Gleich mehrere wichtige Puzzleteile steuerte ein Zeuge zum Gesamtbild bei, um das seit vier Wochen beim Mordprozess vor dem Karlsruher Landgericht gerungen wird | Foto: pr

Video vom Feuerteufel

Angeklagter im Oberderdinger Mordprozess durch Zeuge belastet 

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Gleich mehrere wichtige Puzzleteile steuerte ein Zeuge zum Gesamtbild bei, um das seit vier Wochen beim Mordprozess vor dem Karlsruher Landgericht gerungen wird. Auf der Anklagebank sitzt ein 24-jähriger Altenpfleger, der am Fronleichnamstag 2018 im Oberderdinger Seniorenheim Haus Edelberg Feuer gelegt haben soll. Dabei kam eine 82-jährige Heimbewohnerin ums Leben.

Rund 30 Zeugen sind bislang gehört worden, der Angeklagte indes schweigt. Jetzt hatte sich nach dem Prozessauftakt ein weiterer Zeuge gemeldet, dessen Angaben den Angeklagten weiter belasten. Man traf sich hin und wieder, erzählte der Zeuge, der wie der Angeklagte im Haus Edelberg die Ausbildung zum Altenpfleger macht. Der Angeklagte habe nie viel von sich, aber viel von der Feuerwehr und dem DRK erzählt, dass er gerne helfe und dass ihn das reize, weil da immer so ein Kick dabei sei“. Am Tag vor dem Brand habe der Angeklagte ihm erzählt, dass er am Vortag ein Feuer gelöscht habe, einen kleinen Scheunenbrand. Und dass er es cool fände, mal ein größeres Feuer zu löschen und dann Menschen zu retten. Dann würde er viel besser dastehen bei den Teamkollegen von der Feuerwehr. Auf seinen Einwand, dass er es nicht cool finde, wenn Leute zu Schaden kommen, hätte der Angeklagte nur gesagt „Ansichtssache“ und gegrinst.

Video vom Feuerteufel?

„Mir kam das komisch vor“, bekundete der Zeuge, der noch eine zweite merkwürdige Begebenheit schilderte. Der Angeklagte habe ihm auf seinem Handy ein Video gezeigt, auf dem ein Vermummter nachts mit einem Kanister in der rechten Hand auf einem Feld nervös hin und her läuft. Das sei der Oberderdinger Feuerteufel, habe der Angeklagte ihm gesagt und erleichtert gewirkt, als er hörte, dass sein Gegenüber auf dem Bild niemanden erkennen könne. „Es war zu 100 Prozent ein Video und ein schwarzes Handy der Marke Samsung Galaxy Note 3“, erklärte der Zeuge auf wiederholte Nachfrage unmissverständlich. Er wisse das so genau, weil er selbst genau dieses Handy schon selbst besessen habe. Und es sei zu 100 Prozent ein Video gewesen und kein Bild, denn er erinnere sich noch genau an das Playzeichen. Und es sei kein Selfie gewesen, erklärte er nach der Verhandlung auf Nachfrage. Das Handy ist jedoch bislang nirgendwo aufgetaucht.

„Er machte sich Vorwürfe“

Weitere Merkwürdigkeiten förderte die Zeugenbefragung zutage: Wenige Tage nach dem Brand hätte ihm der Angeklagte gesagt, er wolle etwas mit ihm besprechen. Am Abend hätten sie sich dann im Café Juwel in Oberderdingen getroffen. Der Angeklagte habe ihm erzählt, dass er eine halbe Stunde vor dem Brandalarm im Flur B einen Putzmann mit blauem Overall gesehen habe. Dann habe er den Rauch bemerkt, die Tür zum Brandzimmer geöffnet und gesehen, dass bereits alles verqualmt war. Dann habe er die Tür wieder geschlossen und sei losgelaufen, um einen Feuerlöscher zu holen. „Er machte sich Vorwürfe, dass er die Frau nicht gleich aus dem Zimmer geholt hat“, berichtete der Altenpfleger. Der Angeklagte habe auch die Vermutung ausgesprochen, dass es sich um Brandstiftung handle, denn er habe Spiritus gerochen. „Ich solle das mit der Brandstiftung aber für mich behalten“, habe der Angeklagte gesagt. Schließlich habe der ihm noch Tarnkleidung – eine Jacke und eine Hose – andrehen wollen. Er müsse das dringend loswerden, damit es nicht in falsche Hände gerät, habe der Angeklagte ihm gesagt.

„Das war alles sehr komisch“

„Das war alles sehr komisch“, erinnert sich der Zeuge. Auch dass der Angeklagte es abgelehnt habe, per WhatsApp zu kommunizieren. „Das könne von der Polizei abgehört werden“, habe er erklärt. Warum er erst so spät zur Polizei gegangen sei, wollte der Richter wissen. Er wollte zunächst nichts mit Polizei und Gericht zu tun haben, gab der junge Mann zur Antwort. Doch dann habe ihn seine Arbeitskollegin, mit der er über vieles gesprochen habe, gedrängt, eine Aussage bei der Polizei zu machen. Schließlich kam in der Befragung vor dem Amtsgericht auch die Rede auf den Zeugen, der über das Haus Edelberg sehr gelästert und bedauert hatte, dass es nicht ganz abgefackelt sei. „Das ist ein Dummbabbler, der schwätzt viel und macht nichts“, so der Eindruck des jungen Mannes über den Zeugen, der am Dienstag im Gericht einen denkwürdigen Auftritt hatte. Termin Die Verhandlung am Landgericht Karlsruhe wird am Mittwoch, 13. Februar, um 9 Uhr fortgesetzt. Geladen ist zum zweiten Mal ein Gutachter des Landeskriminalamts.