Wie kommt die CD in die Hülle? Bei Hofa in Karlsdorf ist für diese Aufgabe ein vom Informationsfachdienst vermittelter Mitarbeiter zuständig. Außerdem schweißt er Ware in Schrumpffolie ein. | Foto: Marianne Lother

Integrationsfachdienst

„Bei der Ausbildung ist die ganze Palette offen“

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Von Jörg Uwe Meller
Im vorigen Jahr hat die Zeit für eine Jubiläumsfeier nicht gereicht, im Juli werden jetzt deshalb ungewöhnlicherweise 26 Jahre Integrationsfachdienst (IFD) Karlsruhe gefeiert (siehe Hintergrund). Die Arbeit geht vor. Und die Arbeit wird immer mehr: „Wir bearbeiten etwa 1 000 Fälle im Jahr“, sagt Teamleiter Bruno Braun. „Sowohl Neue als auch solche, die immer wieder mal kommen. Wir haben Stammleute, die wir seit 20 Jahren betreuen.“

Gemeinsam wird eine Lösung gesucht

Die Schwerpunkte der Arbeit des Integrationsfachdiensts liegen in der Sicherung von Arbeitsplätzen und im Übergang Schule und Beruf. „In etwa einem Viertel der Fälle werden wir vom Arbeitgeber kontaktiert“, so Braun. Es sei keineswegs so, dass die Arbeitgeber immer die „Bösen“ sind. Manchmal fällt zum Beispiel auf, dass ein Angestellter depressiv ist und hohe Fehlzeiten hat. Der Chef wendet sich an den IFD, um die Ursache des Problems zu finden. Arbeitnehmer wie Arbeitgeber werden übrigens als „Klienten“ bezeichnet.

Für beide wird versucht, eine Lösung zu finden. Wie sieht die Rentensituation des Beschäftigten aus? Wie ist seine familiäre Situation? Wie stellt er sich seine Lebensplanung vor? Anpassung, Veränderung, Reduzierung der Arbeit sind typische Lösungen. Wenn ein Mitarbeiter in einem Arbeitsbereich Probleme hat, kann er vielleicht in einem anderen eingesetzt werden. Auch Altersteilzeit könnte eine Möglichkeit sein. „Wir sammeln Informationen und suchen gemeinsam eine Lösung“, so Braun. „Es gibt keine Zwangstherapie. Kündigung ist ein seltener Fall.“
Selbst eine Kündigung müsse nicht immer ein Scheitern darstellen, meint Claudia Seeger vom Integrationsamt, in dessen Auftrag der Integrationsfachdienst arbeitet. Kündigung könne auch befreiend wirken und zu einer beruflichen Umorientierung führen.
„Große Firmen haben in der Regel erst einmal eigene Hilfssysteme“, sagt Braun. „Kleine Firmen kommen direkt auf uns zu. Alle Firmen mit mehr als 20 Mitarbeitern werden vom Informationsamt mit Infomaterial versorgt. Viel geht auch über Mundpropaganda. Etwa die Hälfte der Betroffenen kommen von selber, Ärzte und Kliniken stellen viele Kontakte her.“
Der Übergang von Schule und Beruf ist seit 2005 ein Arbeitsschwerpunkt des Integrationsfachdiensts, war aber schon immer ein Zeitpunkt, in dem der Druck auf junge Menschen besonders hoch ist und sie anfällig sind für psychische Erkrankungen. „Was nützt ein Hauptschulabschluss mit vier minus, mit dem man nichts anfangen kann?“ fragt Bruno Braun. Es gelte einen Rahmen zu finden, in dem jemand innerhalb seiner Fähigkeiten funktionieren und arbeiten kann.

Ein Netzwerk von Institutionen

Schüler – vor allem mit geistiger Behinderung – können bereits ab der Werkstufe bei der Erprobung und Aufnahme einer für sie geeigneten Arbeit unterstützt werden. Klienten des IFD arbeiten heute unter anderem in Kfz-Werkstätten, in Küchen, Reinigungsfirmen, Pflegeberufen, in der Tierpflege, auf Bauhöfen, in Garten- und Landschaftsbaubetrieben – Tätigkeiten, in denen ihre Neigungen und Fähigkeiten zum Einsatz kommen. „Bei der Ausbildung ist die ganze Palette offen“, sagt Braun.
„Wichtig ist, dass man heute auf ein Netzwerk von Institutionen zurückgreifen kann, die den Menschen Wege öffnen können“, betont Claudia Seeger. Wie die Agentur für Arbeit, das Staatliche Schulamt, Stadt- und Landkreis oder die Deutsche Rentenversicherung.