RAPPELVOLLES HAUS: Schon eine ganze Weile, bevor der Informationsabend in der Festhalle in Blankenloch losging, strömten die Besucher in den Saal. Das Interesse, Neues über die Siedlungsziele in Stutensee zu erfahren, war enorm. Und die Bürgerinitiative „Rettet den Lachwald“ nutzte den Abend als Plattform, ihre Meinung zu äußern. | Foto: Hendel

Info-Abend in Stutensee

„Bezahlbares Wohnen“ schafft Probleme

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Die Kommunen rund um Karlsruhe sind gefordert, für Wohnraum zu sorgen. Dazu müssen Flächen gefunden werden, die in kommunalem Besitz und schnell verfügbar sind. Das ist das Anliegen des Nachbarschaftsverbands Karlsruhe (NVK) mit elf Kommunen zwischen Linkenheim-Hochstetten im Norden und Marxzell im Süden. Überlegungen des NVK für die Flächensuche auch im Blick auf Stutensee stellte dessen Vertreterin Heike Dederer zusammen mit der Stadt Stutensee und unterstützt von Fachleuten bei einem Informationsabend in der gut gefüllten Festhalle in Blankenloch vor.

Demal: Enorme Herausforderungen für Stutensee

Steigende Immobilienpreise verlangten auch Stutensee enorme Herausforderungen ab, bezahlbaren Wohnraum zu schaffen, den sich Menschen mit geringerem Einkommen leisten können, sagte OB Klaus Demal. Eine Größenordnung zwischen 1 500 und 1 900 Euro netto wurde genannt. Die Bevölkerungsprognose erfordere Baugrund. Zügige Verfügbarkeit solcher Flächen sei das Grundproblem. Und solche sind über den Flächennutzungsplan (FNP) auszuweisen, der sich in der Fortschreibung bis 2030 befindet. Der FNP, erläuterte Dederer, soll nächstes Jahr beschlossen werden, sobald die Beteiligung der Öffentlichkeit abgearbeitet ist. In Stutensee sollen im neuen FNP schon erfasste Flächen verlagert werden, dorthin, wo die Infrastruktur günstiger ist, vor allem durch ÖPNV und Verkehrsanbindung – eine Optimierung, die alle Stadtteile einbeziehe. Schwerpunkte seien südlich von Blankenloch und nördlich von Büchig. Dort mit einer rund sechs Hektar großen Fläche, für die ein Teil des Lachwalds entfernt werden müsste.

Schon erfasste Flächen sollen in Stutensee optimiert werden

Ökologische Aspekte stellte Landschaftsplaner Gottfried Hage vor. Diese sollen im Lauf des Jahres in den FNP integriert werden, hätten jedoch keine rechtliche Verbindlichkeit. Sie würden erst bei konkreten Bebauungsplanverfahren geschaffen. Der Landschaftsplan basiert auf einer Analyse des Vorhandenen und erfasst die biologische Vielfalt des Raums. Gravierende Probleme mit mehr Fahrzeugen erwartet Verkehrsplaner Stefan Wammetsberger nicht: Die angedachten Gebiete seien gut ans überörtliche Netz anzubinden.

Hager: Region als „erfolgreiches Zuzugsgebiet“

Die Bedeutung der Region als „erfolgreiches Zuzugsgebiet“ stellte Gerd Hager, Direktor des Regionalverbands Mittlerer Oberrhein (RVMO), heraus. Es gelte, dort bezahlbaren Wohnraum zu schaffen, wo die Menschen wohnen wollen, betonte er. Im Gebiet des RVMO erwartet er, dass in den nächsten 20 Jahren etwa 100 000 Menschen aufzunehmen seien. Auch er hob darauf ab, dass die Flächen südlich von Blankenloch und nördlich von Büchig die Kriterien erfüllten.
Die Notwendigkeit bezahlbaren Bauens unterstützten die Gemeinderatsfraktionen: Für den Norden des Stadtgebiets statt den Süden plädierte Ludwig Streib (Grüne). Heinrich Sickinger (SPD) hob hervor, dass es Aufgabe der Stadt sei, sich um alle ihre Bürger zu kümmern, um Gerechtigkeit zu schaffen. Nicole Lacroix (CDU) beklagte, dass in der Diskussionsrunde der Dialog nicht angenommen worden sei, den die Bürgerinitiative gefordert habe.

Lachwald ist als Baugrund angedacht

Plädoyers der Büchiger: Vielzählig vertreten waren am Info-Abend Vertreter der Bürgerinitiative „Rettet den Lachwald“ (BI), die nach eigener Aussage jetzt 2 200 Unterschriften gesammelt hat. Ob die schon vorgesehenen Flächen im FNP für Stutensee nicht ausreichten, wollte Klaus Gompper, Sprecher der BI, wissen. Die aktuelle Prognose zum Bevölkerungswachstum liege über dem vom Nachbarschaftsverband Karlsruhe (NVK) ermittelten Maximalwert, der Bedarf sei da, antwortete dessen Vertreterin Heike Dederer. Wie Gerd Hager, Direktor des Regionalverbands, die Einwände der BI zum Lachwald beurteile, fragte Gompper. Es seien Gespräche mit allen 57 Kommunen im Einzugsgebiet geführt worden, um rasch verfügbare Bauflächen zu finden. Dazu werde im Entscheidungsprozess ein Dialog geführt. Büchig sei ein guter Standort für eine Siedlungserweiterung.
Den Lachwald abzuholzen, führe zu einer starken Grundwasserabsenkung, Tiere gingen zugrunde, führte ein Bürger aus. Der Erlös aus dem Verkauf der Lachwaldflächen sei schon im Haushalt für 2020 eingeplant, beklagte ein weiterer Bürger. Spöck und Friedrichstal seien ebenso gut anzubinden und hätten die Stadtbahn, sagte eine Blankenlocherin, dort könnte sich Stutensee ausdehnen. Man solle aufpassen, nicht Naturschutz und soziale Belange gegeneinander auszuspielen, bemerkte eine Bürgerin. Mehrere Sprecher berichteten aus Erfahrungen und Erlebnissen im Lachwald und machten deutlich, dass ihnen dieser Wald sehr wichtig sei, unter anderen eine ehemalige Lehrerin in Büchig, die mit den Schülern regelmäßig dorthin gegangen ist.
Tenor aller Beiträge zwischen Bitten und Fordern: den Lachwald in seinem Bestand erhalten. Und wiederholt war die Klage zu hören, dass doch ohnehin schon alles entschieden sei. Was die Experten mit Verweis auf das laufende Verfahren zurückwiesen.