Gefährlicher Haltepunkt: Hunderte Schüler drängen sich nach Schulende auf dem schmalen Bahnsteig am Brettener Schulzentrum. BNN-Redakteur Hansjörg Ebert berichtete über den Missstand, bis Bewegung in die Sache kam.
Gefährlicher Haltepunkt: Hunderte Schüler drängen sich nach Schulende auf dem schmalen Bahnsteig am Brettener Schulzentrum. BNN-Redakteur Hansjörg Ebert berichtete über den Missstand, bis Bewegung in die Sache kam. | Foto: Rebel

Journalismus zeigt Gesicht

Bretten: Bericht über Bahnsteig bringt Ausbau ins Rollen

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In Zeiten von Falschmeldungen und erstarkendem Rechtspopulismus ist das Vertrauen der Menschen in unabhängige Berichterstattung sehr wichtig – gerade auch im Lokalen. In der Kampagne „Journalismus zeigt Gesicht“ werden ausgewählte Journalisten vorgestellt, die direkt vor Ort im Einsatz sind – wie Hansjörg Ebert.

Die Lokalzeitung sorgt immer wieder dafür, dass Missstände ins Blickfeld und Dinge in Bewegung kommen. So geschehen im Herbst 2017. Die BNN rücken unter der Schlagzeile „Gefährliches Gedränge am Bahnsteig“ ein brisantes Thema ins öffentliche Bewusstsein.

Tag für Tag zwängen sich beim Schulzentrum Bretten Hunderte von schwer bepackten Schülern auf den langen, aber ziemlich schmalen Bahnsteig und warten auf die Stadtbahn, die sie nach Hause bringt.

Bis zur Bahnsteigkante drängeln die Kids, für die Nachfolgenden gibt es kaum Platz zum Durchkommen. Und da donnert auch noch ein durchfahrender Eilzug ungebremst auf der eingleisigen Strecke vorbei.

Schüler sind der Gefahr am Bahnsteig täglich ausgesetzt

Die Lokalredaktion schaut sich die Situation an Ort und Stelle zu den Stoßzeiten an und berichtet von der Gefahr, der die Schüler des nahe gelegenen Schulzentrum hier Tag für Tag ausgesetzt sind. Die AVG als Bahnbetreiber reagiert, schickt nun auch Beobachter an Ort und Stelle und installiert Überwachungskameras.

Bundes- und Landespolizei kontrollieren den Bahnsteig. Doch übermütige Schüler, die Schulranzen auf die Gleise werfen und andere gefährden, sind der kleinste Teil des Problems. Der weitaus größte ist der bauliche Zustand des Haltepunkts Er ist für Hunderte von Schülern einfach zu schmal. Ein Wunder, dass dort noch nichts passiert ist.

Bericht der BNN rüttelt auf

Der Bericht rüttelt auf, die Eltern machen mobil und ärgern sich darüber, dass ihr gleichlautender Protest vor Jahren ungehört verpufft war. Die Schulen schalten sich ein. Die AVG hatte seinerzeit ihren Vorschlag, den Bahnsteig zu verbreitern, abgelehnt – zu teuer!

Jetzt kommt Bewegung in die Sache. Was an Präventionsmaßnahmen sofort umsetzbar ist, wird angeleiert, und auch die Verbreiterung des zwar 120 Meter langen, aber nur drei Meter breiten Bahnsteigs ist nun kein Tabuthema mehr.

Thema im Gemeinderat

Im Februar 2018 kommt das Thema schließlich in den Gemeinderat. Die AVG stellt ihre Vorplanungen für den Umbau des Haltepunkts am Schulzentrum vor. Er soll deutlich breiter und barrierefrei ausgestaltet werden.

Einziger Wermutstropfen: Der Umbau kann erst in den Sommerferien 2021 erfolgen – die Mühlen der Verkehrsplaner mahlen langsam. Der Gemeinderat ist mit dem Zeitplan unzufrieden, moniert den späten Baubeginn, vergeblich. Das lasse sich leider nicht beschleunigen, so das Fazit der Verhandlungen.

Jetzt werden die Vertragsmodalitäten zwischen Landkreis und Land ausgehandelt, dann macht die AVG die Planung im Auftrag der Stadt Bretten, anschließend soll der Ausbau der Haltestelle erfolgen. Schließlich hat die Stadt noch erreicht, dass Bretten das erste in der langen Liste der anstehenden Projekte ist, das nun angegangen wird.