Ansage per Kopfhörer: Mit diesem barrierefreien Geldautomaten gewinnt die blinde Brettenerin Brigitte Schick wieder ein Stück mehr an Handlungsspielraum.
Ansage per Kopfhörer: Mit diesem barrierefreien Geldautomaten gewinnt die blinde Brettenerin Brigitte Schick wieder ein Stück mehr an Handlungsspielraum. | Foto: Ebert

Service für Sehbehinderte

Bankautomat in Bretten per Ansage barrierefrei

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Das ganz normale Alltagsleben steckt für sehbehinderte und blinde Menschen voller Hürden. Manche dieser Barrieren sind für Sehende augenfällig, andere eher unsichtbar. Wie beim Geldabheben am Bankautomaten. Alle Informationen werden nämlich optisch übermittelt.

Für die Bedienung sind Tasten zu drücken, deren Funktion – Bestätigen, Korrektur oder Abbruch – zuerst abgelesen werden muss. Und dann muss man noch den schmalen Schlitz für die Geldkarte finden. Erst dann rattern die Scheine in die Ausgabebox.

Zugang barrierefrei

Seit Montag gibt es in Bretten einen barrierefreien Zugang zu einem Geldautomaten, der auf das Handicap von Sehbehinderten zugeschnitten ist. „Als ich hier das erste Mal alleine Geld abgehoben habe, was das wie Weihnachten“, berichtet Brigitte Schick. Die 68-jährige Brettenerin ist seit dem zehnten Lebensjahr blind, durch eine Meningitis verlor sie ihr Augenlicht. Seither meistert sie ihr Leben trotz dieser Einschränkung und engagiert sich auch seit Jahrzehnten für verbesserte Alltagsbedingungen für Menschen mit Handicap. Der barrierefreie Bankautomat ist so eine Verbesserung.

Ansagen per Kopfhörer

„Am Wochenende mal schnell Geld holen, um mit einer Freundin ins Cafe zu gehen, das ging gar nicht“, erzählt sie. Immer musste man sich – wenn man Bargeld brauchte – an die Öffnungszeiten der Bank halten und einen Helfer mitnehmen. „Doch Geldsachen sind eine so persönliche, individuelle Angelegenheit, die will man gerne alleine erledigen“, sagt Schick. So kam es, dass die Behindertenverbände schon 2013 mit den Banken eine Zielvereinbarung für einen barrierefreien Zugang zu deren Angeboten abgeschlossen haben. Zug um Zug sollte zumindest eine Filiale vor Ort rollstuhlgerecht, unterfahrbar und auch für Kleinwüchsige bedienbar sein. Der Kopfhöreranschluss mit einer akustischen Bedienungsanleitung ist ein weiterer Schritt in diese Richtung.

Tasten mit Blindenschrift

„Die Sparkasse Kraichgau war seinerzeit die erste Bank, die die Zielvereinbarung unterschrieben hat“, bekundet Schick. Diese Bank ist es auch, die den barrierefreien Automaten in ihrer Filiale bei der Post installiert hat. Auch die Volksbank hat in Bretten ihre Bankautomaten in der Fußgängerzone und beim Alexanderplatz bereits mit dieser Technik ausgestattet, weitere sollen folgen.
Blindenhündin Isis führt Brigitte Schick zielsicher zur Eingangstür der Filiale. Der zehnjährige Schäferhund/Flat Coatet Retriewer-Mischling ist ein aufmerksamer Führer. Am Bankautomaten zückt die Seniorin ihre Geldkarte und stöpselt den Stecker ihres Kopfhörers in die vorgesehen Bux. Die muss sie allerdings erst mit den Fingern ertasten. Einfacher geht es beim Kartenschlitz und dem Quittungsknopf. Der ist per Blindenschrift leicht zu finden: Eine freundliche Frauenstimme leitet sie dann per Ohrstöpsel durchs Menü: „Für Bargeldausgabe drücken sie die 5“, sagt die Dame, für 20 Euro dann die Taste 1, für 50 die Taste 2 und für 100 Euro die Taste vier. Alle Nötige wird angesagt. Schließlich rattern die georderten Geldscheine ins Ausgabefach.

Freude über mehr Lebensqualität

„Das ist ein sehr gutes Gefühl, wenn man so selbstbestimmt agieren kann“, sagt die rüstige Seniorin, die für die SPD schon seit 30 Jahren im Bretten Gemeinderat sitzt. Technische Hilfsmittel nutzt sie in vielfältiger Weise. Mit dem PC ist die gelernte Programmiererin schon seit Jahrzehnten vertraut, blind schreiben hat sie von der Pike auf gelernt. „Texte kann ich mir per Screenreader vorlesen lassen“, sagt sie. Die Brettener Ausgabe der BNN liest sie per Newsreader.
„Mein altes Handy hatte bereits ein Sprachausgabeprogramm, SMS habe ich damals noch mit der Zifferntastatur geschrieben“, erzählt sie weiter. Die Zahlenkombinationen hat sie immer noch parat. Ihr neues Smartphone kann noch mehr, beim Touchen und Wischen muss sie allerdings noch üben.
Mit dem, was in Bretten für behinderte Zeitgenossen gemacht wird ist sie zufrieden, auch wenn manches noch ausbaufähig ist. „Eine behindertenfreundliche Stadt ist eine menschenfreundliche Stadt“, sagt die Seniorin.