Netzwerkkabel stecken in Routern in einem Serverraum. In der IT-Branche gibt es noch immer viele Neugründungen.
Netzwerkkabel stecken in Routern in einem Serverraum. In der IT-Branche gibt es noch immer viele Neugründungen. | Foto: dpa

Sinkende Steuereinnahmen

Wirtschaftsförderung wird in Baden-Baden immer wichtiger

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Baden-Baden stellt sich auf sinkende Gewerbesteuereinnahmen ein. Zuletzt ließ Oberbürgermeisterin Margret Mergen anklingen, dass statt der erhofften 52 Millionen Euro wohl nur 45 Millionen zu erwarten seien. Da rückt das Thema Wirtschaftsförderung noch mehr in den Mittelpunkt.

In Baden-Baden ist dieser Bereich direkt der Rathauschefin zugeordnet. Unternehmensabwanderungen wie der Umzug des Hard- und Softwarentwicklers G.O. Engeneering mit 110 Arbeitsplätzen nach Bühl lassen sich dennoch nicht vermeiden. Zudem stehen neue Gewerbeflächen nicht in unbegrenztem Umfang zur Verfügung. Doch jeder verlorene Arbeitsplatz wirkt sich auch finanziell auf den Stadtkreis aus.

Effekte von Arbeitsplätzen

Welche Größenordnungen das einnimmt, das lässt eine Studie der Stadt Karlsruhe erahnen. Die gab ein Gutachten bei der Prognos AG in Auftrag, um die „fiskalischen und wirtschaftlichen Effekten von Arbeitsplätzen“ zu analysieren.

Mit einem interessanten Ergebnis: Bei den so genannten ergebnis- und beschäftigungsrelevanten Steuern wie der Gewerbesteuer (netto), dem Gemeindeanteil an der Umsatzsteuer sowie der Grundsteuer ergab das im Jahr einen Wert von 1930 Euro – pro Arbeitsplatz.

Damit nicht genug: Wohnte der Beschäftigte zudem in Karlsruhe, erhöhte sich der Wert noch einmal deutlich: um 1409 auf dann 3339 Euro pro Arbeitsplatz – wegen des Anteils der Gemeinde an der Einkommenssteuer, wie der Karlsruher Wirtschaftsförderer Michael Kaiser erläutert. Den größten Anteil hat dabei die Gewerbesteuer mit 1484 Euro.

Baden-Baden ist nicht nur Touristenstadt

Baden-Baden ist nicht nur Touristenstadt ist, sondern hat auch als Standort für vielfältige Beschäftigung Bedeutung. Das zeigt ein Blick auf statistische Daten. Demnach waren im Stadtkreis mit knapp 56.000 Einwohnern immerhin 31.041 Menschen sozialversicherungspflichtig beschäftigt (Stand 2018).

Knapp 21.000 Arbeitnehmer pendeln in den Stadtkreis, um ihre Tätigkeit auszuüben, nur die Hälfte (10.650) der Beschäftigten gilt als Auspendler – geht also einer Beschäftigung außerhalb Baden-Badens nach.

Unterstützung für Gründer bietet das Elan-Gründerzentrum in Baden-Baden seit dem Jahr 2010.
Unterstützung für Gründer bietet das Elan-Gründerzentrum in Baden-Baden seit dem Jahr 2010. | Foto: Kamleitner

Dabei war die Stadt traditionell zunächst nie ein großer Wirtschaftsstandort, weil sich das nicht mit dem Image der Kurstadt vertrug, wie Mergen weiß. Unter ihren Vorgängern habe sich das geändert. Inzwischen sind (Stand 2017) über 200 der 14.000 Hektar Fläche von Baden-Baden bebaute Gewerbeflächen.

Die knapp 500 Ladengeschäfte haben übrigens eine Verkaufsfläche von etwa 100.000 Quadratmetern. Rund 320 Beherbergungsbetriebe bieten knapp 5.500 Betten – weniger als der Europa-Park in Rust, der mit 5.800 Betten die größte Hotel-Anlage in Deutschland betreibt.

In Bezug auf die Einwohnerzahl fällt Baden-Baden mit einer relative hohen Gründerquote auf. So waren im vergangenen Jahr unter den 659 Gewerbeanmeldungen immerhin 508 Neugründungen.

Kreativen jungen Spirit als Investor für Baden-Baden gewinnen.

Ob sich aus allen florierende Unternehmen entwickeln, ist ungewiss. Aber Schützenhilfe beim Start sei eine gute Investition, verweist Mergen auf städtisches Engagement im Rahmen der Wirtschaftsförderung. Ziel sei es, „den kreativen jungen Spirit als Investor für Baden-Baden zu gewinnen“, formulierte die Rathauschefin jüngst bei einem Termin im Elan-Gründerzentrum.

Das städtische Gründerzentrum Elan im Gewerbepark Cité steht unter der Leitung des Cyberforum. Derzeit hat es 15 Mieter mit rund 45 Arbeitsplätzen. Seit der Gründung im Jahr 2010 erhielten 59 Start-ups Schützenhilfe. Sie generierten etwa 140 Arbeitsplätze. Fünf Unternehmen haben aufgegeben, eines ging Konkurs. Alle anderen sind noch in ihren Märkten tätig, überwiegend in Baden-Baden, heißt es. Am stärksten sind IT/Hightech und Dienstleistung (jeweils 35 Prozent) vertreten, vor Marketing/Medien (24 Prozent) und Gesundheit/Wellness (sechs Prozent).