HEIZELEMENTE FÜR SPÜLMASCHINEN: Die E.G.O. baut die zukunftsträchtige Dickschichtfertigung am Standort Oberderdingen massiv aus. E.G.O. erlöst mit Dickschicht-Produkten fast 21 Millionen Euro, ist hier der weltweit führende Serienanbieter. | Foto: PR

Oberderdinger Zulieferer

Auch künftig kein „E.G.O. inside“

Das meterhohe Männchen „Pepper“ blickt einem in der Halle V 31 des Oberderdinger E.G.O.-Werks 2 mit seinen Kulleraugen an und reicht die Hand. „Ich spreche Deutsch und Englisch“, plaudert der Robo-Knirps, „und habe im Research-Bereich von E.G.O. mein neues Zuhause gefunden.“ Dann lädt Pepper die Wirtschaftsjournalisten  zum Schlendern durch die Fabrikhalle ein, die E.G.O. temporär so eingerichtet hat, wie zuletzt seine parallel zur IFA organisierte Hausmesse in Berlin. Bei den historischen Meilensteinen glänzen E.G.O-Kochplatten auf einem Uralt-Herd aus dem Jahr 1931, Rohrheizkörper, Energieregler, Strahlungsheizkörper, Touch-Control und Induktionsspulen folgen. Es gibt kaum einen Hausgeräte-Hersteller weltweit, der keine Komponenten des Oberderdinger Familienunternehmens einbaut.

E.G.O. hat Marketing zur Mitarbeitergewinnung forciert

Dieses hat zuletzt massiv für sich geworben. Ein Aufkleber „E.G.O. inside“ auf Hausgeräten, analog zu „intel inside bei Computern, soll es aber auch künftig nicht geben, so E.G.O.-Chef Johannes Haupt. Das Marketing gelte vielmehr der Mitarbeitergewinnung und -pflege.
Knapp drei Prozent Wachstum hatte Haupt für 2016 angekündigt. Letztlich sind es 2,1 Prozent geworden. Auch mit dem Umsatz von 606 Millionen Euro habe man einen neuen Rekord erzielt. Zum Ergebnis nennt das Unternehmen traditionell keinen Wert, nur so viel: „Wir waren im ersten Quartal dieses Jahres schuldenfrei.“ Das Wachstum – geplant sind rund fünf Prozent – soll auch 2017 weitergehen. Dabei will sich E.G.O. auf sein Hauptgeschäft in der Hausgeräte-Industrie konzentrieren, die Digitalisierung und weitere Internationalisierung ausbauen. Vor allem im asiatischen Raum und in Amerika sieht Haupt noch viele Chancen.

Neue Zentrale für Oberderdingen

Umgekrempelt wird bekanntlich der Stammsitz Oberderdingen: Die Rohrheizkörper-Fertigung ist geschlossen, die Stanzerei wird es noch. 269 Vollzeitstellen wurden abgebaut, ohne betriebsbedingte Kündigungen, wie Haupt und der technische Geschäftsführer Karlheinz Hörsting betonen. Auf den Standort setze man auch künftig. Zwei dazu passende Projekte nennen die Manager: Zum einen wird die Halle, in der die E.G.O-Zeitreise präsentiert wird, ab Montag umgebaut. Dort zieht die wachstumsträchtige Dickschicht-Fertigung ein. Dabei handelt es sich um isolierte Heizungen, wie sie vor allem in Geschirrspülern zum Einsatz kommen. Zum anderen bauen die Oberderdinger bis 2019 „für einen zweistelligen Millionenbetrag“ eine neue Zentrale für E.G.O und die Familienholding, die noch erweiterbar ist.

Nichts Neues von der Staatsanwaltschaft

Das hört sich alles gut an, hätte da nicht die Staatsanwaltschaft der E.G.O. am 15. Juni 2016 einen Überraschungsbesuch abgestattet. Offenbar geht es um den Verdacht der Steuerhinterziehung. „Die Ermittlungen laufen“, so dazu eine Sprecherin der zuständigen Mannheimer Staatsanwaltschaft auf BNN-Anfrage. Haupt hingegen sagt, er habe die Auskunft bekommen, man werde sich bis Ende 2017 mit dem Material nicht beschäftigen. Er wünsche sich eine schnellere Bearbeitung, zumal er inhaltlich sagt: „Wir sind da relativ selbstbewusst, nichts falsch gemacht zu haben.“
E.G.O. blickt jedenfalls in die Zukunft, wie auch die Ausstellung mit Projekten in der Fabrikhalle zeigt: Da entdecken Sensoren rote Socken in der weißen Wäsche und schlagen Alarm. Der Induktionsherd setzt das Kochrezept via Tablet um und die Spülmaschine meldet dem Servicetechniker Fehlermeldungen.