Welcher Wein bei offiziellen Anlässen ausgeschenkt wird, ist in Bühl klar geregelt: Im Bürgerhaus müssen 70 Prozent des Weins von der Bühler Gemarkung stammen. | Foto: dpa

Ausschank vertraglich geregelt

„Werbung für Bühler Winzer“

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Der Bühler Weinpatriotismus ist offensichtlich aus einem härteren (Barrique-)Holz geschnitzt als jener in Baden-Baden. Diskussionen wie in der Kurstadt, wo immer wieder über die Vernachlässigung des einheimischen Weins bei offiziellen Anlässen geklagt wird, sind hier unbekannt, im Gegenteil wird der Ausschank gezielt als Marketinginstrument eingesetzt: „Wir verstehen das Weinangebot bei unseren Veranstaltungen auch als Werbung für unsere Winzer“, sagte Reinhard Renner von der Abteilung Zentrale Dienste der Stadtverwaltung. „Wir schenken nur Wein aus Bühl aus. Das ist für uns selbstverständlich.“ Auch Weinpräsente, etwa bei den Seniorennachmittagen, stammten von der eigenen Gemarkung. Der ausgewählte Rotwein komme fast immer von den Affentaler Winzern, bei den anderen Sorten würden auch die einzelnen Weingüter berücksichtigt.

Stadtwein gibt es nicht mehr

Vor etlichen Jahren gab es auch einen eigenen Bühler Stadtwein. Die Stadt war Eigentümerin der Reben, den Wein baute die Affentaler Winzergenossenschaft aus. „Das haben wir aber wieder eingestellt. Wir brauchen keinen städtischen Wein“, so Renner.

Vertragliche Regelung

Auch im Bürgerhaus Neuer Markt wird mit heimischem Wein angestoßen. Dort ist die Bewirtung normalerweise Sache des Bürgerhauswirts Jürgen Kohler, bei einigen wenigen Veranstaltungen wie dem Neujahrsempfang oder dem Seniorennachmittag ist die Stadtverwaltung aber für das Getränkeangebot zuständig. Ansonsten bestimmt Jürgen Kohler, welche Weine im Angebot sind – zumindest im Detail, denn in seinen Verträgen mit der Stadt ist festgeschrieben, dass bei öffentlichen Anlässen 70 Prozent des im Bürgerhaus angebotenen Weines von der Gemarkung Bühl stammen müssen. „Dieser Passus gilt seit dem ersten Tag“, berichtet Kohler. „Der damalige Oberbürgermeister Ulrich Wendt hat das 1989 gleich eingeführt.“ Der Gastronom stört sich an dieser Regelung nicht, im Gegenteil: „Ich bin ein absoluter Befürworter einheimischer Produkte, und es ist sehr wichtig, dass wir sie den Besuchern präsentieren.“ Deshalb würde er auch ohne vertragliche Regelung auf den einheimischen Wein setzen – wie beim Zwetschgenfest, wo es im von Kohler und seinem Vimbucher „Engel“-Team betriebenen Festzelt „zu 100 Prozent Affentaler Wein“ gibt. Bei privaten Feiern wie Hochzeiten könne natürlich auch anderer Wein ausgewählt werden, betont Kohler. „Natürlich beraten wir dabei aber auch in Richtung des badischen Weins. Wir können schließlich stolz sein auf unsere einheimischen Produkte.“ Deshalb verstehe er auch die kurstädtische Vorgehensweise nicht: „Die Baden-Badener WG hat doch ganz tolle Weine,  und für die Weingüter im Rebland gilt das auch“.

Winzergenossenschaft zufrieden

Die Kritik aus dem Baden-Badener Rebland kann auch Ralf Schäfer, der Geschäftsführer der Affentaler Winzer eG, „absolut nachvollziehen“. Es müsse eine Selbstverständlichkeit sein, auch heimischen Wein anzubieten: „Es gibt in Baden-Baden doch Wein in allen Preislagen“. Die Produkte der Affentaler Genossenschaft bei Bühler Veranstaltungen sieht Schäfer gut platziert, sei es im Bürgerhaus Neuer Markt oder etwa beim Zwetschgenfest. „Wir können uns nicht beschweren“, sagt er. Ob Veranstaltungen von Stadt oder Vereinen: „Wir fühlen uns im Wesentlichen sehr gut berücksichtigt“. Er habe das Gefühl, dass die Verbundenheit mit dem heimischen Wein in den zurückliegenden Jahren größer geworden sei.

 

KOMMENTAR

Welcher Wein bei welcher Veranstaltung ausgeschenkt wird, gehört nicht zu den großen Zukunftsfragen. Die Versuchung, sich mit einer ordentlichen Prise Humor der einschlägigen kurstädtischen Diskussionen zu widmen, ist groß – ihr zu erliegen, würde der Sache aber nicht gerecht. Denn tatsächlich geht es hier um mehr als nur um die Frage, welcher Tropfen im Glas funkelt. Die Arbeit der zahlreichen Winzer, von denen viele nebenberuflich ihre Reben pflegen, trägt zum Erhalt der das Vorgebirge prägenden Kulturlandschaft bei. Allein dieser Aspekt verdient die Unterstützung durch die Kommunen: Die zunehmende Zahl brachliegender Rebflächen zeigt, wohin sich die Landschaft ohne dieses oft genug mehr ehrenamtlich als wirtschaftlich lukrative Engagement entwickeln würde – ein Pfund, mit dem sich auf dem Tourismusmarkt wuchern ließe, wäre das nicht. Dazu kommt: Wenn die oft beschworene Regionalität bei Essen und Trinken mehr als nur ein Modewort sein soll, muss sie sich im Handeln niederschlagen. Es reicht nicht aus, wenn die Kommunen beispielsweise die Trommel für den Einkauf im Hofladen rühren, sie müssen mit entsprechenden Beispielen vorangehen. Deshalb ist die für das Bühler Bürgerhaus Neuer Markt schon vor über einem Vierteljahrhundert getroffene und noch heute gültige Wein-Regelung auch vorbildlich. Sie umfasst die öffentlichen Veranstaltungen, während sie Privates privat sein lässt. Und sie ist auch eine Anerkennung des Einsatzes der Winzer für die Kulturlandschaft. Am Ende ist das vielleicht genau der Punkt, der in Baden-Baden vermisst wird.