit dem Schönen verbindet auch die Stadt Baden-Baden. „Die Besucher sollen mit einem guten Gefühl auf den Weihnachtsmarkt gehen“, ist Nora Waggershauser, Geschäftsführerin der Baden-Baden Kur & Tourismus GmbH, überzeugt. „Wenn ich in ein Flugzeug steige, möchte ich auch nicht als erstes an einen möglichen Absturz erinnert werden“, sagt die Geschäftsführerin.

Sicherheitsvorkehrungen werden in der Kurstadt daher in das Gesamtbild des Weihnachtsmarktes integriert: Betonklötze, die eine Durchfahrt verhindern sollen, sind in Baden-Baden als Hexenhäuschen geschmückt. Auch eine mobile Zufahrtsperre wird es geben – ob es sich dabei wieder um einen verzierten Unimog handelt, steht noch aus.

Wie Karlsruhe verfügt auch die Stadt Baden-Baden über ein Sicherheitskonzept, dass Jahr für Jahr den neuesten Erkenntnissen angeglichen wird. „90 Prozent des Konzeptes gleichen dem des Vorjahrs“, sagt Waggershauser. Bei den übrigen 10 Prozent werde immer wieder nachjustiert – auch während des laufenden Betriebs. „Dieser Teil lebt“, erläutert die Geschäftsführerin.

Taschenkontrollen sind keine vorgesehen

Mit Einschränkungen habe niemand zu rechnen, der den Baden-Badener Weihnachtsmarkt besuchen wolle – Taschenkontrollen seien nicht vorgesehen. „Derzeit, muss ich sagen“, betont Waggershauer. „Die Situation kann sich immer ändern.“ Aktuell deute jedoch nichts darauf hin.

Ähnliches gilt für den Weihnachtmarkt in Rastatt. Dort steht die Abstimmung des Sicherheitskonzeptes mit dem Ordnungsamt und der Polizei zwar noch aus. „Bis dato gibt es jedoch keine Veranlassung, ein gesondertes Sicherheitskonzept aufzulegen“, sagt Pressesprecherin Heike Dießelberg. Die aktuelle Sicherheitslage werde auch in der Barockstadt als nicht problematisch angesehen.

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„Es gibt aktuell weder Hinweise auf eine Bedrohung, noch Erkenntnisse zu konkreten Gefährdungen“, bestätigt Ansgar Gernsbeck vom Polizeipräsidium Offenburg. Die Polizei schärfe dennoch ihre Aufmerksamkeit. „So werden wir zum Beispiel auch dieses Jahr die Polizeipräsenz auf den Weihnachtsmärkten erhöhen“, sagt Gernsbeck.

Nicht überall kommen Poller zum Einsatz

Auch auf dem Rastatter Weihnachtsmarkt ist eine verstärkte Präsenz der Polizei seit dem Anschlag auf dem Breitscheidplatz in Berlin üblich, sagt die Pressesprecherin der Stadt. „Taschenkontrollen oder Sicherheitspoller wird es nach aktuellem Stand nicht geben“, ergänzt Dießelberg.

Ganz auf Zufahrtssperren verzichten wird die Stadt Pforzheim hingegen nicht. Automatisch bewegbare Hochsicherheitspoller sollen in diesem Jahr die Zufahrt zum Weihnachtmarkt in der Innenstadt reglementieren, sagt Philip Mukherjee, Pressereferent der Stadt.

Es herrscht eine erhöhte Wachsamkeit

Robert Determann, Leiter des Kultur- und Sportamts Ettlingen

Der Sternlesmarkt in Ettlingen setzt ebenfalls auf eingeschränkte Zufahrtsmöglichkeiten. „Seit dem Anschlag auf den Weihnachtsmarkt in Berlin verhindern bei uns Gitterboxen die Einfahrt“, sagt Robert Determann, Leiter des Kultur- und Sportamts Ettlingen. „Es herrscht eine erhöhte Wachsamkeit“, erläutert er, weshalb auch in Ettlingen neben der Polizei das Ordnungsamt verstärkt präsent sein wird.

Dabei sei nicht unüblich, dass die Vorkehrungen von Stadt zu Stadt variieren, teilt das Polizeipräsidium Offenburg auf Nachfrage mit: „Die Sicherheit liegt in erster Linie in der Verantwortung des Veranstalters, dementsprechend wird vor Ort über die Maßnahmen entschieden.“