Wer führt den SWR künftig? Die Rundfunk- und Verwaltungsräte entscheiden sich zwischen Kai Gniffke, Chefredakteur ARD-aktuell, und Landessenderchefin Stefanie Schneider | Foto: SWR/Jürgen Pollak

Fünf hochkarätige Bewerber

Zwei Favoriten für die SWR-Spitze

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Stefanie Schneider und Kai Gniffke sind zur Wahl des SWR-Intendanten vorgeschlagen. Neben der Landessenderchefin und dem Chefredakteur von ARD-aktuell gibt es aber weitere hochkarätige Bewerber.

Die kuriosen Bewerbungen waren schnell aussortiert. Der SWR-Intendant führt 3 750 Angestellte, bestimmt die Ausrichtung der zweitgrößten ARD-Rundfunkanstalt. Es ist die attraktivste offene Stelle in der Medienbranche. Beworben für die Nachfolge von SWR-Chef Peter Boudgoust haben sich auch ein Rechtsanwalt, der mal einen Medienprozess geführt hat oder ein Unternehmer, der eine vierköpfige Abteilung leitet.

Solche Kandidaten hat eine Arbeitsgruppe unter den 14 Bewerbern schnell aussortiert. Zwei sind zur Wahl vorgeschlagen, wie der SWR am Montag mitteilte: Stefanie Schneider und Kai Gniffke. Die Rundfunk- und Verwaltungsräte können sich zwischen der Landessenderchefin und dem Chefredakteur von ARD-aktuell entscheiden. Nach BNN-Informationen gibt es weitere hochkarätige Bewerber: Andreas Cichowicz (Fernseh-Chefredakteur NDR), Clemens Bratzler (stellvertretender Landessenderchef) und Jan Büttner (SWR-Verwaltungsdirektor).

Ein völlig offenes Rennen

Entscheidend ist der 22. März. Dann entscheiden die 74 Rundfunk- und 18 Verwaltungsräte, wer bei der voraussichtlich am 23. Mai stattfinden Wahl wirklich im Rennen ist. Auch wenn die Vorauswahl der zwölfköpfigen Arbeitsgruppe ein klares Signal Richtung Gniffke oder Schneider sendet: Denkbar ist, dass am 22. März gefordert wird, weitere Bewerber wie Cichowicz, Büttner oder Bratzler zur Wahl aufzustellen. Völlig offen ist, wer dann die Nase vorne hätte.

Alle haben sich in den vergangenen Wochen aus der Deckung gewagt und in vertraulichen Gesprächen mit Rundfunk- und Verwaltungsräten ihre Chancen ausgelotet. Immer wieder werden Forderungen nach einer Frau laut, Schneider könnte die erste SWR-Intendantin werden. Die offensiven Forderungen könnten ihr aber auch zum Verhängnis werden – es gibt Gegenstimmen, die betonen, dass nur die Qualität zähle. Das gilt auch für diese Frage: interne Lösung oder externer großer Name?

„Brauchen jemand, der auf den Putz haut“

Schneider und Büttner haben sich innerhalb des Hauses einen Namen gemacht, wohin die externen Gniffke, Cichowicz oder auch Bratzler im Fernsehen auftreten. Mehrere Rundfunkräte betonten gegenüber den BNN aber auch hier: Nicht der Name, sondern die Qualität zählt. In beiden Gremien sind Frauen wie Männer fast ausgeglichen vertreten, es gibt aber mehr Mitglieder aus Baden-Württemberg als aus Rheinland-Pfalz.

In den SWR-Redaktionen ist vor allem der Wunsch nach einem Journalisten an der Spitze groß. „Es braucht Verständnis, dass wir kein Verwaltungsapparat sind“, sagt ein Redakteur. „Sie haben uns teilweise vergessen und wissen nicht, wie Journalisten arbeiten.“ Ein anderer Redakteur betont, bei Vorwürfen von „Staatsfunk“ oder „Zwangsgebühren“ brauchen „wir jemand, der auf den Putz haut und die besseren Argumente hat“.

Eine Überraschung unter den Bewerbern

Ein solcher könnte Gniffke (58) sein, der sich als Zuständiger für die Tagesthemen immer wieder seriös für die Themenauswahl rechtfertigt. Vor allem als Kommentator weltweiter Themen ist Cichowicz (57) Fernsehzuschauern ein Begriff. Er bringt wie auch Gniffke eine Vergangenheit als SWR-Reporter mit.

Dagegen gilt Büttner eher als Verwaltungsfachmann, er war aber auch schon Hörfunk-Redakteur. „Das ist nicht zu unterschätzen“, sagt ein Rundfunkrat. Schneider wirke im Auftreten offener. Ein Satz ist oft über sie zu hören: „Sie weiß, was sie will.“ Die frühere Programmchefin habe eine gute Führung. Bratzler (47) ist die Überraschung unter den Bewerbern. Der Fernsehmoderator ist auch stellvertretender Landessenderchef.

Arbeitskreis wollte nur zwei Kandidaten

Der neue Intendant braucht eine einfache Mehrheit – aber auch jeweils mehr als die Hälfte der Stimmen der baden-württembergischen und rheinland-pfälzischen Mitglieder. Nur zwei Wahlgänge an einem Tag sind laut Staatsvertrag erlaubt. Frühestens nach sechs Wochen darf ein dritter Wahlgang folgen. Die Arbeitsgruppe hat daher bewusst nur zwei Bewerber vorgeschlagen. „Je mehr Kandidaten es gibt, desto schwieriger wird es“, sagt ein Mitglied. Also habe man Schneider als interne Kandidatin, Gniffke als externen Kandidaten vorgeschlagen. „Die Gremien sind aber nicht daran gebunden.“ Der Unterschied zwischen den Bewerbern sei minimal.