Gefährliches Gedränge herrscht Tag für Tag um die Mittagszeit am Bahnsteig Bretten Schulzentrum, wenn mehr als 300 Schüler auf die Stadtbahnen warten, die sie nach Hause bringen. | Foto: Hansjörg Ebert

Gefahrenstelle wird entschärft

AVG will Bahnsteig am Schulzentrum Bretten verbreitern

Es tut sich etwas in Sachen Stadtbahnhaltestelle Schulzentrum. Der Bericht Gefährliches Gedränge am Bahnsteig  in den Brettener Nachrichten hat ein seit Jahren schwelendes Thema ins Bewusstsein gerückt und die Verantwortlichen aufgerüttelt. Zumindest mittelfristig zeichnet sich eine Lösung ab: Im Zuge des für 2019 geplanten barrierefreien Ausbaus des Bahnsteigs soll auch eine Verbreiterung des ziemlich langen, aber überaus schmalen Wartebereichs am Gleis erfolgen. Damit wäre auch von baulicher Seite die enge Gefahrenstelle ein gutes Stück entschärft.

Gefährlicher Bahnsteig

Von Elternseite wird die Situation am Bahnsteig Schulzentrum schon lange als baulich unzureichend und gefährlich bewertet. Als besonders ärgerlich empfindet man den Umstand, dass Elternvertreter schon anno 2004 auf den Missstand hingewiesen und eine Verbreiterung gefordert haben. Doch die AVG habe diesen Antrag abgelehnt. „Die Eltern erwarten keine Wunder, aber nach über zehn Jahren eine Beseitigung der Gefahrenstelle“, bekundet ein betroffener Familienvater, der sich überdies darüber ärgert, dass vonseiten der AVG versucht werde, den Schülern den Schwarzen Peter für die problematische Situation zuzuschieben.

Schulen erwarten Lösung

„Das Thema ist seit 2004 bekannt, die Schulen haben von der AVG gefordert, eine sichere Haltestelle zu schaffen“, bekundet Martin Knecht, Schulleiter der Max-Planck-Realschule und Geschäftsführender Rektor der Brettener Schulen. Doch die AVG habe sich nicht bewegt. Schon damals hätten die Schulen mit einem riesigen Aufwand versucht, die Schülerströme durch unterschiedliche Schulanfangszeiten zu entzerren. Doch dies habe nicht funktioniert, weil für die Belegung der Sporthallen und die Taktung des Bustransfers gleiche Anfangszeiten erforderlich sind.

Bahnsteig soll verbreitert werden

„Die Situation hat sich bis heute nicht geändert, die Schülerzahlen werden nicht kleiner“, betont Knecht. Mehr als 300 Schüler drängten Tag für Tag gegen 13 Uhr auf den schmalen Bahnsteig. Man habe die Prävention im Unterricht und mit Begehungen des Bahnsteigs verstärkt. Doch die einzige wirkliche Lösung sei eine Verbreiterung des Bahnsteigs, bekundet der Schulleiter, der sich auch von kursierenden Zahlen nicht abschrecken lassen will. „Und wenn es eine Million kostet – jedes Menschenleben ist wertvoller“, erklärt Knecht, der allerdings auch die Zwischenlösungen begrüßt, die derzeit umgesetzt werden.

Problem der Schüler?

Vom Landratsamt Karlsruhe ist zu erfahren, dass für bauliche Veränderungen an den Haltepunkten die AVG als Infrastrukturbetreiber zuständig sei. Wenn Maßnahmen zur Sicherheit der Reisenden notwendig sein sollten, entscheide dies die AVG. Im Übrigen verweist die Pressestelle des Landkreises auf eine Stellungnahme der AVG, die das Problem weniger in der baulichen Situation, als vielmehr im Fehlverhalten der Schüler sieht. Eine ähnliche Argumentation eines KVV-Vertreters hatte vor kurzem bereits die Eltern bei einem Informationsabend am Edith-Stein-Gymnasium auf die Palme gebracht.

AVG lenkt ein

Mittlerweile klingt die Haltung der AVG etwas anders: „Wie nehmen die Sorgen der Eltern um die Sicherheit ihrer Kinder selbstverständlich sehr ernst, auch wenn der Bahnsteig am Schulzentrum Bretten den gesetzlichen Vorgaben entspricht“, bekundet AVG-Pressesprecher Nicolas Lutterbach. Dennoch bewerte auch die AVG die Ausgestaltung der Verkehrsflächen für die großen Schülerverkehre als „nicht optimal“. Man habe deshalb zahlreiche Sofortmaßnahmen angeschoben und teils auch schon umgesetzt: ein Qualitätsrevisor vor Ort, Sicherheitstraining für Schüler, den zeitnahen Bau einer zusätzlichen Wartehalle sowie die Verlegung des Halteplatzes für einfahrende Bahnen, um die Gesamtlänge des Bahnsteigs besser zu nutzen. Auch Streifengänge der Polizei und eine Videoüberwachung sollen die Situation verbessern.
Dringlichkeit bekannt

Dringlichkeit bekannt

Seit das Thema wieder auf der Tagesordnung steht, hat sich Bürgermeister Michael Nöltner um Lösungswege bemüht und etliche Gespräche geführt. Das Anliegen sei klar, es gehe darum, die Sicherheit auf dem Bahnsteig zu verbessern. Die Videoüberwachung sei gut, ebenso die Präventionsbemühungen der Schulen, der AVG und der Polizei. Doch darüber hinaus gelte es zu erreichen, dass der Bahnsteig beim Schulzentrum so schnell wie möglich barrierefrei ausgebaut und verbreitert wird, auch wenn man dafür einige hunderttausend Euro in die Hand nehmen müsse.
„Die Dringlichkeit ist auch bei der AVG bekannt, man ist bereit, eine Verbreiterung zu planen um umzusetzen, auch wenn dies aufgrund der Handlage kompliziert und teuer ist“, erklärte Brettens Stadtplaner Ulrich Braun, der mit der AVG im Gespräch war.