Eng hergehen darf es auch bei der Feuerwehr nur noch im Spind. Das Coronavirus hat Schichtpläne und Einsatzbedingungen gewaltig verändert.
Eng hergehen darf es auch bei der Feuerwehr nur noch im Spind. Das Coronavirus hat Schichtpläne und Einsatzbedingungen gewaltig verändert. | Foto: dpa

Getrennte Gruppen zum Schutz

Wie die Feuerwehren in Bruchsal und Baden-Baden auf das Coronavirus reagieren

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„Stell’ dir vor, dein Haus brennt, und keiner kommt, es zu löschen.“ Dieses Szenario wollen Feuerwehren im Land unter allen Umständen verhindern. Dass das nicht weit hergeholt ist, zeigt das Beispiel Baden-Baden: Weil zwei hauptamtliche Feuerwehrleute mit dem Coronavirus infiziert waren, fielen auf einen Schlag 16 Kollegen durch Quarantäne aus.

„Wir müssen davon ausgehen, dass wir erst am Anfang stehen. Momentan befinden wir uns im grünen Bereich. Weitere Fälle werden wohl nicht ausbleiben. Wir müssen immer damit rechnen, dass einer in der Gruppe infiziert ist und es nicht weiß“, erklärt der Leiter der Baden-Badener Feuerwehr, Martin Buschert.

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Die selben Sorgen treiben Buscherts Bruchsaler Kollegen Bernd Molitor um. Dort gibt es zwar keinen Corona-Fall, damit das aber so bleibt, sind jetzt hier wie dort strenge Schichtpläne angesagt. 70 bis 80 Ehrenamtliche in der Bruchsaler Kernstadt und zwölf Hauptamtliche sind nun in vier Gruppen aufgeteilt. Montag, Mittwoch, Freitag schiebt die eine Schicht Dienst, an den anderen Tagen die andere, außerdem gibt es Nachtgruppen.

Feuerwehr sichert jetzt alles doppelt ab

Wie in vielen anderen wichtigen Infrastrukturbereichen etwa in der Energieversorgung spricht man von der Redundanz. Alles ist doppelt abgesichert. Jede Bruchsaler Gruppe bekommt im Einsatz eine Abteilung aus den Stadtteilen zur Seite gestellt. Brennt montagmorgens auf der A5 ein Auto, rückt Schicht A aus und wird unterstützt von der Freiwilligen Feuerwehr Untergrombach.

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Ein ähnliches Bild in Baden-Baden: Die Zahl der ausrückenden Kräfte, die rund um die Uhr auf der Wache sind, soll von acht auf zehn Hauptamtliche erhöht werden – sofern es personell geleistet werden kann.

Jede Zusammenkunft birgt ein gewisses Risiko.

Martin Buschert, Leiter der Baden-Badener Feuerwehr

Der normale Tagesbetrieb auf der Wache ist auf ein Minimum zurückgefahren. Wo es möglich ist, arbeiten die Feuerwehrleute im Homeoffice. Außerdem ist der gesamte Ausbildungsbetrieb eingestellt. Es gilt, möglichst viele Kontakte zu vermeiden. „Jede Zusammenkunft birgt ein gewisses Risiko“, so der Kommandant aus der Kurstadt, Buschert.

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Normalerweise gibt es im Wachdienst einen fliegenden Wechsel, bei dem sich die Kollegen morgens „Mann gegen Mann“ ablösen. Zurzeit ist dieses Modell aufgelöst. Die Schichten sind jetzt in sogenannte Kontaktgruppen getrennt: Die Kollegen begegnen sich nicht bei einer Übergabe und halten sich in getrennten Räumen auf.

Wegen Coronavirus Kontakte einschränken und Abstände vergrößern

Auch die Doppelzimmer der hauptamtlichen Feuerwehrleute im 24-Stunden-Dienst wurden aufgelöst und Büros zu Einzel-Schlafräumen umfunktioniert. Die Mitglieder der Kontaktgruppen essen mit mehr Abstand und zu unterschiedlichen Zeiten. Außerdem desinfizieren Mitarbeiter mehrmals am Tag alle sensiblen Bereiche wie Türen, Tische oder die Lenkräder der Einsatzfahrzeuge.

Jetzt zahlt sich aus, dass die Bruchsaler Feuerwehr in den vergangenen Jahren viel in die Ausbildung investiert hat. Denn jede der vier Gruppen dort benötigt eigene Fachleute: Einen, der die Drehleiter bedienen kann, eine, die den Lkw lenkt, Gruppenführer, Zugführer, sonstige Spezialisten. „Das ist ohnehin das Wesen einer freiwilligen Feuerwehr“, erklärt der Bruchsaler Kommandant Bernd Molitor.

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Und was passiert bei einer Großlage, in der es nicht genügt, dass nur eine Gruppe ausrückt? „Hier müssen wir ganz diszipliniert vorgehen“, so Molitor. Jede Gruppe bildet dann am Einsatzort eine feste Einheit und sollte sich nach Möglichkeit nicht mischen. Eine Herausforderung bei Großeinsätzen, die ohnehin meist an Herausforderungen nicht arm sind, räumt Molitor ein.

Er hat seine Männer und Frauen streng auf das Kontaktverbot verpflichtet. „Selbst die Putzfrauen auf der Feuerwache arbeiten nun in getrennten Schichten, damit sie das System nicht kaputt machen.“

Corona-Schutzausrüstung ist Mangelware

So hat jede Wehr ihre eigenen Herausforderungen. In Baden-Baden sind die Feuerwehrleute auch wegen des Falles in den eigenen Reihen verpflichtet, Mundschutzmasken zu tragen. Nur: Woher nehmen?

Ein Modedesigner aus Baden-Baden hat schnell reagiert und die ersten Masken hergestellt. Die Schneiderei des Baden-Badener Theaters ist in die Schutzmasken-Produktion gegen Corona-Infektionen eingestiegen.

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