Überlebenswichtig: Das Gesundheitsamt der Kreisverwaltung ist für die Überprüfung der Trinkwasserqualität zuständig.
Überlebenswichtig: Das Gesundheitsamt der Kreisverwaltung ist für die Überprüfung der Trinkwasserqualität zuständig. | Foto: dpa

Trinkwasserkontrollen

Bakterien machen die Arbeit spannend

Die gute Nachricht vorweg: Das Trinkwasser im Landkreis ist qualitativ so hochwertig, dass nur ein geringer Teil davon überhaupt aufbereitet werden muss. Dennoch seien Verunreinigungen nicht immer gänzlich zu vermeiden, sagt Ulrich Wagner, Leiter der Abteilung Gesundheitsschutz im für die Trinkwasserkontrolle zuständigen Gesundheitsamt.
Am Dienstag hatte die Staatsanwaltschaft in Baden-Baden bekannt gegeben, dass sie das Verfahren wegen der Verunreinigung des Grundwassers mit PFC in der Region Baden-Baden/Rastatt eingestellt hat (wir berichteten). Durch die Chemikalien war das Trinkwasser des Wasserwerks Rastatt und mehrerer Privatbrunnen im vorderen Murgtal, in Bühl, Hügelsheim und Baden-Baden belastet worden. Dabei gehört Trinkwasser zu den am besten überwachten Lebensmitteln – auch im Landkreis Karlsruhe.

Große und kleine Anlagen werden regelmäßig untersucht

In regelmäßigen Abständen müssen öffentliche Wasserversorger wie die Stadtwerke in Bruchsal und Ettlingen, aber auch Betreiber kleiner Anlagen wie beispielsweise zu Mehrfamilienhäusern gehörende Brunnen Proben ziehen. „Dabei handelt es sich zum Beispiel um abgelegene Häuser, die nur unter größtem Aufwand an das öffentliche Wassernetz angeschlossen hätten werden können“, sagt Wagner. Heute käme so etwas nur noch selten vor. Im Gegenteil: Nach und nach werden auch diese Immobilien an das Wassernetz angeschlossen. Bei den großen Wasserversorgern ziehen die Mitarbeiter die Wasserproben, Privatpersonen müssen ein akkreditiertes Labor beauftragen – genau wie die Betreiber von zum Beispiel Krankenhäusern, Altenheimen oder großen Firmengebäuden.

Grenzwertüberschreitungen sind an der Tagesordnung

Die Wasserbestandteile, die untersucht würden, fielen in zwei Bereiche, sagt Wagner: In die Mikrobiologie und die Chemie. Wobei Erstere der eindeutig spannendere Teilbereich sei. „Die Frage ist: Haben wir ein Keimwachstum oder nicht?“, so Wagner. Beim Bakterium Escheria Coli beispielsweise kann das zu einem Abkochgebot führen – so wie Mitte November im Bruchsaler Stadtteil Helmsheim geschehen. Legionellen seien erst gar nicht gänzlich aus dem Wasser zu bekommen. „Wenn dann die Wohnung einer Familie beprobt wird, die gerade zwei Wochen im Urlaub war, kann es zu erhöhten Werten kommen. Das ist dann aber nicht gleich gesundheitsgefährdend und wir können zügig dagegen vorgehen“, sagt Wagner.
Das gleiche gilt für die chemischen Bestandteile des Wassers. „In der Rheinschiene überschreiten der Eisen- und der Mangananteil im Wasser immer mal wieder die Richtwerte.“ Ein ähnliches Problem gibt es mit Nitrat, dessen Wert durch das Ausbringen von Pflanzenschutzmittel lokal erhöht sein kann – so wie in Weingarten, wo eine Aufbereitungsanlage für Ausgleich sorgt. Doch das alles ist nicht besorgniserregend. „Das Wasser im Landkreis ist im Gegensatz zu anderen Gebieten wirklich gut“, so Wagner. Jeden Tag erreichten das Gesundheitsamt Befunde mit auffälligen Werten, sagt Wagner. Doch nur selten muss die Behörde auch wirklich einschreiten. „Wir weisen den Betreiber darauf hin, dass die Trinkwasserverordnung eine Aufbereitung vorsieht. Dann ist das Problem meistens schnell gelöst.“

 

Trinkwasserverordnung
Die Trinkwasserkontrollen im Landkreis basieren auf der Trinkwasserverordnung der Bundesrepublik Deutschland. Diese wiederum fußt auf dem Infektionsschutzgesetz, das 2001 in Kraft getreten ist. Beide Gesetze haben den gleichen Grundgedanken, sagt Ulrich Werner vom Gesundheitsamt: „Die Trinkwasserverordnung wie die das Infektionsschutzgesetz setzen auf die Eigenverantwortung der Versorger.“ Dabei gibt die Trinkwasserverordnung nicht nur vor, dass das Wasser beprobt werden muss und wie oft, sondern nennt auch detaillierte technische Vorschriften.