Eine Antragsflut für den Kleinen Waffenschein, der das Führen einer Schreckschusswaffe in der Öffentlichkeit erlaubt, registrierte das Ordnungsamt im Brettener Rathaus im vorigen Jahr. | Foto: dpa

Kleiner Waffenschein gefragt

Antragsflut in Bretten für Schreckschusswaffe

 

Zuvor war es anders. Vor der Silvesternacht 2015/2016 in Köln mit sexuellen Übergriffen auf Frauen, vor Amokläufen und Terroranschlägen. Bei vielen Menschen haben derartige Nachrichten ein diffuses Gefühl hervorgerufen. Ist man noch überall sicher? In Bretten lassen sich die Polizeimeldungen anders deuten. Es geschehen wenige Gewaltdelikte und Angriffe auf unbedarfte Menschen. Trotzdem: Die Anzahl der Menschen wächst in Bretten wie andernorts, die sich schützen wollen und darüber nachdenken, sich zum Selbstschutz zu bewaffnen.

61 Anträge für Kleinen Waffenschein

Davor steht der Gang zum Ordnungsamt. Dort nimmt man Anträge für einen so genannten Kleinen Waffenschein entgegen. 2015 waren es fünf Anträge für einen Kleinen Waffenschein. 2016 folgte eine wahre Antragsflut. 61 solche Eingaben erreichten im vergangenen Jahr die Behörde im Brettener Rathaus.
Derzeit besitzen rund 140 Personen in Bretten einen Kleinen Waffenschein, der beispielsweise zum Führen einer Schreckschuss- oder Signalwaffe im öffentlichen Raum berechtigt.

Erlaubnis für Schreckschuss- oder Signalwaffe

Um einen Kleinen Waffenschein zu erhalten, gilt es für den Antragsteller, zunächst einige formale Hürden zu nehmen. Das Mindestalter ist 18 Jahre und die Person muss voll geschäftsfähig sein. „Personen, die beispielsweise psychisch krank, alkohol- oder drogenabhängig oder strafrechtlich in Erscheinung getreten sind, werden als Bewerber abgelehnt“, teilt das Ordnungsamt auf Anfrage der Brettener Nachrichten mit. Liegt der Antrag vor, beginnt die Bearbeitung. Von Bundeszentralregister und Polizei holt man während der zwei- bis dreimonatigen Verfahrensdauer Auskünfte zur Person ein.

Auskünfte von Bundeszentralregister und Polizei

Bleibt die Überprüfung ohne Beanstandungen, steht der Ausgabe nichts im Wege. Lediglich die anfallenden Gebühren sind zu bezahlen. 41 Euro kostet das Dokument.
Mit einiger Sorge registriert die Polizei die steigende Popularität des Kleinen Waffenscheins. „Ich sehe das sehr kritisch, weil es zum einen zeigt, dass die Verunsicherung in der Bevölkerung größer geworden ist und dass die Kriminalitätsfurcht momentan offenbar zunimmt. Es zeigt aber auch, dass immer mehr Menschen fälschlicherweise glauben, sich mit Waffen schützen zu müssen oder schützen zu können“, sagt der Brettener Polizeirevierleiter Bernhard Brenner. In einer Situation, in der man sich eines Angreifers erwehren müsste, würde eine Schreckschusswaffe objektiv nicht wirklich helfen, so Brenners Kalkül. Im Gegenteil. Es könnte zu einer Gewalteskalation führen, bei der der Angreifer zu noch härteren Mitteln greifen könnte.

Risiko für Polizeibeamte

Das macht die Arbeit der Polizei nicht einfacher. Auch ein Gegenüber mit einer Schreckschusswaffe stellt zunächst ein Sicherheitsrisiko für die Beamten dar. Die Frage für hinzukommende Polizisten ist: Wer ist Opfer und wer ist Täter? Brenner kennt solche Fälle. „Schreckschusswaffen sind auf den ersten Blick oft nicht von scharfen Schusswaffen zu unterscheiden.“ Polizeibeamte könnten sich dann in einer Notwehrsituation fühlen und machen von der Schusswaffe Gebrauch, weil sie annehmen mussten, mit einer echten Waffe angegriffen zu werden.

Polizeichef: Pfefferspray keine  Alternative

Pfefferspray als Alternative? Revierchef Brenner hält davon nichts. „Auch hier gilt, dass man mit dem Einsatz eines Pfeffersprays eher zur weiteren Eskalation beiträgt. Die Wahrscheinlichkeit, dass man selbst etwas abbekommt und handlungsunfähig wird, ist nicht zu unterschätzen.“ Seine Empfehlung in Konfliktsituationen ist: laut werden, um auf sich aufmerksam zu machen und die Polizei unter dem Notruf 110 verständigen.