Was einen guten Boden ausmacht, demonstriert Rolf Kern vom Landwirtschaftsamt mit der Gießkanne. Rund 30 Landwirte sind zum Workshop zum Thema Klimawandel und Landwirtschaft auf den Spitalhof nach Diedelsheim gekommen. | Foto: Ebert

Landwirtschaft und Klimawandel

Beim Workshop in Bretten steht Bodenqualität im Fokus

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Es war eine eindrückliche Szenerie, die Alexander Kern vor knapp vier Jahren ins Nachdenken brachte. Mit dem Handy hat der Diedelsheimer Landwirt sie festgehalten: Auf seinem Feld fließt ein brauner Schlammfluss hangabwärts und nimmt den wertvollen Mutterboden mit – die Lebensgrundlage seines Betriebs. Sintflutartige Regenfälle hatten im Frühsommer 2015 in Bretten und Umland immense Schäden angerichtet. Der Klimawandel ist in der Landwirtschaft angekommen.

Spitalhof einer von 30 Pilotbetrieben

Seither beschäftigt sich der Junglandwirt verstärkt mit dem Thema Klimawandel und Bodenaufbau. Und ist mit dem Spitalhof, den er zusammen mit seinem Vater Martin Kern führt, einer von 30 Pilotbetrieben in Baden-Württemberg, die eine nachhaltige Anpassung der Landwirtschaft an den Klimawandel erproben. Bei einem Workshop des Landwirtschaftsamts auf seinem Hof ging es am Mittwoch um die Frage, wie sich die Bauern in Baden-Württemberg auf diese Herausforderung einstellen können.

Bodenqualität entscheidend

Rolf Kern, beim Landwirtschaftsamt in Bruchsal zuständig für Wasser- und Bodenschutz und nicht verwandt oder verschwägert mit dem gleichnamigen Ackerbauern, hat zwei Antworten auf diese Frage: „Wir müssen die Bodenfruchtbarkeit aufbauen und für einen ausreichenden Erosionsschutz sorgen“, sagt er. Die intensive Bodenbearbeitung gehe auf Kosten der Bodenqualität und vermindere die Infiltrationsfähigkeit der Böden.
Anschaulich demonstriert Kern auf dem Feld die Wasserdurchlässigkeit und die Konsistenz eines guten Mutterbodens. Vielseitige Fruchtfolgen, die Zwischensaat unmittelbar nach der Getreideernte und Maßnahmen, die dem Regenwurm zugute kommen, nannte er als Beispiele für eine nachhaltige Bodenbearbeitung. Dass dies Geld kostet, verschweigt Kern nicht. „Wir müssen investieren, um dem Klimawandel entgegenzuwirken“, sagte er. Doch auf lange Sicht zahlten sich diese Investitionen aus. „Die Systemumstellung beginnt im Kopf und nicht auf dem Acker“, ist seine Überzeugung.

„Die extremen Jahre werden zunehmen“

Dass der Klimawandel längst in der Landwirtschaft angekommen ist, belegt Carolina Wackerhagen von der Bodensee-Stiftung. Die ist einer der vier Projektpartner, die das Pilotprojekt zur nachhaltigen Anpassung der europäischen Landwirtschaft an den Klimawandel betreuen. Als Klimatrend müsse Baden-Württemberg bis zur Jahrhundertwende mit einem Anstieg der tropischen Tage – über 30 Grad Celsius –, mit längeren Hitzeperioden und weniger Niederschlägen rechnen.
„Die extremen Jahre werden zunehmen“, erklärt die Umweltwissenschaftlerin. Mit einem Klimawandel-Check, gehe man der Frage nach, wie anfällig Betriebe für die klimatischen Veränderungen sind. Die Klimadaten werden dabei in Verbindung mit den Betriebsdaten und den Erträgen gebracht und in einer Risikoanalyse ausgewertet. „Betriebe können sich anpassen, Schwerpunkt muss dabei die Verbesserung der Bodenstruktur und des Bodenlebens sein“, lautet ihr Fazit.

Maßnahmenbündel geschnürt

Betriebsleiter Alexander Kern ist seit dem Schlüsselerlebnis „Schlammlawine“ dabei, seinen Betrieb nachhaltiger zu gestalten. „Wir haben die Bodenbearbeitung reduziert und gehen weniger tief unter die Oberfläche“, berichtet er von den wichtigsten Maßnahmen. Auf die Winterbodenbearbeitung verzichte man ganz, außerdem passe man den Reifendruck der Traktoren an. Die Zwischenfruchtsaat betreibt der Vater-Sohn-Betrieb schon länger. Der Erfolg: Die Befahrbarkeit der Flächen und die Bodenqualität hätten zugenommen.

„Die Umstellung beginnt im Kopf“

Um sich noch besser für die Zukunft zu rüsten, belegt Alexander Kern einen Bodenkurs für regenerative Landwirtschaft. Denn auch er weiß: „Die Umstellung beginnt im Kopf“. Doch die Entscheidungen sind individuell: Jeder Betrieb müsse für sich das Richtige herausfinden, sagt er. Doch beim nächsten Starkregen will Kern nicht mehr seinem davon fließenden Mutterboden hinterher schauen.