Dicht an den Häusern vorbei läuft die Bahnlinie Bruchsal-Bretten-Mühlacker. So wie hier in Diedelsheim will die Deutsche Bahn nun den Lärmschutz forcieren. | Foto: Rebel

Lärmschutzwände geplant

Deutsche Bahn: Bretten könnte ab 2023 leiser werden

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Den Lärm von Tag und Nacht vorbeirauschenden Güter- und Personenzügen kennen viele Bürger, die in Rinklingen, Diedelsheim, der südlichen Kernstadt oder in Ruit leben, zur Genüge. Doch nun scheint Besserung in Sicht, denn die Deutsche Bahn AG plant, in den kommenden Jahren erheblich in Lärmschutzmaßnahmen zu investieren. Eine entsprechende Information gab Sabine Weiler, Projektleiterin der DB Netz AG, am Dienstagabend im Brettener Gemeinderat. Insgesamt 3 700 des rund 34 500 Kilometer langen Streckennetzes der Deutschen Bahn seien besonders durch Schienenlärm belastet. Die Bundesregierung legte 1998 ein Sonderprogramm zur Minderung des Schienenlärms an ausgewählten Bahnstrecken auf, für dessen Umsetzung die DB Netz AG verantwortlich ist.

Deutsche Bahn stellt Schallschutzgutachten vor

Dabei gebe es zwei Arten von Lärmminderung – durch aktiven Schallschutz (Lärmschutzwände entlang der Bahntrassen) und//oder durch passiven, etwa, wenn Wohneigentümer neue Schallschutzfenster einbauten oder Dächer und Rollladenkästen dämmten. Diese Maßnahmen würden durch das Programm des Bundes zu 75 Prozent bezuschusst; ein Viertel der Kosten blieben beim Eigentümer hängen.
Das im Jahr 2017 für den Raum Bretten von der Deutschen Bahn in Auftrag gegebene Schallschutzgutachten skizzierte Martin Reichert, Bereichsleiter Schall beim Büro Modus Consult in Bruchsal. Der Experte kam zu dem Ergebnis, dass entlang der Bahnlinie zwischen Gondelsheim und Diedelsheim (etwa bis zur B 35-Brücke) auf der Nordostseite auf einer Länge von 1 140 Metern Länge eine drei Meter hoher Lärmschutzwand denkbar sei, um die Lärmgrenzwerte zu unterschreiten. Es gebe allerdings noch einige Gebäude, bei denen dieser Lärmschutz nicht ausreiche und die in die zusätzliche Förderung aufgenommen werden müssten. Dies, so Reichert, gelte aber nur für Wohnhäuser, die vor dem 1. April 1974 errichtet worden seien.

Wand am Mellert-Fibron-Gelände rechnet sich nicht

Im Bahnabschnitt Rinklingen gebe es zwar eine Lärmschutzwand, so der Gutachter, doch sei es „aus Gründen des zu geringen Nutzen-Kosten-Verhältnisses“ nicht möglich, diese bis zur B 35-Unterführung zu verlängern. Im Bahnhofsbereich würden keine Maßnahmen vorgeschlagen – und auch im Bereich der Haltestelle Rechberg, St. Johanner-Weg und Wilhelmstraße (entlang des ehemaligen Mellert-Fibron-Areals) sei das Nutzen-Kosten-Verhältnis zu schlecht, um in das Programm zu gelangen.

Ganz Ruit erhält einen drei Meter hohen Schallschutz

Bleibt Ruit: Über die ganze Ortslage des Stadtteils empfiehlt der Gutachter, auf einer Länge von rund 1 140 Metern eine drei Meter hohe Lärmschutzwand auf der Ortsseite zu errichten.
Ob die auch transparent gestaltet werden könne, damit die Sicht zum Ort nicht versperrt wird, wollte Ortsvorsteher Aaron Treut wissen. „Das machen wir nur im Bereich der Unterführung“, sagte Projektleiterin Weiler. Denn die transparenten Elemente seien teurer – und zudem nicht so effektiv wie die mit Schalldämmwolle gefüllten Lärmschutzwände.
Die Kosten für eine drei Meter hohe Lärmschutzwand bezifferte die DB-Frau auf rund 2 000 Euro pro laufendem Meter. Die würden vom Bund komplett übernommen – aber nur für die Abschnitte mit einem bestimmten Nutzen-Kosten-Faktor. Allerdings sei es möglich, dass eine Kommune noch aufstocke, will heißen, zuzahlen könne, wenn der Wert knapp unterschritten, ein Lärmschutz aber gewollt sei, erklärte Weiler auf eine entsprechende Anfrage von Grünen-Sprecher Otto Mansdörfer.

 

Deutsche Bahn informiert die Bürger bei zwei Terminen

Die DB Netz AG wird nun in zwei Veranstaltungen die Bürger informieren (siehe unten). Bei Zustimmung dauere die technische Planung ein Jahr, das Planfeststellungsverfahren zwei, die Bauausschreibung und Vergabe ein halbes und die Umsetzung ein weiteres Jahr. „Die Wände könnten frühestens 2023 stehen“, sagte Weiler. Die betroffenen Eigentümer würden zudem alle angeschrieben und von ihren jeweiligen Fördermöglichkeiten unterrichtet.
Die Informationsveranstaltungen der DB Netz AG finden für die Stadtteile Diedelsheim und Rinklingen am Mittwoch, 20. Juni, 19 Uhr, in der Schulsporthalle Diedelsheim, für Ruit und die Kernstadt am Montag, 25. Juni, 19 Uhr, in der Festhalle Ruit statt.