Besichtigungstour: Pfinztals Bürgermeisterin Nicola Bodner stellte die Pelletanlage, Herzstück eines Contracting-Projekts, Landrat Christoph Schnaudigel, Staatssekretär Andre Baumann sowie Rüdiger Lohse, Volker Kienzle und Hanna Appelt von der KEA vor (von links). | Foto: Müller

Wärmeverbund in Pfinztal

Biomasse bietet „Win-Win“-Situation für alle Beteiligten

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Von Klaus Müller

Am Ende, und davon sind alle Partner überzeugt, profitiert jeder davon. Auf Neudeutsch gesprochen könnte man von einer „Win-Win-Situation“ sprechen. Und das dürfte in der Tat zutreffen. All das subsumierte sich in Pfinztal unter dem Begriff Contracting, im Grunde nichts anderes als eine vertraglich exakt festgelegte Kooperation zwischen zwei Partnern – in diesem Fall geht es um einen Biomasse-Wärmeverbund. Drei Liegenschaften der Gemeinde profitieren davon: das Jugendhaus, der Bauhof sowie Wohncontainer für Flüchtlinge und Obdachlose.

Gesamtinvestition von 440 000 Euro

Die Gesamtinvestition von 440 000 Euro, unter anderem in eine Pelletanlage, in Deckenstrahlplatten (für den Bauhof) und LED-Leuchten, schultert der eine Contracting-Partner, die Firma Gauß Energie-Contracting. Dafür erhält der Investor von der Gemeinde, dem anderen Partner, einen jährlichen Grundpreis und einen Preis für die bereitgestellte Wärme. Somit blieb der Gemeinde eine eigentlich notwendige Investition –  und zwar auf einmal über die ganze Summe von fast einer halben Million Euro – erspart. Bei dem vorliegenden Modell handelt es sich nach Auskunft von Jürgen Gauß vom Contractor um eine „Liefer-Contracting-Variante mit Energieeinsparmaßnahmen“.

Vertrag hat zehn Jahre Laufzeit

Der Vertrag hat laut Uwe Renz,  Fachbereichsleiter Umwelt und Garten in der Gemeinde, eine Laufzeit von zehn Jahren. Dass der Investor großes Interesse am reibungslosen und auch umweltfreundlichen Betrieb seiner Anlage haben dürfte, liegt in der Natur eines Contractings. Schließlich will er damit ja Geld verdienen.

Ein vorbildliches Projekt attestierte Staatssekretär Andre Baumann (Umweltministerium Baden-Württemberg) dem „Überzeugungstäter Pfinztal“; Überzeugungstäter deswegen, weil es in der Gemeinde bereits das dritte Contracting-Modell ist. Mehr noch: Mittlerweile würden 80 Prozent des Wärmebedarfs für kommunale Liegenschaften durch erneuerbare Energie gedeckt werden, erinnerte Bürgermeisterin Nicola Bodner. Kommunen, befand in diesem Zusammenhang Baumann, seien für den Klimaschutz von wichtiger, ja zentraler Bedeutung.

Landkreis Karlsruhe will 2050 „zeozweifrei“ sein

Das Projekt binde sich nahtlos in die Strategie des Landkreises ein, sagte Landrat Christoph Schnaudigel. Zur Erinnerung: Bis 2050 will der Landkreis „zeozweifrei“ sein. Unterstützung und Begleitung erfuhr nicht nur das aktuelle Pfinztaler Contracting-Projekt laut Renz von der KEA, der Klimaschutz- und Energieagentur Baden-Württemberg. Allerdings finden sich nach Einschätzung von Rüdiger Lohse, bei der KEA zuständig für kommunales Energiemanagement, baden-württembergweit noch viel zu wenige Kommunen (etwa fünf bis zehn Prozent), in denen es vergleichbare Energie-Contracting-Modelle gibt.