Die Fassade der ehemaligen Trafostation in der Pforzheimer Straße bleibt außergewöhnlich. Die Stadt will Thomas Rebels Arbeit dort hängen lassen.
Die Fassade der ehemaligen Trafostation in der Pforzheimer Straße bleibt außergewöhnlich. Die Stadt will Thomas Rebels Arbeit dort hängen lassen. | Foto: Thomas Rebel

Kunstprojekt endet

Bretten büßt Farbe ein

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„Dialog, Disput, Erneuerung“ hat ein Ende, und Bretten büßt Farbe ein. Denn nach Ostern hängt Thomas Rebel die Fotografien seines Projekts zum Stadtjubiläum ab: Kunstwerke, die Gebäude, Kirchen und Unternehmen in auffällige Banner hüllten. Da drängt sich die Frage auf: „Kann man das nicht einfach hängen lassen?“ Es hätte schon im Oktober 2017 Schluss sein sollen. Nun ist es endgültig so weit. „Sie werden verbrannt“, betont Rebel. Einige Beteiligte wollen die Kunst an ihrer Fassade jedoch weiter bewahren.

Entsorgung der kunstvollen Banner

„Wann genau die Werke verschwinden, ist wetterabhängig“, erklärt der Künstler. Denn wenn es regnet oder schneit, wäre das zu gefährlich. Als Auftraggeber zahle die Stadt neben der Konfektion lediglich das Auf- und Abhängen. Um die Entsorgung muss Rebel sich selbst kümmern. Auch die Konzeption, sprich die Idee und Umsetzung, stammt von ihm. Etwa acht Wochen dauerte es vergangenes Jahr, bis die Werke an ihrem Ort waren. „Das Abhängen geht schneller“, ist sich Rebel sicher. Traurig ist der Fotograf nicht. Er sieht das Projekt als temporäre Ausstellung: „Die Geschichte hat damit eben ein Ende.“

Aufbewahren macht keinen Sinn.

Die Banner gehen beim Lagern kaputt. „Sie werden zusammengefaltet. Dadurch entstehen Falten im Kunststoffgewebe, die auf Dauer brüchig werden und abknicken“, erklärt er. Vernichtet werden unter anderem die Kunstwerke in Bauerbach, Sprantal und Ruit. „Aufbewahren macht keinen Sinn. Ich wüsste nicht, für was“, ergänzt Rebel.

Farbe hält fünf Jahre

Umso unerwarteter für den Künstler waren Anfragen, die Banner hängen zu lassen. „Auf die Farbbeständigkeit habe ich fünf Jahre Garantie, für die Aufhängung noch ein Jahr. Dann werden die Gummiteile spröde“, erklärt Rebel. Ein bis zwei Mal im Jahr müsse er prüfen, ob die Verspannungen noch halten.

Konkrete Pläne werden geschmiedet

Welche Gebäude tatsächlich verhüllt bleiben, das entscheide sich bis Ostern, gibt Rebel bekannt. Interesse bestehe unter anderem bei der Sparkasse Kraichgau, berichtet er. Die Bank selbst äußert bisher noch keine konkreten Pläne. „Momentan ist noch offen, was mit dem Kunstwerk in unserer Filiale am Engelsberg passieren wird“, teilt eine Sprecherin auf BNN-Nachfrage mit.

Trafostation und Rathaus bleiben bunt

Die Stadt Bretten hingegen hat das Schicksal ausgewählter Banner bereits besiegelt. Bernhard Feineisen, Amtsleiter für Bildung und Kultur, bestätigt: „Es werden nicht alle Werke abgehängt.“ Bunt verpackt bleiben das Rathaus sowie die ehemalige Trafostation in der Pforzheimer Straße. „Die passen da so wunderbar hin“, sagt er über die Arbeiten.

Luther verschwindet vom Kirchturm

„Die Gebäude stehen nicht unter Denkmalschutz und gehören der Stadt.“ Die Entscheidung sei daher einfach gewesen. „Auffallen wird sicher, wenn die Bilder an den Kirchtürmen weg sind. Es fehlt dort dann etwas“, vermutet Feineisen. Umso mehr würde es ihn freuen, wenn auch andere Aussteller Bilder behalten. Rebel zufolge sei auch das Landmesser-Haus im Gespräch.

Alles hat seine Zeit.

An der Front des evangelischen Gemeindezentrums Diedelsheim wird jedoch bald wieder Normalität herrschen. „Alles hat seine Zeit“, erklärt Rolf Weiß, Pfarrer der evangelischen Kirchengemeinde Diedelsheim und Dürrenbüchig. Die Arbeit wird abgehängt, das habe er der Stadt bereits mitgeteilt. „Es ist schade um das Kunstwerk“, bedauert Weiß, aber entstehende Kosten seien das Problem. Rebels Plan sieht vor, einen Mietpreis pro Quadratmeter festzulegen – „bezahlbar für die Interessenten“, betont er wiederum. „Mir soll es recht sein, wenn die Werke weiterhin dort hängen“.

Kleine Abschnitte werden gerahmt

Einen Teil seines Projekts wird der Künstler selbst retten. „Während die großen verbrannt werden, kommen die kleineren Formate alle zu mir“, erklärt Rebel. „Es wird Abschnitte davon zu kaufen geben.“ 30 mal 30 Zentimeter und handsigniert sollen die Mini-Kunstwerke sein. „Diese werden sauber gefasst und gerahmt, so dass daraus eine hochwertige Arbeit entsteht.“ Zudem will Rebel Einzelteile vor dem Entsorgen ausschneiden, so zum Beispiel die Augen von Luther. „Wir sprechen hierbei von großen Dimensionen“ – knapp eineinhalb Meter breit und hoch.

Denkmäler sind Teil der Ausstellung

„Egal wo ich bin, es spricht mich immer jemand auf das Projekt an“, erinnert sich Rebel an das vergangene Jahr zurück. „Es ist ein Projekt, das man eher in einer Großstadt erwartet.“ Er sei dennoch froh, damals trotz Denkmalschutz die Zustimmung für fast alle Gebäude bekommen zu haben. „Es geht aber nicht, dass man diese dauerhaft verdeckt“, sagt er.

Sie haben in andere Ecken geschaut.

„Besonders in der Anfangszeit ist die Idee, die Stadt als Ausstellungsraum zu nutzen, auf große Resonanz gestoßen“, stimmt Bernhard Feineisen zu. Die Leute seien gezielt durch die Orte geradelt, um die Bilder zu sehen. „Sie haben auch mal in andere Ecken geschaut.“