Morgens wacht er mit einer Idee auf: Der Brettener Künstler Willi Gilli erzählt BNN-Lesern bei einem Atelierbesuch, wie seine Kunstwerke entstehen. | Foto: Ebert

Faible für die Kugel

Atelierbesuch beim Brettener Künstler Willi Gilli

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„Ich wache morgens mit einer Idee auf“, antwortet Willi Gilli auf die Frage, woher die Inspiration für seine Arbeiten stammt. Dabei hat der Brettener Künstler nach eigenem Bekunden allerdings nichts Gegenständliches im Kopf und schon gar keine Menschen. „Eigentlich sind es Räume, ein Szenario, eine Komposition, und dann lasse ich mich auf ein Spiel ein und lasse mich in die Geschichte hineinziehen“, versucht er zu beschreiben, was in ihm vorgeht, wenn er eine Arbeit beginnt. Und bricht dann ab. „Ich kann es Ihnen nicht sagen“, lautet die finale Antwort auf die Frage nach dem Inspirationsprozess. Skizzen für seine Arbeiten fertigt Gilli jedenfalls nicht, es geht gleich mit der Farbe auf die Leinwand.

Farben rührt Gilli selbst an

Seine Farben rührt er alle selber an. Im Schubladenschrank lagern die Pigmente in allen Farben, allesamt hochwertige Materialien mit einem vierstelligen Kilopreis. Sie müssen aufgelöst und mit verschiedenen Bindemitteln verrührt werden, bis sie die richtige Konsistenz besitzen. Dann kann es losgehen.
„Ich mische die Farben erst auf dem Bild“, bekundet der Meister, der die Tempera-Technik bevorzugt.

Mitunter 60 und mehr Farbschichten trägt er auf, anders sei gewünschte Tiefe und Intensität nicht zu erreichen. „Temperafarben trocknen im Gegensatz zu Ölfarben relativ schnell, man kann sie innerhalb von 24 Stunden übermalen“, erklärt Gilli. Leerlauf hat er in der Zwischenzeit nicht, denn er arbeitet immer an etlichen Arbeiten parallel. „Ich experimentiere gerne“ sagt er, und sei auch immer wieder überrascht von dem, was dabei herauskommt: „Da entstehen Sachen, die ich so nicht erwartet habe“.

Kugel gilt als ideale Form

„Wie kommen Sie immer auf die Bälle“, will eine Teilnehmerin wissen. „Die Kugel gilt ja als ideale Form“, erläutert Gilli sein Faible für das Runde. Im Bild können man die Kugel – anders als einen Würfel – leicht zum Fliegen bringen. Außerdem strahle sie eine besondere Dynamik aus – ohne Anfang und Ende. Und wann ist ein Bild fertig? „Das sagt mir das Bild, da spüre ich, jetzt gibt es nichts mehr zu tun“, sagt Gilli. Und wenn man das Bild drehen kann, dann stimme die Komposition, ein Oben oder Unten gibt es bei ihm nicht. Auch keine Signaturen. Denn die stören nur. Und für manche Leute seien die Signaturen wichtiger als das Bild, kritisiert er einen grassierenden Hype auf dem Kunstmarkt. Einen Titel gibt er seinen Bildern gleichwohl. Der soll die Fantasie des Betrachters anregen. „Was Sie in einem Bild sehen, ist ihre Sache“, gibt er seine Arbeiten für je eigene Interpretationen und Assoziationen frei.

Holografische Wirkung

Im Atelier betrachten die Besucher die zahlreichen ausgestellten Arbeiten, begutachten die vielen Farbtöpfe und Malutensilien und bestaunen die Farbpigmente im Schubladenschrank. Dann geht es weiter in den zweiten Atelierraum. Hier gibt es Glasskulpturen zu sehen – allesamt Unikate. „Hier sind vier Gläser zu einer Skulptur verbunden, alle bemalt und nach dem Einbrennen laminiert“, erläutert Gilli eine aktuelle Arbeit. So entstünde die holografische Wirkung, die je nach Lichteinfall anders wirkt.

Ein weiteres Arbeitsfeld des Brettener Künstlers sind Holzschnitte. Mit bis zu elf Farben stellt er sie her, für jede Farbe braucht er einen Druckstock. „Das ist eine immense Arbeit, pro Farbe brauche ich für einen Holzschnitt einen Tag“, sagt Gilli, der nur kleine Auflagen fertigt. Seine Arbeiten vermarktet der Brettener über Messen und Galerien, viele Arbeiten sind Aufträge, wie etwa die Deckenbemalung in der Brettener Stiftskirche.