Ein Wolf durch ein Fernrohr gesehen
Die Zahl vermeintlicher Wolfssichtungen hat in Baden-Württemberg seit rund einem Jahr stark zugenommen. | Foto: Carsten Rehder/Archiv

Hund oder Wolf?

Zahl der Wolfssichtungen im Land deutlich gestiegen

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Wildtierökologen in Baden-Württemberg sind auf dem Handy jederzeit erreichbar: Wer einen Wolf sieht, dessen Spuren oder ein gerissenes Tier entdeckt, soll sie informieren.

Die Zahl vermeintlicher Wolfssichtungen hat in Baden-Württemberg seit rund einem Jahr stark zugenommen. 457 Meldungen gingen bei der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg (FVA) nach eigenen Angaben bis Ende September ein. Im gesamten Jahr 2017 waren es 310, im Jahr davor 120. Zuletzt sorgte die Entdeckung eines gerissenen Rehs im Murgtal für Aufregung – eine Untersuchung zeigte hier, dass das Reh nicht von einem Wolf getötet wurde.

Nur bei 23 der Meldungen aus 2018 konnte demnach eindeutig ein Wolf nachgewiesen werden. 217 Hinweise blieben unbestätigt, 106 stellten sich als Falschmeldungen heraus.

Oft werden große Hunde mit Wölfen verwechselt

„Wenn jemand anruft, ich habe heute Morgen einen Wolf im Scheinwerferlicht gesehen, dann ist das kein gesicherter Nachweis“, so Erretkamps. „Die Verwechslungsgefahr mit großen Hunden ist da einfach sehr groß.“ Der Experte rät, schnell das Handy zu zücken und Bilder zu machen – „dann können wir das überprüfen“. Eine zweifelsfreie Bestätigung können auch genetische Untersuchungen von Kot, Urin sowie Speichelproben an Kadavern gerissener Tiere liefern. Anders als bei Fotos oder Videos ist es für die Fachleute dann auch möglich, einzelne Wölfe voneinander zu unterscheiden.

Ein Wolf im Nordschwarzwald nachgewiesen

In Baden-Württemberg ist nach Zahlen des Umweltministeriums bislang ein Wolf sesshaft geworden, im Nordschwarzwald. Fünf weitere wurden seit 2015 auf Wanderungen erfasst oder tot aufgefunden. Die Zahl ist überschaubar – das Thema laut Erretkamps hingegen sehr präsent in den Medien. „Wenn gerade ein Artikel erschienen ist, haben wir in der nächsten Woche besonders viele Meldungen“. Für Schlagzeilen hatte zum Beispiel Ende April der Rüde aus dem Schwarzwald gesorgt, beim Umweltministerium erfasst als GW852m: Nach einer Attacke auf eine Schafherde in Bad Wildbad waren in einer Nacht mehr als 40 Tiere gestorben. Anfang September tötete ein Wolf zwei Schafe in Gernsbach.

„Wenn ein neuer Wolf auftaucht, bekommen wir das superschnell mit“, so Erretkamps. Tatsächlich könne man im Südwesten jederzeit mit Sichtungen rechnen, betonte der Wildtierökologe. „Der Wolf kommt langsam zurück.“

(df/dpa/lsw)