LÄDT ZUM FLANIEREN EIN: Der „Deckel“ der neuen Bahnunterführung im Ortskern von Gondelsheim soll die Ortsteile auf beiden Seiten der Schienen miteinander verbinden. Die Kosten für das Bauwerk belaufen sich auf 20,4 Millionen Euro.
LÄDT ZUM FLANIEREN EIN: Der „Deckel“ der neuen Bahnunterführung im Ortskern von Gondelsheim soll die Ortsteile auf beiden Seiten der Schienen miteinander verbinden. Die Kosten für das Bauwerk belaufen sich auf 20,4 Millionen Euro. | Foto: pr

Unendliche Geschichte

2020 läutet Ende des Bahnübergang Gondelsheim ein

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Wenn in der Nacht auf Mittwoch das Jahr 2020 anbricht, markiert das auch den Anfang vom Ende des Gondelsheimer Bahnübergangs. Jahrzehntelang gab es im Ort, aber auch mit dem benachbarten Bretten, Diskussionen darüber, welche Alternative den Bahnübergang ersetzen und den täglichen Staus davor ein Ende setzen könnte. Im Laufe des kommenden Jahres will das Amt für Straßen im Landratsamt das Planfeststellungsverfahren für die neue Bahnunterführung beim Regierungspräsidium Karlsruhe beantragen – und das Tauziehen um den Zankapfel in Gondelsheims Ortskern damit endgültig beenden.

Die Bahn ist Segen, der Bahnübergang Fluch

Die württembergische Staatsbahn hielt Anfang der 1850er Jahre Einzug in Gondelsheim. Wie Aufzeichnungen zeigen, wurden nur wenig später die ersten Klagen über die langen Schließzeiten am Bahnübergang laut: „Landwirte beschwerten sich, sie kämen nicht mehr so einfach zu ihren Feldern. Und ein Arzt, er käme nicht zu seinen Patienten“, berichtet Gondelsheims Bürgermeister Markus Rupp im Gespräch mit den BNN. „Die Bahn ist Segen für Gondelsheim, der Bahnübergang Fluch – zumal sich die Schließzeiten in den vergangenen Jahrzehnten potenziert haben.“

DIE LANGEN SCHLIESSZEITEN am Bahnübergang Gondelsheim sorgen täglich für Staus und manch waghalsiges Manöver.
DIE LANGEN SCHLIESSZEITEN am Bahnübergang Gondelsheim sorgen täglich für Staus und manch waghalsiges Manöver. | Foto: Waidelich

Erste Überlegungen

Erste Überlegungen, das Übel zu entfernen, kamen in den 70er Jahren des vergangenen Jahrhunderts auf. Diskutiert wurde, den Straßenverkehr am heutigen Standort der Saalbachhalle unter den Schienen hindurchzuführen. Doch mit dem Bau der Halle war diese Idee passé.

Eine Brücke über der Gemeinde

In den 80er Jahren trug Markus Rupps Vorgänger Hans-Peter Willy die sogenannten Omega-Lösung ins Landratsamt – eine innerörtliche Lösung ganz ähnlich der, die jetzt kurz vor der Planfeststellung steht. Die übergeordneten Behörden bewerteten sie als technisch nicht machbar und brachten eine Brücke ins Spiel, die Gondelsheim von der Bahnhofstraße bis zum Schlossbuckel oberhalb des Ortes überspannen sollte. „Das wäre eine städtebauliche Katastrophe gewesen“, so Markus Rupp.

Nachbarn liefern sich politische Scharmützel

Stattdessen sorgten zwei außerörtliche Lösungen in den darauffolgenden Jahren für „politische Scharmützel zwischen Gondelsheim und Bretten“, wie sich Rupp erinnert: die Nord- und die Südtrasse. Während sich der Gemeinderat von Gondelsheim bereits 1999 für die Nordumfahrung aussprach, bevorzugte das benachbarte Bretten eine Südumfahrung, mit der sich dessen Stadtteil Neibsheim über eine direkte Anbindung an die Brettener Kernstadt hätte freuen können. „Ich erinnere mich an legendäre Abstimmungen im Kreistag“, sagt Rupp im Gespräch mit den BNN. Beide Varianten hatten eines gemeinsam: Sie hätten einen enormen Flächenverbrauch nach sich gezogen.

 

Grünes Licht für Lösung an Ort und Stelle

Dass das Regierungspräsidium am Ende doch eine Bahnunterführung genehmigen soll, ist auch eng mit dem Amtsantritt von Landrat Christoph Schnaudigel 2007 verknüpft. „Der Bahnübergang in Gondelsheim war eines der ersten Projekte, das man mir damals vorgestellt hat“, erinnert er sich. Knapp ein Jahr später signalisierten die Planer im Landratsamt grünes Licht für eine innerörtliche Lösung. Der Gemeinderat Gondelsheim – wenn auch nicht einstimmig – schloss sich an.

Bürgerentscheid sorgt für klare Verhältnisse

Und doch regte sich Widerstand: Ein außerparteilicher Bürgerverein kämpfte Jahre lang dafür, den Verkehr aus dem Ort zu verbannen. Um klare Verhältnisse zu schaffen, entschied sich der Gemeinderat 2012 für einen Bürgerentscheid: 81 Prozent stimmten für den damals noch vorgesehenen unterirdischen Kreisel. Die Wahlbeteiligung lag bei 56 Prozent.

Silbernes Ei

Im Sommer 2019 schließlich stimmte der Kreistag noch für eine modifizierte Planung: Statt des Kreisels geht eine T-Kreuzung in die Planfeststellung. Ein in der Zwischenzeit eingeführtes Tempolimit von 30 Stundenkilometern im Ort macht den Kreisverkehr unnötig.
Markus Rupp bezeichnet die T-Lösung als „silbernes Ei.“ „Natürlich hätten wir den Verkehr auch gerne aus dem Ort draußen“, sagt der Bürgermeister. Die Beseitigung des Bahnübergangs aber ist in erster Linie eine Frage der Sicherheit, nicht der Verkehrsentlastung.