Im Taubenschlag: Andreas Schwald, Vorsitzender der Reisevereinigung Rastatt und Umgebung. Er nimmt Stellung zu den Vorwürfen, die die Tierschutzorganisation Peta vorbringt. | Foto: Bentz

Brieftaubenzüchter angezeigt

„Wir haben nichts zu verbergen“

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Andreas Schwald versteht die Welt nicht mehr. „Ich weiß nicht, was die eigentlich wollen“, sagt der Vorsitzende der Brieftauben-Reisevereinigung Rastatt und Umgebung. Die Tierschutzorganisation Peta hat die Reisevereinigung bei der Staatsanwaltschaft Baden-Baden angezeigt. Auf der Homepage der Organisation steht bei den Pressemitteilungen in der Unterrubrik „Unterhaltung“ auch der Grund der Anzeige. Allerdings ist die Anschuldigung, die Peta vorbringt keineswegs unterhaltend – sie ist todernst: „Hunderte Tauben bei Wettflügen in den Tod geschickt: Peta erstattet Strafanzeige gegen Brieftauben-Reisevereinigung Rastatt“ heißt es in der Überschrift.

Peta stellt Strafanzeige bei der Staatsanwaltschaft Baden-Baden

In der Mitteilung, die den BNN auch in schriftlicher Form vorliegt, schreibt Peta, dass im vergangenen Jahr mindestens 710 Tauben der Rastatter Vereinigung ihr Ziel nicht erreicht hätten – eine Verlustrate von 67 Prozent. Die Angezeigten hätten „im Zuge der Wettveranstaltungen in der Saison von April/Mai 2017 bis Ende Juli 2017 Wirbeltiere getötet und ihnen länger anhaltende, sich wiederholende erhebliche Schmerzen oder Leiden zugefügt“.

 

Mit so etwas haben wir noch nie zu tun gehabt

Andreas Schwald, Vorsitzender der Reisevereinigung Rastatt und Umgebung

 

„Die Strafanzeige ist am 30. August bei der Staatsanwaltschaft eingegangen wegen Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz und, ohne das weiter zu spezifizieren, alle weiteren Straftatbestände und Ordnungswidrigkeiten“, bestätigt Michael Klose, Erster Staatsanwalt und Pressesprecher bei der Staatsanwaltschaft Baden-Baden. Die Anzeige richtet sich gegen die Zugleiter der Reisevereinigung, Beteiligte und Züchter. Da keine Namen genannt wurden, sei ein Verfahren gegen unbekannt eingeleitet worden, berichtet Klose.

Die Polizei ermittelt

Die Polizei wurde mit Ermittlungen beauftragt – und die rief Mitte dieser Woche bei Andreas Schwald an.
„Wir haben nichts zu verbergen“, sagt dieser und weist darauf hin, dass die Reisevereinigung dem Tierschutz unterliege und es tierärztliche Untersuchungen gebe. „Tierschutz hat einen hohen Stellenwert“, betont er. Auch im Lkw, in dem die Tiere zum Auflassplatz transportiert werden, werde kontrolliert, ob die Tauben ordnungsgemäß versorgt werden. Zudem werde für den Lkw ein sogenanntes Desinfektionsbuch geführt, berichtet er. Auch müssten Kotproben der Tiere abgegeben werden. Es herrsche keine Willkür.

Die von Peta genannten Zahlen sind Schwald schleierhaft

„Wir können die Flugberichte offenlegen, es ist alles dokumentiert“, sagt Schwald. Für eine Strecke von 400 Kilometern brauche eine Brieftaube rund fünf Stunden. „Das ist ihr Naturell, weil sie fliegen will“, betont der Vorsitzende. Wie die Tierschutzorganisation Peta auf die Zahl 710 kommt, ist ihm schleierhaft. „Das ist nicht haltbar, ich weiß nicht, wie die auf die Idee kommen“, sagt er. Schwald vermutet, dass Peta die Differenz der Einsatzzahlen der Tauben aus dem ersten und dem letzten Wettflug der Saison genommen hat.

22 Reisevereinigungen wurden angezeigt

Allerdings variiert die Anzahl der Tauben bei den Flügen, wie er weiter ausführt. „Es gibt Leute, die machen nur fünf Flüge“, sagt er. Der Vorsitzende der Reisevereinigung Rastatt und Umgebung bestätigt aber, dass manche Tauben bei Wettflügen auf der Strecke bleiben, sei es, dass sie einfach nicht mehr nach Hause kommen oder Raubvögeln zum Opfer fallen. Manchmal kämen Tauben von Raubvögeln so schwer verletzt wieder nach Hause, dass man sie töten müsse, erläutert er. Peta habe bis jetzt 22 Reisevereinigungen angezeigt, berichtet Schwald.

Kontakt mit dem Deutschen Brieftaubenverband

Im Verbreitungsgebiet der BNN war unter anderem auch die Reisevereinigung Brieftauben Pforzheim betroffen. „Mit so etwas haben wir noch nie zu tun gehabt“, sagt Schwald.
Er hatte auch Kontakt zur Rechtsabteilung des Deutschen Brieftaubenverbands. Diese erwäge nun eine Sammelklage gegen Peta. Den Termin mit der Polizei am Montag will der Vorsitzende der Reisevereinigung wahrnehmen.

Michael Klose rechnet nicht in diesem Jahr mit einem Ergebnis

Wenn diese mit einem Ermittlungsergebnis zurückkomme, werde man prüfen, ob man eine öffentliche Anklage erhebe, sagt Michael Klose von der Staatsanwaltschaft Baden-Baden. Noch lägen keinerlei Erkenntnisse vor. „Es wird einige Zeit in Anspruch nehmen“, sagt er. Mit einem Ergebnis rechnet er nicht in diesem Jahr.

Anlassbezogene Kontrollen, aber keine Routineüberwachung

Peta fordert auch veterinärbehördliche Kontrollen. Peter Reith, Leiter des Amtes für Veterinärwesen und Lebensmittelüberwachung beim Landratsamt Rastatt, erklärt, dass es anlassbezogene Kontrollen gibt. Aber: „Es gibt keine Routineüberwachung bisher“, sagt er.