EIN BEISPIEL FÜR TOLERANZ UND INTEGRATION haben Schüler aus Pfinztal, Stutensee und Karlsruhe mit dem Projekt „Refugees Welcome“ gesetzt. Jetzt erhielten sie Preis und Anerkennung der Ludwig-Marum-Stiftung (vorne von links Bürgermeisterin Nicola Bodner, die Preisträger Nico Lange und Kai Vorberg sowie Andrée Fischer Marum). | Foto: Klaus Müller

Ludwig-Marum-Stiftung Pfinztal

Anerkennung für ein Integrationsprojekt

Von unserem Mitarbeiter Klaus Müller

Menschen treffen wollten sie, das, was sie sahen, mit der Kamera festhalten. Daraus wurde ein besonderes Projekt, das zu Tausenden anderer weltweiter Projekte zählt, die für Integration, Toleranz und für eine offene Gesellschaft werben. Das Vorhaben „Refugees Welcome“ („Flüchtlinge willkommen“), in dessen Mittelpunkt Großportraits von Menschen unterschiedlicher Herkunft mit ihren Lebensgeschichten stehen, initiierten und realisierten am Ludwig-Marum-Gymnasium in Berghausen (LMG) Kai Vorberg und Nico Lange. Dafür erhielten sie nun den Preis der Ludwig-Marum-Stiftung. Anerkennungen, eine weitere Form der Preisverleihung, bekamen ihre Mitstreiter Konstantin Weindel und Jana Kessel vom Max-Planck-Gymnasium Karlsruhe, Kira Hartfelder vom Thomas-Mann-Gymnasium Stutensee sowie Sina Krämer, Steffen Fuchs und Pauline Vorberg vom Ludwig-Marum-Gymnasium.

Gedenkstunde für Opfer des Nationalsozialismus

Die Preisübergabe, samt Gedenkstunde, ist eng verbunden mit dem „Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus“, den, erinnerte LMG-Schulleiterin Elke Engelmann, 1996 Bundespräsident Roman Herzog zu einem offiziellen Gedenktag ausgerufen hat. Die Erinnerung, so die Intention damals wie heute, an die Schrecken, an die unzähligen Morde des Naziregimes dürfe nicht enden. Für ein „friedliches und respektvolles Miteinander“ – dies werde auch in Pfinztal versucht – sprach sich Bürgermeisterin Nicola Bodner aus.

Zerstörungswut von Chaoten aus der rechten Szene

Dass es bei allen guten Wünschen nach wie vor – vorsichtig ausgedrückt – Diskrepanzen in der Wahrnehmung und Einschätzung der Flüchtlingsthematik gibt, zeigte sich auch in Pfinztal. Allem Anschein nach zerstörten Chaoten aus dem rechten Spektrum Teile der Kunstinstallation, die eigentlich „nur“ für die Werte Toleranz, Integration und eine offene Gesellschaft“ werben wollte.

Verwundert über „Nicht-Reaktionen“

Etwas verwundert reagierte Andrée Fischer-Marum auf die Reaktionen – oder wohl besser „Nicht-Reaktionen“ – der Pfinztaler Öffentlichkeit. Sinngemäß plädierte die Enkelin von Ludwig Marum,  von ihrer nach Paris geflüchteten Mutter 1941 geboren, dafür, dass sich die Gesellschaft stärker gegen jede Form von rechter Gewalt wehren müsse. Ihr Großvater, ein Jude, der sich unter anderem für soziale Gerechtigkeit einsetzte, wurde im Konzentrationslager Kislau (unweit von Bruchsal) ermordet.

Erinnerungsarbeit ernst nehmen

Den Gedankengang griff Parsa Marvi, Kreisvorsitzender der SPD Karlsruhe, in seiner Gedenkrede auf: „Wir müssen die Erinnerungsarbeit ernst nehmen. Auch deswegen, weil wir in Zeiten leben, die nachdenklich machen. Wir müssen uns gegen die Anfänge von Demokratiefeindlichkeit wehren.“ Eine Einschätzung, die nicht zuletzt in Richtung Björn Höcke und andere AfD-Politiker zielte. Mehr Schüler, mehr junge Menschen müssten zum Mitmachen angehalten werden, damit die Politik nicht allein „Männern über 60“ überlassen werde, befanden die Laudatorinnen und Lehrerinnen, Kerstin Burst und Michaela Lau. Und schließlich hoben Kay Vorberg und Nico Lange einen wichtigen Aspekt des Projekts hervor: „Viele waren daran beteiligt.“

Musikalisch begleiteten Fabian Gadelmeier (Flügel), Eva und Julia Gäßler und Isabell Popp (Gesang) die Gedenkstunde.