Blick auf den Zankapfel: Das Umweltministerium will den Rückhalteraum Elisabethenwört mit einem Damm ausstatten, die betroffenen Gemeinden bevorzugen einen gesteuerten Polder.
Blick auf den Zankapfel: Das Umweltministerium will den Rückhalteraum Elisabethenwört mit einem Damm ausstatten, die betroffenen Gemeinden bevorzugen einen gesteuerten Polder. | Foto: Regierungspräsidium Karlsruhe

Rückhalteraum Elisabethenwört

Andrea Schwarz bezieht Position

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Die Diskussion um den Rückhalteraum „Elisabethenwört“ zwischen Dettenheim und Philippsburg geht in eine neue Runde: Das Regierungspräsidium Karlsruhe hat für kommenden Donnerstag zu einer Informationsveranstaltung eingeladen, auf der Regierungspräsidentin Nicolette Kressl und das Planungsteam den aktuellen Stand des Projekts erläutern wollen. Weil die Fronten seit geraumer Zeit verhärtet sind, ist wieder mit kritischen Stimmen aus den Gemeinden zu rechnen.

90 Millionen für den Damm

Wie berichtet hatte das Landesumweltministerium vor fast einem Jahr entschieden, für den Rückhalteraum im Naturschutzgebiet Elisabethenwört mit der „kleinen Dammrückverlegung“ ins Planfeststellungsverfahren zu gehen – auch weil sie mit 90 Millionen Euro rund 30 Millionen Euro günstiger ist als ein Polder. Die Gemeinden Dettenheim und Philippsburg, zwei dort beheimatete Bürgerinitiativen und der Projektbegleitkreis fühlten sich überfahren. Nicht nur hatten sie sich auf den damaligen Termin mit Unterlagen vorbereitet, denen zufolge drei Varianten – der „kleine Polder“, die „kleine Dammrückverlegung“ und eine Kombilösung – „vertieft untersucht werden“ sollten. Mit der Dammrückverlegung hat sich das Ministerium außerdem für jene Variante entschieden, die man in Dettenheim und Philippsburg ablehnt.

Hauptargument ist, dass die Dammrückverlegung das Hochwasserschutzziel zwar erreicht, aber nicht so gut abschneidet wie Polder oder Kombilösung. Viele Anwohner befürchten außerdem, dass das Gebiet durch die ungesteuerten Flutungen kontinuierlich vernässt und sie mit feuchten Kellern leben müssen. Sie fürchten eine Schnakenplage und dass das Hochwasser Müll und Chemikalien ins Naturschutzgebiet schwemmt. Der Stadtwald Philippsburg würde sich kontinuierlich zum Auenwald entwickeln und Landwirte könnten ihre Flächen auf Elisabethenwört nicht länger bewirtschaften. Aus all diesen Gründen plädieren Dettenheims Bürgermeisterin Ute Göbelbecker und ihr Amtskollege in Philippsburg, Stefan Martus, für einen gesteuerten Polder, der nur notfalls geflutet werden soll.

Mit falschen Tatsachen polarisiert

Dass das keine Alternative sein kann, stellt Andrea Schwarz (Foto: pr), zuständige Abgeordnete der Grünen, in einem Pressegespräch mit den BNN klar: „Ökologische Flutungen sind vom Naturschutzgesetz vorgeschrieben. Die Natur soll sich ja langsam umstellen können. Würde ein Polder nur im Notfall geflutet, wären Flora und Fauna darauf überhaupt nicht eingestellt. Da würden Pflanzen zerstört und Tiere müssten sterben“, so Schwarz. „Ein Ziel des Integrierten Rheinprogramms ist eben auch die Renaturierung der Auen.“ Ausnahmen könne es nur geben, wenn der Rückhalteraum zu 100 Prozent aus landwirtschaftlichen Flächen besteht. „Das ist auf Elisabethenwört nicht gegeben“, sagt die Abgeordnete. „Dort würde also auch ein Polder Veränderungen mit sich bringen Es ärgert mich, dass Frau Göbelbecker und Herr Martus mit falschen Tatsachen polarisieren. Ein Bürgermeister muss doch am sozialen Frieden interessiert sein.“

Die Bürger haben viel erreicht

Schwarz versteht nicht, wieso die Damm-Gegner die Entscheidung für die „kleine Dammrückverlegung“ nicht als Erfolg der Bürgerbeteiligung bewerten. Es sei der Verdienst der Zivilgesellschaft, dass die großen Varianten, die auch den Altrheinarm ins Überflutungsgebiet integriert hätten, ad acta gelegt wurden. Sie betont aber auch, dass das Umweltministerium unglücklich agiert hat. „Man hätte bis zum Schluss transparent bleiben müssen“, sagt sie.

Stefan Martus wollte sich mit Blick auf die Infoveranstaltung zum jetzigen Zeitpunkt nicht zu Schwarz’ Aussagen äußern. Ute Göbelbecker und die BI „Rußheimer Altrhein“ waren bis Redaktionsschluss nicht zu erreichen.

 

Polder
Es gibt gesteuerte und ungesteuerte Polder. Der ungesteuerte Polder läuft voll, wenn die Hochwasserwelle die Höhe des Damms überschreitet. Das kann zu einer deutlichen Absenkung der Hochwasserspitze beitragen.
Beim gesteuerten Polder wird die Entlastung mittels Einlauf- und Auslassbauwerken so gestaltet, dass man die Hochwasserwelle auf einem sehr hohen oder dem höchsten Punkt „erwischt“. Dafür bedarf es allerdings genauer Hochwasservorhersagen.

Dammrückverlegung
Dieses Konzept soll bei „Elisabethenwört“ angewandt werden. Durch eine Dammrückverlegung stehen dem Rhein wieder natürliche Überflutungsflächen zur Verfügung. Er kann dort ungehindert über seine Ufer treten. Mit steigendem Wasserstand im Rhein fließt zunehmend Wasser ins Gelände und läuft zeitlich verzögert wieder zurück in den Rhein. Dammrückverlegung heißt: den Damm direkt am Fluss abbrechen und als Begrenzung des Überflutungsgebietes wieder aufbauen.