SCHWER ZU JAGEN sind die Wildschweine, deren Population seit Jahren wegen der milden Winter kontinuierlich zunimmt. Die Jäger gegen deshalb bei revierübergreifenden Drückjagden gemeinsam gegen die Schwarzkittel vor. | Foto: Foto: Mirgeler

Drückjagd in Baden-Baden

Wildschweine bleiben auf der Strecke

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Die hohe Population der Wildschweine bereitet Probleme: Die Schwarzkittel verursachen bei der Nahrungssuche gravierende Schäden auf landwirtschaftlichen Flächen und auch in privaten Gärten. Dringend notwendig wird eine Dezimierung des Wildschweinbestandes auch wegen der möglichen Übertragung der Afrikanischen Schweinepest durch die Schwarzkittel. Die Tierseuche aus Osteuropa droht bereits nach Baden-Württemberg zu schwappen. „Die jüngste Drückjagd war erfolgreich. Rund 50 Wildschweine und 20 Rehe haben wir im Bezirk Baden-Baden erlegt“, berichtet Thomas Hauck, Leiter des Fachgebiets Forst und Natur, in Baden-Baden.

Die Sauen sind schlau

Im Rahmen der revierübergreifenden Drückjagd, die sich auch auf angrenzende Jagdreviere im Murgtal erstreckte, waren mehr als 250 Jäger gleichzeitig im Einsatz. Dabei kamen insgesamt 123 Wildschweine zur Strecke (wir berichteten). In der Regel finde ein Mal im Jahr ein Drückjagd statt, meist in den Monaten zwischen Oktober und Januar, wenn die laublosen Bäume eine gute Sicht ermöglichen. Es sei wenig sinnvoll ein Tier zu Verfolgen, um es dann beim Übertritt in ein anderes Revier zu verlieren. „Die Tiere sind außerordentlich schlau und sehr lernfähig.

Jagd bei guten Sichtverhältnissen

Ein großer Vorteil der Drückjagd ist, dass sie tagsüber bei guten Lichtverhältnissen stattfindet. Die dunklen Tiere haben ihren Unterstand im Dickicht und Unterholz und sind deswegen schlecht auszumachen. Sie suchen sich eine ruhige Ecke in der Nähe des Nahrungsangebotes. Das kann entweder mitten in einem Maisfeld sein aber auch in einem Gebüsch in der Feldflur oder neben einer Straße sowie einem Wohngebiet“, schildert Thomas Hauck. Bei kaltem Wetter liegen die Sauen gern an Stellen, wo die Sonne reinscheint, bei schlechtem Wetter liegen sie dagegen windgeschützt.

Bestand nimmt kontinuierlich zu

Woran erkennt man, dass der Bestand an Wildschweinen kontinuierlich zunimmt, Zählungen sind wohl kaum möglich? „Es gibt Hinweise und Richtzahlen, dass wir landesweit im Bestand voll in der Zunahme sind. Das erkennt man an den sogenannten Abschmelzzahlen, also was konkret gejagt wird. Und an der Zahl der Verkehrsunfälle, die beide irgendwann einmal zurückgehen müssten“, verweist Thomas Hauck auch auf die seit Jahren steigenden Unfallzahlen.

Viel Nahrung vorhanden

Bei einem Wildunfall sei es übrigens Pflicht am Unfallort zu bleiben und die Polizei umgehend zu verständigen. „Die bestätigt den Unfall gegenüber der Versicherung und es wird sofort ein Jäger verständigt, der das Tier gegebenenfalls von seinem Leid erlöst.“ Auf jeden Fall sollte man sich dem Tier nicht nähern, denn es könnte sich aus Angst wehren. Aufgrund der milden Winter und der reichlichen Baummast mit Eicheln und Buchäckern kommen immer mehr Frischlinge gut in das Frühjahr hinüber. „Ein Muttertier zu erlegen das säugt ist strafbar“, betont Thomas Hauck. Geschieht dies fahrlässig etwa bei einer Treibjagd ist das eine Ordnungswidrigkeit, die mit einem Bußgeld verbunden ist. „Nach Anweisung des Landwirtschaftsministeriums wird diese Ordnungswidrigkeit neuerdings nicht mehr geahndet, wenn dies belegbar fahrlässig geschah.“