Unklar, wie es weiter geht: Rudolf Renz ist aktuell mit seiner Familie und seinem Zirkus gestrandet.
Unklar, wie es weiter geht: Rudolf Renz ist aktuell mit seiner Familie und seinem Zirkus gestrandet. | Foto: Krause-Dimmock

Vorstellungen abgesagt

Zirkus Renz wegen Corona-Krise bei Sandweier gestrandet

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Der Zirkus Renz muss wegen der Corona-Pandemie all seine Vorstellungen absagen und steckt jetzt auf einem Gelände in einem Stadtteil von Baden-Baden fest, ohne Einnahmen. Noch ist unklar, wie es für den Zirkus weitergeht.

Von unserer Mitarbeiterin Christiane Krause-Dimmoc

Es ist ein echtes Trauerspiel, das sich im Augenblick beim Zirkus Renz abspielt. Spross Rudolf Renz, der zur großen Dynastie gehört, die den Namen Renz einst prägten, ist gewissermaßen gestrandet. Just im März hätte seine zweite Saison starten sollen, als selbstständiger kleiner Zirkus mit internationalen Künstlern, zu denen auch Ehefrau Jaqueline gehört. Doch bevor er auf Tour gehen konnte, hagelte es Absagen.

Absagen sind mittlere Katastrophe

„Zu Anfang hatten wir noch gedacht, wir können in kleinerem Umfang spielen, weil es ja nur zahlenmäßige Einschränkungen gab.“ Wirtschaftlich gesehen wäre das nicht wirklich großartig gewesen, sicher aber machbar. Doch was nun passiert ist, ist für den jungen Unternehmer eine mittlere Katastrophe.

Zirkus hat Winterlager aufgeschlagen

Wie das alles weitergehen soll, das weiß er noch nicht so recht. In der Nähe der Kieswerke zwischen Sandweier und Iffezheim hat er sein Winterlager aufgeschlagen. Mit seiner kleinen Familie, zu der das einjährige Töchterchen gehört, lebt er in Karlsruhe.

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Dort hat er allerdings keine Möglichkeiten seine Tiere und den Fuhrpark unterzubringen. Statt nun die Wohnwagen und Anhänger von Stadt zu Stadt zu karren, sitzt er fest. Seine internationale Truppe, die aus allerlei verschiedenen Regionen der Welt kommt, würde obendrein keine Einreisegenehmigung nach Deutschland bekommen.

So steht er nun alleine da. Jeden Morgen steht Rudolf Renz gegen fünf Uhr in der Frühe auf, fährt nach Sandweier und kümmert sich um seine Tiere, zu denen neben drei Kamelen auch mehrere Pferde, Lamas und Ponys gehören.

Zirkus stellt sich auf lange Auszeit ein

Stall misten, füttern und all das, sind die ganz völlig normalen Arbeiten, die zu erledigen sind. Wie lange hier Stillstand herrschen wird, kann er nicht sagen. „Ich stehe natürlich mit meinem Kollegen übers Internet und telefonisch und auf Kontakt.“ Allseits stelle man sich auf eine lange Auszeit ein.

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Wirtschaftlich gesehen ein echtes Drama. Denn Futter, Hufschmied, Tierarzt, Versicherungen – all das muss auch weiterhin bezahlt werden. „Was möglich war, habe ich bereits abgemeldet. Im Moment laufen nur noch die Fahrzeuge, die ich benötige, um etwa den Mist aus den Stallungen abzufahren, oder Heu und Stroh zu holen, wenn ich welches bekommen kann.“ Das gilt ebenso für Sägespäne, die benötigt werden, um die Ställe auszustreuen.

Staatliche Hilfe keine Endlösung

Die Lage ist also im Augenblick sehr verzweifelt, die Aussicht schlecht. „Wir brauchen Hilfe, das ist gar keine Frage“, hofft er, dass er mit der staatlichen Hilfe, die gegenwärtig in Aussicht gestellt wird, wenigstens ein kleines bisschen Zeit gewinnen kann. Doch eine Endlösung stellt das für ihn nicht da.

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Im Augenblick, ist er um jede Hilfe dankbar, sei es bei der Hilfe in den Ställen, durch Futterspenden oder auch finanzieller Hilfe. „Klar, selbst ein Beutel Karotten ist uns – besonders in diesen Tagen – sehr willkommen“, macht er deutlich, wie dramatisch er seine Zukunft momentan einschätzt.

Schlimm sei vor allem, so zur Bewegungslosigkeit verdammt zu sein. Dabei, so wundert er sich, hat es noch nie Zeiten gegeben, die einem Zirkus so radikal zu schaffen gemacht haben, wie jetzt. Seine Großmutter habe ihm erzählt, dass selbst im Zweiten Weltkrieg immer noch kleine Open-Air-Veranstaltungen abgehalten wurden.

Und manchmal, so hat ihm die Oma auch berichtet habe es Fliegeralarm gegeben, so dass sich das Publikum unter dramatischen Umständen in Sicherheit bringen musste. Nun ist es ein Virus, das das öffentliche Leben zum Erliegen bringt.