Nicht schön anzuschauen: Wuchshüllen im Stadtwald Baden-Baden. Die Teile müssen in Handarbeit entfernt werden, weil sie sich nicht, wie geplant, selbst zersetzen.
Nicht schön anzuschauen: Wuchshüllen im Stadtwald Baden-Baden. Die Teile müssen in Handarbeit entfernt werden, weil sie sich nicht, wie geplant, selbst zersetzen. | Foto: Bernd Kamleitner

Jetzt ist Handarbeit gefragt

Wuchshüllen für Bäume im Stadtwald halten viel länger als geplant

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Eigentlich sollte sich die Angelegenheit von selbst (auf)lösen. Doch das klappt so nicht, weil sich die Wuchshüllen für Bäume im Stadtwald nicht – wie ursprünglich gedacht – zersetzen. „Wir sind dabei, sie abzubauen“, erläutert Thomas Hauck. Das ist Handarbeit und dafür werden Helfer gesucht.

Mitglieder von Vereinen oder Schulklassen könnten dabei mit anpacken, betont der Leiter des städtischen Forstamts. Umsonst soll der Einsatz nicht sein. Für die Helfer soll es eine finanzielle Entschädigung geben.
Die Wuchshüllen im Stadtwald sind zum Problem geworden, weil sie viel länger halten als angenommen.

Hüllen sollten Jungbäume vor Wildverbiss schützen

Dass sie vor Jahren überhaupt zum Einsatz kamen, hatte durchaus gute Gründe. Zum einen sollten sie vor allem die jungen Bäume vor Wildverbiss schützen und den Jungpflanzen dazu verhelfen, besser wurzeln zu können. Dies trage auch dazu bei, den Wald von morgen von Konkurrenzvegetation wie wild wuchernden Brombeerhecken zu schützen, erläutert Hauck. Dieser Erfolg sei im Wald durchaus sichtbar.

Nicht schön anzuschauen

Eigentlich sollten sich die Kunststoffteile unter Waldbedingungen bereits nach fünf bis zehn Jahren zersetzen, doch dass das nicht geschehen ist, ist im Stadtwald an den entsprechenden Stellen mehr als augenfällig. Das ist nicht schön anzuschauen und – keine Frage – mit einer naturnahen Waldbewirtschaftung nicht in Einklang zu bringen.

Zu geringe Lichteinstrahlung verzögert Zersetzung

Hauck hat aber eine Erklärung für die längere Haltbarkeit der Wuchshilfen: Für den prognostizierten Zersetzungsprozess der Produkte einer englischen Firma sei eine stärkere Lichteinstrahlung erforderlich. Die sei aber im Wald nicht im erforderlichen Maße gegeben. Zudem sind weitere Standortbedingungen wie Temperatur und Feuchtigkeit für den Zersetzungsprozess ausschlaggebend.

Kunststoffteile müssen von Hand entfernt werden

Jetzt müssen die Teile von Hand entfernt werden – was zusätzliche Kosten entstehen lässt. Wer beim Entfernen helfen möchte, kann sich beim Forstamt der Bäderstadt melden. An Arbeit mangelt es keineswegs. „Die können alle weg, sie werden nicht mehr gebraucht“, bilanziert der Forstexperte. Nach dem Entfernen der Teile aus dem Wald sollen diese nicht auf dem Müll landen, sondern recycelt werden.

Stadt ist einer der größten Waldbesitzer in Deutschland

Mit einer forstlichen Betriebsfläche von über 7 500 Hektar – etwa 10 500 Fußballfelder – darf sich die Stadt Baden-Baden zu einem der größten kommunalen Waldbesitzer in Deutschland und zum größten in Baden-Württemberg zählen. Rund 420 Hektar Stadtwald liegen zudem im Bereich des Nationalparks Schwarzwald. Das Schutzgebiet wurde zum 1. Januar 2014 ausgewiesen. Die Fläche des Baden-Badener Stadtwalds im Nationalpark liegt zwischen Plättig und Badener Höhe.

Kontakt:  (0 72 21) 93 16 61, Mail: forstamt@baden-baden.de

Mehr als 50 Prozent des Stadtkreises Baden-Baden sind Wald – konkret machen die 8 621 Hektar einen Anteil von 61 Prozent an der Gesamtgemarkungsfläche von 14 018 Hektar aus. Der städtische Wald umfasst 7 500 Hektar. Weitere 420 Hektar liegen zudem im Nationalpark Schwarzwald. Baden-Baden ist damit die einzige Stadt in Baden-Württemberg, die Waldflächen im Nationalpark hat. 80 Prozent davon gehören der so genannten Kernzone des Schutzgebiets an: Dort darf die Natur Natur sein. Sie entwickelt sich seit dem 1. Januar 2014 ohne Eingriffe des Menschen. Hinzu kommen auf der Stadtkreisfläche knapp 1 100 Hektar Staats- und rund 180 Hektar Privatwald.
Für den Kurort Baden-Baden nimmt der Wald eine wichtige Erholungsfunktion ein. Im Jahr 1989 wies die Stadt per Satzung rund 3 600 Hektar Wald als gesetzlichen Erholungswald aus. Schwerpunkte für die Erholung sind Bereiche um den Baden-Badener Hausberg Merkur, das Grobbachtal sowie die Waldgebiet um den Scherrhof, die Rote Lache und den Plättig. Beim Wandern und beim Mountainbiking sei in den vergangenen Jahren eine deutliche Zunahme registriert worden, heißt es in einer Broschüre des städtischen Forstamts. Sie listet zahlreiche Daten und Fakten zum Wald im Stadtkreis auf. Auf einem Hektar Wald wachsen demnach im Durchschnitt 597 Bäume mit einem Durchmesser über sieben Zentimeter. Im Stadtwald sind es nach Forstamtsangaben rund 4,5 Millionen Bäume.